1.16.085 Ohmden-Holzmaden (4 Teilgebiete)

Verordnung des Landratsamtes Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Ohmden-Holzmaden" vom 03. März 1993 (Esslinger Zeitung vom 10.03.1993).

Auf Grund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutz­gesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom
19. November 1991 (GBl. S. 701) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Ohmden und Holzmaden werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ohmden-Holzmaden".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet besteht aus 4 Teilen (A-D) und hat insgesamt eine Größe von rund 303 ha.

Es umfaßt nach dem Stand vom Februar 1993 im wesentlichen die ausgedehnten Grünland- und Streuobstwiesenbereiche, die Bachauen und die Tallagen entlang des Seebachs, Trinkbachs, Zeller Bachs und des Aubachs sowie die schützenswerten Wald- und Wiesenübergangsbereiche mit ihren besonderen Landschaftsformen auf den Gemarkungen Ohmden und Holzmaden.

(2) Teil A
Teil A des Landschaftsschutzgebietes "Ohmden-Holzmaden" hat eine Größe von ca. 38,3 ha und befindet sich südöstlich von Holzmaden zwischen dem östlichen und südlichen Ortsrand von Holzmaden, der K 1201 (Aichelberger Straße) und der Bundesautobahn A 8 bzw. der Gemarkungsgrenze gegen Weilheim und Aichelberg einschließlich der Flurstücke 1115 und 1117 (teilweise).

Im Teil A befinden sich ganz oder teilweise folgende Gewanne:

·               Lange Morgen, Pfaffenäcker, Breite Wiesen, Weingartswiesen, Weilheimer Wiesen, Lache, Steinwiesen, Reitereschle, Bruckwiesen, Gründen und Vor dem Frauenholz.

Teil B
Teil B des Landschaftsschutzgebietes "Ohmden-Holzmaden" hat eine Größe von ca. 176,2 ha und erstreckt sich im wesentlichen auf der Gemarkung Holzmaden von der Gemarkungsgrenze gegen Kirchheim-Jesingen, parallel zum Trinkbach in der Aue des sogenannten Wiestals, entlang der nördlichen Gemarkungsgrenze gegen Ohmden hin zum nördlichen und nordöstlichen Ortsrand von Holzmaden bis hinab zum Seebachtal und der Waldgrenze zum Gewann "Vögeleshaupt". Dazu gehört auch der Bereich zwischen den Gewannen "Frauenholz" und "Bunzenberg". Auf Gemarkung Ohmden erstreckt sich Teil B zwischen der Gemarkungsgrenze gegen Holzmaden sowie dem nördlichen Waldrand des Gewanns "Berg" und des Bunzenberges bis zur Gemarkungsgrenze gegen Zell u.A. und entlang dieser Gemarkungsgrenze und der K 1265 bis zum südlichen Ortsrand von Ohmden und parallel zum Trinkbach bis zur Gemarkungsgrenze gegen Holzmaden.
Im weiteren Verlauf in Richtung Osten gehört zum Teil B auf Holzmadener Gemarkung das Gebiet Ofenwiesen, auf Ohmdener Gemarkung im wesentlichen die Talaue des Zeller Bachs bis zur Gemarkungsgrenze gegen Zelll.

Im Teil B befinden sich ganz oder teilweise folgende Gewanne:

·               Auf Gemarkung Holzmaden:
Hölzleswiesen, Rauwiesen, Telle, Hintere Halde, Hufäcker, Gogel, Hintere Bergäcker, Zweiglesbettle, Eselsäcker, Krumme Äcker, Tobelwiesen, Kreben, Saffersberg und Ofenwiesen.

·               Auf Gemarkung Ohmden:
Traiffelhalde, Saffersberg, Bergteile, Bergäcker, Schneiderin, Mergelen, Lehenwiesen, Turmwinkel, Bunzenberg, Ottenau, Gemeindeteile, Gemeinde und Gemeindeäcker.

Teil C
Teil C des Landschaftsschutzgebietes "Ohmden-Holzmaden" hat eine Größe von ca. 80,5 ha und befindet sich ganz auf Gemarkung Ohmden.
Teil C beginnt im Westen an der Gemarkungsgrenze gegen Kirchheim-Jesingen und führt entlang dem nördlichen Rand des Wiestals bzw. dem nördlichen Ortsrand von Ohmden und der K 1265 und K 1203 bis zum "Lindenhof". Von dort verläuft die Grenze des Teils C auf der Nordseite der Talaue des Aubaches hinüber zur südlichen Grenze des Walgewannes "Bolzhäuser" und "Lehenhölzer".

Im Teil C befinden sich ganz oder teilweise folgende Gewanne:

·               Ameisen, Brüdelbett, Wiesäcker, Berbach, Halden, Bolzhäuser, Benzbetten und Vordere Au.

Teil D
Teil D des Landschaftsschutzgebietes "Ohmden-Holzmaden" hat eine Größe von ca. 8,2 ha und besteht im wesentlichen aus den Gewannen "Pippendorf" zwischen den Waldgewannen "Bolzhäuser" und "Oberholz" und dem "Pippendorfer Bach" (Gemarkungsgrenze gegen Hattenhofen).

(3) Die genauen Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Esslingen - Umweltschutzamt -, Pulverwiesen 11, 7300 Esslingen am Neckar, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt. Je eine Ausfertigung befindet sich bei den Bürgermeisterämtern der Gemeinden Ohmden und Holzmaden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Vielfalt und Schönheit der Tallagen und Talhänge entlang des Trinkbachs, des Seebachs und des Aubachs sowie der Streuobstwiesen, Wiesen, Gehölzgruppen, Feuchtflächen, Ufergehölze und Waldränder der Voralblandschaft. Diese abwechslungsreiche Landschaft bietet zahlreichen Tieren und Pflanzen den notwendigen Lebensraum.

Die Vielzahl der unterschiedlichen Landschaftselemente und der Reichtum verschiedenster Grenzstrukturen mit ihrer Bedeutung als Lebensraum für zahlreiche, teilweise selten gewordene Pflanzen- und Tierarten charakterisieren den Wert dieser Landschaft.

Ein weiterer Schutzzweck ist die Sicherstellung als wertvoller Naherholungsraum am Rande der stark industrialisierten und belasteten Täler von Neckar, Lauter und Lindach sowie der Schutz vor Beeinträchtigung durch Kleinbauten und Einfriedigungen.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch:

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

1.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

2.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (LBO) in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen, Vornahme von Bohrungen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Lagern von Abfällen;

7.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, sowie Betrieb von Motorsport und von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Inbetriebnahme von Ultraleichtflugzeugen, Hängegleitern und Modellflugzeugen;

10.        Grasskifahren;

11.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze, Zelten oder mehrtägiges Abstellen von Kraftfahrzeugen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern und Entwässern natürlicher Feuchtbereiche;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        Beseitigung oder Veränderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie z.B. landschaftsprägenden Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen;

16.        Beseitigung von Obstbäumen und Umbruch von Wiesen zu Äckern;

17.        Errichtung von intensiv bewirtschafteten Obstanlagen (z.B. Nieder-, Halbstammanlagen, Obsthecken) bei:
Tafeläpfeln ab 10 a Fläche
Tafelbirnen ab 5 a Fläche
Sauerkirschen, Zwetschgen und Pflaumen ab 4 a Fläche
Beerenobst ab1 a Fläche

18.        Reiten mit Ausnahme auf Wegen, auf denen das Reiten erlaubt ist.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

(6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, mit Ausnahme der Handlungen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 6, 15, 16 und 17;

2.            für die Beseitigung von einzelnen Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Befreiungen

(1) Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann die untere Naturschutzbehörde von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilt werden.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde:

1.            Genehmigung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            Anlage oder Veränderung von Vorhaben im Sinne von § 63 Abs. 2 Nr. 2 NatSchG, die zu Eingriffen von besonderer Tragweite oder zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung überörtlicher Interessen der erholungssuchenden Bevölkerung führen können;

3.            Errichtung von Freizeitanlagen, die in besonders gelagerten Einzelfällen die landschaftliche Eigenart beeinträchtigen können, so z.B. Skilifte oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Esslingen am Neckar, den 03. März 1993

Landratsamt

gez. Dr. Braun

Landrat

Änderung:

Verordnung des Landratsamts Esslingen vom 23.02.1995 zur Änderung der Landschaftsschutzgebietsverordnung "Ohmden-Holzmaden" (Verordnung vom 03.03.1993) (Esslinger Zeitung vom 04.03.1995).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs.3 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes (Biotopschutzgesetz) vom 19. November 1991 (GBl. S. 701) wird die Verordnung des Landratsamts Esslingen über das Landschaftsschutzgebiet "Ohmden-Holzmaden" vom 03.03.1993, in Kraft getreten am 11.03.1993, wie folgt geändert:

§ 1

Auf Gemarkung Holzmaden wird im Gewann "Hölzleswiesen" das Flurstück Nr. 441 komplett aus dem Geltungsbereich der Landschaftsschutzgebietsverordnung herausgenommen. Vom Flurstück Nr. 420/2 im selben Gewann wird der Teil, welcher innerhalb des gültigen Bebauungsplans "Kirchheimer Straße" der Gemeinde Holzmaden liegt, aus der Landschaftsschutzgebietsverordnung herausgenommen.

Die geänderte Landschaftsschutzgebietsgrenze ist in einem Flurkartenausschnitt im Maßstab 1 : 2 500 schwarz umgrenzt und grün angeschummert dargestellt und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 mit einem grünen Kreis markiert. Beide Karten sind Bestandteil dieser Änderungsverordnung und werden gemeinsam mit der Verordnung beim Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11, 73726 Esslingen am Neckar, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt. Je eine Ausfertigung befindet sich bei den Bürgermeisterämtern der Gemeinden Ohmden und Holzmaden.

§ 2

Abgesehen von der in § 1 bezeichneten Änderung bleibt das Landschaftsschutzgebiet "Ohmden-Holzmaden" vom 03.03.1993 nach Umfang und Wortlaut unverändert.

§ 3

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Esslingen am Neckar, den 23.02.1995

Landrandratsamt:

Dr. Braun

Landrat