1.16.089 Wernau (Neckar) (6 Teilgebiete)

Verordnung des Landratsamtes Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Wernau (Neckar)" vom 03.05.1995 ("Wernauer Anzeiger "vom 12.05.1995).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutz­gesetz ‑ NatSchG ‑) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes (Biotopschutzgesetz) vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Wernau (Neckar) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Wernau (Neckar)".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1)Das Landschaftsschutzgebiet besteht aus 6 (A ‑ F) Teilen und hat insgesamt eine Größe von rund 214 ha.

 (2)Es umfaßt nach dem Stand vom Dezember 1994 im wesentlichen die Hangflächen links und rechts des Neckars, den sich sehr weit in bebaute Bereiche hineinziehenden Streuobsthang im Bereich des Laichlewälchens, den Talhang auf der Ostseite des Bodenbaches und den Bereich westlich und nördlich des bestehenden Naturschutzgebietes "Wernauer Lehmgrube".

 (3)Teil A
Bei Teil A handelt es sich um die links des Neckars liegende, von landschaftsprägenden Streuobstwiesen und ökologisch wertvollen Waldflächen und Waldrändern charakterisierte Hangfläche, die sich vom Plochinger Kopf bis zur Markungsgrenze nach Köngen erstreckt.

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Pfauhausen:
Plochinger Kopf, Steinacker, Großenacker und Saier, Saier, Schathüttlen, Bettenhalden, Kesseläcker, Hofwäldle, Gemeindewald, Holzäcker, Schafhaus, Bei dem langen Stein, Krustenacker, Reiterwiesen, Gesod, Gesödwiesen und Gesödwald.

Teil B
Teil B erstreckt sich rechts des Neckars vom Plochinger Dreieck bis weit in bebaute Bereiche auf Flur Pfauhausen hinein.

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Pfauhausen:
Unter dem Galgen, Lauchäcker, Unter dem Lauch, Hinteres Läuchle und Läuchle.

Teil C
Teil C erstreckt sich am Hang rechts des Neckars von der Gemarkungsgrenze zu Wendlingen entlang der Bahnlinie bis zum bebauten Bereich auf Flur Pfauhausen. Der Neckar mit linker und rechter Böschung ist Bestandteil des Teiles C von der Markungsgrenze Wendlingen bis zur Neckarbrücke Kirchheimer Straße.

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Pfauhausen:
Gemeindewasen, Erblehen, Steinriegel, Gieser, Schäferbrunnen, Riemenhecke, Riemenacker, Hinter den Gärtlen, Lange Äcker, Grund, Gärtlen, Mainwiesen, Ob dem Rain, Tobelgraben, Bettlensacker, Beim Laurenbaum, Ob der Klangenwiese.

Teil D
Bei Teil D handelt es sich um den östlich der Ortslage befindlichen Talhang mit nach Osten anschließenden, sehr stark strukturierten Flächen auf Flur Steinbach.

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Steinbach:
Hesslenbach, Schnaitegertle, Weidach, Tobeläcker, Leichenberg, Taläcker, Heuwiesen, Häldlensäcker, Ebeneäcker, Krättenäcker, Grund, Kehlenegertle, Obere Kehlen, Untere Kehlen, Kehlwiesen, Sparblet, Sparbletäcker.

Teil E
Teil E befindet sich westlich und nördlich des Naturschutzgebietes "Wernauer Lehmgrube".

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Steinbach:
Josacker, Bergäcker, Erlenbach und Birke.

Teil F
Teil F liegt südöstlich der Ortslage. Es umfast Flächen entlang des Bodenbachs bis zur Markungsgrenze zu Notzingen sowie des anschließenden Talhanges.

·               Betroffen sind ganz oder teilweise folgende Gewanne auf Flur Steinbach:
Sulzwiesen, Sulzacker, Sparblet, Reute, Dornwäldle, Sulzhau, Unterbach, Winklen, Fuirne, Kranzheldenacker, Krumme Morgen, Kranzhalden und Wolfentobel, Bodenwiesen, Bachwiesen.

 (4)Die genauen Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in einer verkleinerten Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umgrenzt und grün ungeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Bürgermeisteramt Werneu, Kirchheimer Straße 69, 73249 Wernau (Neckar) zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung landschaftsprägender Wiesen, Obstbaumwiesen, Hecken, Gewässer, Ufer‑ und Feldgehölze, und Wälder auf dem in § 2 näher bezeichneten Schutzgebiet. Diese belebten Landschaftselemente mit ihrer hohen ökologischen und landschaftlichen Wertigkeit sind wichtige Lebens‑ und Rückzugsgebiete für viele, zum Teil bedrohte Tier‑ und Pflanzenarten. Sie haben eine überragende Bedeutung für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, vermitteln dem erholungssuchenden Menschen Naturnähe und sind von hohem Erlebniswert. Darüber hinaus erfüllen die als Landschaftsschutzgebiet vorgesehen Flächen am Rande der bestehenden Naturschutzgebiete "Wernauer Baggerseen" und ''Wernauer Lehmgrube" wichtige Pufferfunktionen für diese Naturschutzgebiete. Die Erhaltung der in § 2 näher bezeichneten Bereiche als Lebensrat für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum für den Menschen und als Bereiche mit klimatischer Ausgleichsfunktion ist von allgemeinem Interesse und soll durch die Unterschutzstellung gesichert werden Ein weiteres wesentliches Ziel der Unterschutzstellung ist die Verhinderung des Fortschreitens der Bebauung mit Kleinbauten und Einfriedigungen.

§ 4 Verbote

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig verändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (LBO) in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober‑ oder unterirdischen Leitungen: aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen, Vornahme von Bohrungen oder Veränderungen der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Lagern von Abfällen;

7.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen sowie Betrieb von Motorsport und von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Modellflugzeuge, zu starten oder zu landen;

10.        Grasskifahren;

11.        Reiten, mit Ausnahme auf Wegen, auf denen das Reiten nicht durch Dritte ausgeschlossen ist;

12.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze, Zelten oder mehrtägiges Abstellen von Kraftfahrzeugen;

13.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

14.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln;

15.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

16.        Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung standortfremder Gehölze oder wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

17.        Beseitigung oder Veränderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie z. B. Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld‑ und Ufergehölzen, Bachläufen, Schilf‑ und Rohrbeständen;

18.        Beseitigung von Obstbäumen und Umbruch von Wiesen zu Äckern

19.        Errichtung von intensiv bewirtschafteten Obstanlagen (z. Nieder‑, Halbstammanlagen, Obsthecken) bei:
Tafeläpfeln ab 10 ar Fläche
Tafelbirnen ab 5 ar Fläche
Sauerkirschen, Zwetschgen und Pflaumen ab 4 ar Fläche
Beerenobst ab 1 ar Fläche

 (3)Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4)Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5)Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen (mit)*) der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land‑ und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Handlungen nach § 5 Abs. 2 Nr. 1, 7, 15, 16, 17, 18 und 19;

2.            für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 4 und 17;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Verkehrswege durch die Deutsche Bundespost TELEKOM im Rahmen des § 1 Telegraphenwegegesetz (TWG) i.d.F. der Fassung vom 24.04.1991 (BGBl.I, S. 1053);

7.            für die im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde durchgeführten Maßnahmen, die der Unterhaltung und Instandsetzung der oberirdischen Versorgungsleitungen der Energieversorgungsunternehmen dienen.

§ 7 Befreiungen

Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann die untere Naturschutzbehörde von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen.

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9

Gemäß § 60 a Naturschutzgesetz (NatSchG) ist eine Verletzung der in § 59 NatSchG genannten Verfahrens‑ und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erlaß der Rechtsverordnung gegenüber der unteren Naturschutzbehörde geltend gemacht worden ist.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt ab Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig treten folgende Schutzverordnungen außer Kraft:

1.            Landschaftsschutzgebietsverordnung "Laichlewald" vom 30.11.1971;

2.            Landschaftsschutzgebietsverordnung "Sulzbachtal" vom 15.12.1971.

Esslingen am Neckar, 3. Mai 1995

Landratsamt

Dr. Braun, Landrat