1.16.092 Mittleres Körschtal

Verordnung des Landratsamtes Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Mittleres Körschtal" vom 01. August 1996 (Esslinger Zeitung vom 10.08.1996).

Aufgrund der §§ 22 und 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Ostfildern und der Gemeinden Denkendorf und Neuhausen a.d.F., werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Mittleres Körschtal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1)Das Landschaftsschutzgebiet hat insgesamt eine Größe von rund 716 ha.

 (2)Das Schutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom August 1996 im wesentlichen:

1.            Wiesengelände am oberen Auchtbach (Auener Bach);

2.            Baumwiesen, Nutzgärten und Felder am Haschberg sowie den Kurrenwald und den Gemeindewald Kemnats;

3.            die Talaue der Körsch ausschließlich des Klärwerks Plieningen bis zum Ortsrand von Scharnhausen einschließlich der gesamten Talhänge (soweit nicht NSG);

4.            die Talmulden der nördlichen Nebenbäche mit ihren Hanglagen und verbliebenen Quellgebieten, das sind:
a) das untere Ramsbachtal mit seinem westexponierten Hang;
b) die Talmulde des Klingenbachs und Riedbrunnenbachs;
c) das untere Höfelbachtal mitsamt dem Einzugsgebiet des Höfelbachs in den Weiherwiesen (aus­genommen ist das Sportgelände in den "Talwiesen");

5.            Teilbereiche des Gewanns "Scharnhauser Park", ehemals Gewann "Fohlengarten";

6.            das Tal der Körsch vom östlichen Ortsrand Scharnhausen bis zum Freibad von Denkendorf sowie die gesamten Hanglagen einschließlich des Gartenhausgebietes "Wettenhardt" (ausgenommen ist die Nellinger Mühle, auch Wörnitzhäuser Mühle genannt);

7.            die Seitentäler der von Norden einmündenden Bäche in ihrem Unterlauf mitsamt den Hanglagen, das sind:
a) der untere Krähenbach;
b) der Katzenbach (Nellinger Bach) mit Billizwiesenbach;
c) der mittlere und untere Osterbach;

8.            teilweise den Bereich zwischen Katzenbach und Osterbach südlich von Nellingen.

 (3) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt folgende Gewanne:

1. Stadt Ostfildern:

·               Gemarkung Kemnat: Empfezenäcker, Auchtwiesen, Krummäcker (teilw.), Spinnenhirn, Bruckenäcker (teilw.), Schwertleswiesen (teilw.), Auchtgäßle, Haurer, Haschberg (teilw.), Kurrenwald, Gemeindewald, Heiligenäcker, Wolfgarten, Birkenwald, Haldenäcker (teilw.), Vordere Halde (teilw.), Allmend, Neue Weinberge, Obere Weinberge, Untere Weinberge, Brand, Weinbergwiesen, Buckelwiesen, Märzenwiesen, Bergwiesen, Unteres Feld (teilw.), Horberweg (teilw.), Riedwiesen (teilw.), Über dem Ried (teilw.), Froschäcker, Höllengrube, Kanzler, Geigenrain, Rossert, Rossertwiesen, Unter Feld, Stockhäuser Feld (teilw.), Heidewiesen, Läuchle, Unter dem Berg, Lette, Dornwiesen, Etzweide, Weinbergwiesen, Wüste Weinberge, Stich, Stockhäuser, Gärten, Mesnerrain, Läuchlesäcker, Talwiesen, Läuchle, Unteres Feld, Kögler, Gartenwiesen, Körschtal, Langewiesen, Kapellenwiesen, Häslachäcker, Spitzäcker, Wurzgarten, Brühl, Beim Wurzgarten, Aspach.

·               Gemarkung Ruit: Hinter Horb, Horbergarten, Horbergasse (teilw.), Horbwiesen, Rossert (teilw.), Läuchle (teilw.), Krebshölzäcker (teilw.), Stockhauser Feld (teilw.), Eichetweg (teilw.), Langes Wiesfeld, Lange Wiesen, Lange Wiesen am Park, Lange Wiesäcker, Weiherwiesen, Reiserwiesen, Weiherhag.

·               Gemarkung Scharnhausen: Obere Häslach, Mackenhaus, Espach, Hintere Hassen, Untere Hassen,, Mittlerer Hassen, Untere Wasen (teilw.), Gatterloch (teilw.), Obere Lohwiesen, Lohwiesen, Winkel,, Laichle, Reute, Letten, Zeiler, Klinge, Krebsholz, Krebsholzäcker, Scharnhauser Park (teilw.), Unterwasser (teilw.), Reute, Ob der Reute, Ob der Halde (teilw.), Grabenwiesen, Stundlenwiesen, Stundlenäcker, Reutenäcker, Reuten, Maierwiesen, Maieräcker (teilw.), Kurze Äcker (teilw.), Biesachwiesen, Biesachwald, Vor dem Biesach, Ob dem Biesach, Taubenäcker, Hinter dem Biesachwald, Kohläcker, Hauwiesen, Hefel, Biesachländer, Riedwiesen, Winkel, Tal, Eichwiesen, ob dem Plieningerweg (teilw.).

·               Gemarkung Nellingen: Scharnhauser Park (teilw.) , Häuser Halde (teilw.), Krähenbach, Greut, Eichen (teilw.), Tal, Brühl, Riedwiesen, Hochwiesen, Müllerwäldle, Tiefenacker, Tiefe Wiese, Neuhauser Halde, Am Häuser Weg (teilw.), Viehtrieb, Masselter, Beunden, Sandwiesen, Große Wiesen, Bandhecke, Meiereiwiesen, Krumme Äcker, Haldenäcker, Gänswiesle, Lichtäcker, Denkendorfer Weg (teilw.), Hummelberg, Baurenstangen, Osterbach, Au, Heckenannen, Mühlwiesen (= Flst. 3014), Käppele, Gefäll, Kelterwiesen, Halden, Ob der Neuhauser Hälde, Hagenbuch, Wettenhardt, Wachtbaum, Schützenhäusle, Kuchenschüssel.

2. Gemeinde Neuhausen:

·               Nellinger Halde (teilw.), Beim Kreuzstein (teilw.).

3. Gemeinde Denkendorf:

·               Hagenbuch, Ob dem Wettenhärdtle, Wettenhalde (teilw.), Wettenhärdtle, Dürrwiesen, Osterbach (teilw.), Mühlhalde, Beim Wettenhärdtle (teilw.), Unter der Wettenhalde (teilw.), Obere Wiese.

(4) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in einer verkleinerten Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000 Schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11, 73726 Esslingen am Neckar zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt. Ausfertigungen befinden sich bei den Bürgermeisterämtern der Stadt Ostfildern und der Gemeinden Neuhausen a.d.F. und Denkendorf.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung landschaftsprägender Wiesenauen und Ufergehölze an der Körsch und ihren ehemaligen Mühlkanälen, sowie die Erhaltung der strukturreichen Talhänge, mit ihren Streuobstwiesen, Rainen, Feldgehölzen, Eichenbeständen, Quellen und Wäldern.

Schutzzweck ist auch die Erhaltung der zur Körsch fließenden Wiesenbäche mit ihren Feuchtwiesen in den Talmulden, den verbleibenden Quellgebieten einschließlich der umgebenden Feldflur.

Damit umfaßt das Schutzgebiet eine Vielfalt unterschiedlicher Biotope und landschaftlicher Strukturen. Ihre Erhaltung als Restlebensraum für selten gewordene und bedrohte Tiere und Pflanzen ist von allgemeinem Interesse.

Ein weiteres Ziel der Unterschutzstellung ist es, ein wichtiges Naherholungsgebiet im dichtbesiedelten Raum im Südosten Stuttgarts zu erhalten und der fortschreitenden Beeinträchtigung dieses Landschaftsraumes durch Kleinbauten und Einfriedigungen Einhalt zu gebieten.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch '

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig verändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1)Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (LBO) in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen, Vornahme von Bohrungen oder Veränderungen der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Lagern von Abfällen;

7.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen sowie Betrieb von Motorsport und von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Inbetriebnahme von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle;

10.        Grasskifahren;

11.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze, Zelten oder mehrtägiges Abstellen von Kraftfahrzeugen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 1 ha;

15.        Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung standortfremder Gehölze oder wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

16.        Beseitigung oder Veränderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie z. B. Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Bachläufen, Schilf- und Rohrbeständen;

17.        Beseitigung von Obstbäumen und Umbruch von Wiesen zu Äckern;

18.        Errichtung von intensiv bewirtschafteten Obstanlagen (z. B. Nieder-, Halbstammanlagen, Obsthecken);

19.        Reiten, mit Ausnahme auf Wegen, auf denen das Reiten nicht durch Dritte ausgeschlossen ist.

 (3)Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4)Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen (mit)*) der Naturschutzbehörde erteilt wird.

 (5)Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen (mit)*) der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 (6)Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht,

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Handlungen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 6, 14, 15, 16, 17 und 18;

2.            für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum gepflanzt wird; sofern ein Hochstamm beseitigt wird, ist wieder ein Hochstamm zu pflanzen;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 16;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Verkehrswege durch die Deutsche Bundespost TELEKOM im Rahmen des § 1 Telegraphenwegegesetzes i.d.F. vom 24.04.1991 (BGBl. I, S. 1053);

7.            für die im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde durchgeführte Maßnahmen, die der Unterhaltung und Instandsetzung der oberirdischen Versorgungsleitungen der Energieversorgungsunternehmen dienen;

8.            für die im Geltungsbereich der Anbauvorschriften für das am 12.05.1965 ausgewiesene Gebiet für die Erstellung von Gartenhäuschen und Geschirrhütten im Gewand "Wettenhardt/Halden" nach diesen Anbauvorschriften zulässigen Handlungen mit Ausnahme der Handlungen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 5, 6, 7, 10, 11, 12, 13, 16, 17, 18, 19.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig treten folgende Verordnungen außer Kraft:

1.            Verordnung des Landratsamtes Esslingen über das Landschaftsschutzgebiet "Mittleres Körschtal" vom 17. Februar 1977;

2.            "Verordnung des Kultministers zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen entlang der Reichsautobahn Stuttgart-München in den Landkreises Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm" vom 12. August 1940 (Reg.-Anzeiger für Württemberg Nr. 64 vom 6. September 1940) insoweit, als sie das in § 2 genannte Gebiet betrifft;

3.            Verordnung des Landratsamtes Esslingen zur einstweiligen Sicherstellung des geplanten Landschaftsschutzgebietes "Mittleres Körschtal” vom 31. Oktober 1995.

Esslingen am Neckar, 01. August 1996

Landratsamt Esslingen

Dr. Braun

Landrat