1.16.094 Beuren

 

Verordnungdes Landratsamts Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet „Beuren" vom 09. April 2001 (Amtsbl. Beuren).

Auf Grund von § 22 und § 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385 ff.) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Beuren werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung „Beuren".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat insgesamt eine Größe von rund 208 ha.

(2) Es umfaßt im Wesentlichen die nördlich und westlich von Beuren und Balzholz liegenden und bis zu den Gemeindegrenzen von Neuffen und Frickenhausen reichenden Flächen. Größtenteils ausgenommen sind die Ackerflächen zwischen Beuren und Balzholz von der Landesstraße L 1210 und der Bebauungsgrenze bis zur Hangkante. Ebenfalls ausgenommen sind die Sportanlagen und der Aussiedlerhof im Gewann „Schnappenhalde". Im Einzelnen umfaßt es ganz oder teilweise folgende Gewanne:

Stumpenwald, Torenwiesen, Torenäcker, Bücheleshauäcker, Breitenlau, Unterer Wasen, Kreftäcker, Holzäcker, Weingarten, Wasen, Klingenweinberge, Kreftwiesen, Mittlere Wiesen, Unteres Ziel, Hinterholz, Ehrlen, Untere Wiesen, Haubernwiesen, Wernhalde, Knappenrain, Zeiläckerwiesen, Braike, Gemeindeäcker, Gross Gereuth, Wagenrain, Töbele, Klein Greutäcker, Schnappenhalde, Mittleres Ösch, Im hohen Rain, Morglachäcker, Seeäcker, Obere Halde, Im Weingarten, Seewiesen, Halde.

(3) Die genauen Grenzen des Landschaftsschutzgebiets sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:12500 und in einer Flurkarte im Maßstab 1:5000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung.

Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11 , 73726 Esslingen am Neckar während der Sprechzeiten und beim Bürgermeisteramt Beuren, Linsenhofer Straße 2, 72660 Beuren während der Dienstzeiten zur kostenlosen Einsicht durch jedermann niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist der Erhalt der wertvollen, reich strukturierten Streuobstwiesen und ihre wertvollen Zusatzstrukturen, die für den Naturhaushalt des Albvorlandes von übergeordneter Bedeutung sind. Insbesondere der Erhalt der wertvollen Zusatzstrukturen, wie Hangkanten, Gras- und Schotterwege, Trockenmauern, magere und trockene Raine, Brachen und kleine ungenutzte Teilflächen, Hecken, Feldgehölze, naturnahe Wälder und Waldränder sowie feuchte Quellbereiche, stellen einen wichtigen Schutzzweck dar.

Schutzzweck ist auch der Erhalt der weitgehend naturnahen Fließgewässer Balzholzer Bach und Beurener Bach mit ihren Zuläufen und deren intakter Gehölzstrukturen. Ein ebenfalls wichtiger Schutzzweck ist das Landschaftsbild bzw. das Ortsbild von Beuren. Ziel ist es, den Streuobstbestand in unmittelbarer Ortsnähe für das Orts- und Landschaftsbild zu erhalten und zu fördern. Zum Landschaftsbild gehören auch die für den Naturhaushalt des Gebietes sehr wichtigen naturnahen Laubmischwälder, deren Erhalt und Förderung ebenfalls Schutzzweck ist.

Und nicht zuletzt ist wichtiger Schutzzweck der Erhalt der Landschaft als Naherholungsgebiet am Rand des Ballungsgebiets mittlerer Neckarraum.

§ 4 Verbote

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch:

1. der Naturhaushalt geschädigt wird;

2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3. eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird;

4. das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

5. der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebiets verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1. Wesentliche Landschaftsbestandteile, wie z.B. Bäume, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Bachläufe, Schilf- und Röhrichtbestände, zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2. Bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4. Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, anzulegen oder zu verändern;

5. Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme), von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen sowie die Inbetriebnahme von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle;

6. Fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

7. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8. Die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen oder durch Abbau, Entnahmen oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteilen;

9. Neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen, Wald umzuwandeln, Kleingärten anzulegen, standortfremde Gehölze anzupflanzen sowie die Bodennutzung auf andere Weise wesentlich zu ändern;

10. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

12. Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

13. Motorsport (auch motorbetriebene Schlitten, mit Ausnahme von gemeindeeigenen Schlitten zur Anlage von Langlaufloipen) zu betreiben;

14. Zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen sowie mehrtägiges Abstellen von Kraftfahrzeugen;

15. Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

16. Einfriedungen zu errichten;

17. Abfälle zu lagern;

18. Obstbäume zu beseitigen;

19. Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 1 ha;

20. Errichtung von intensiv bewirtschafteten Obstanlagen (z.B. Nieder-, Halbstammanlagen, Obsthecken) bei:

Tafeläpfeln      ab 10 ar Fläche

Tafelbirnen      ab 5 ar Fläche

Kirschen, Zwetschgen, Pflaumen     ab 4 ar Fläche

Beerenobst     ab 1 ar Fläche

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen der Naturschutzbehörde erteilt wird.

§ 6 Zulässige Handlungen

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes

1. ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß

a) die Bodengestalt nicht verändert wird,

b) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird,

c) wesentliche Landschaftsbestandteile, wie landschaftsprägende Bäume, Streuobstbestände, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände, Felsen, Böschungen, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,

d) eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird;

2. ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

3. ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

(2) Zulässig ist die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Halb- oder Hochstamm) gepflanzt wird.

(3) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen sowie die rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Verkehrswege durch die Deutsche Telekom AG im Rahmen des Telekommunikationsgesetzes (TKG) i.d.F. vom 25.07.1996 (BGBl. l, S. 1120 ff).

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2. im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Esslingen am Neckar, 09. April 2001 landratsamt esslingen

(gez.)

Heinz Eininger

Landrat