1.17.052 Albtrauf im Raum Bad Boll

Verordnung des Landratsamts Göppingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Albtrauf im Raum Bad Boll" im Gebiet der Gemeinden Aichelberg, Boll, Dürnau, Gammelshausen und Zell u.A. vom 23. Dezember 1975 (Göppinger Kreisnachrichten und Geislinger Ztg. vom 30. Dezember 1975).

Auf Grund der §§ 5 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821), zuletzt geändert durch das Gesetz zur Änderung und Bereinigung von Straf- und Bußgeldvorschriften des Landes Baden‑Württemberg vom 6. April 1970 (GBl. S. 111), und des § 7 der Verordnung zur Durchführung des Reichsnaturschutzgesetzes und des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes in der Fassung vom 17. Oktober 1962 (GBl. S. 203), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1

Die in § 2 näher beschriebenen Landschaftsteile auf den Gemarkungen Aichelberg, Zell u.A., Boll-Eckwälden, Boll, Dürnau und Gammelshausen werden dem Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes unterstellt. Diese zusammenhängenden Landschaftsteile werden als Landschaftsschutzgebiet "Albtrauf im Raum Bad Boll" bezeichnet.

§ 2

(1) Zu dem Schutzgebiet, das eine Größe von ca. 1 050 ha hat, gehört der nördliche Albtrauf vom Turmberg bei Aichelberg bis zum Galgenbuckel bei Gammelshausen. Es erstreckt sich auf folgende Gemarkungen und Gewanne:

·               Aichelberg
Große Wiesen, Löhle, Baumholz, Eichelberg, Turmberg, Hintere Gärten, Jungbrunnen, Hintere Wiesen, Fuchsrain, Wespenäcker, Königswiesen, Hühnerloh, Ziegelwiesen, Ziegelrain, Sittery, Speller, Maustobel, Laubnetsfirst;

·               Zell u.A.
Erlenwasen, Erlenwald

·               Boll-Eckwälden
Gereut, Nollen, Roßauchert, Hühnerloh, Maustobel, Kaltenwang, Teufelslöchle;

·               Boll
Grundhau, Grundhauwald, Kaltenwang, Rainen, Badwasen, Maunenwiesen, Eichhalde, Holzwasen, Hohacker, Krumme Steig, Buch, Hohackerwald, Erlen, Im Ries, Vordere Halde, Mühlgärten, Heide, Leuthe, Hintere Halde, Haselrain, Stubenhau, Heidhau, Burghalde;

·               Dürnau
Kotschöpfin, Mehl, Obere Breite, Reutelen, Halde, Buchscherren, Weiher, Kühle, Pfingstwasen, Berg, Ebene, Ziegelwasen, Mittlere Kühle, Wasen, Mittlere Wasen, Ziegelhau, Alte Hau, Senfrain, Osterhäule, Königshau, Spitalhau;

·               Gammelshausen
Kürzen, Sulz, Gehald, Halden, Erlenhau, Steinriegel, Steigbettlen, Säuhau, Buchwald, Enter, Galgenbuckel, Pfingstwasen.

(2) Das Schutzgebiet wird durch folgende in ihm liegende Parzellen und Wasserläufe, sowie außerhalb liegende Straßen und Wege begrenzt:

·               Markung und Gemeinde Boll
Markungsgrenze Boll/Eckwälden mit Bach 2122 (Butzbach)  abwärts nach N, Parz. 2197, 2199, 2198 über FW 33, diesen nach N, Parz. 2187/2, 2181, 2180/1, 2269, 2053 a (nichtbeständiger Weg nach NO), FW 35/3 nach N, über FW 35/1 und /2, nichtbeständiger Weg bis nördl. Punkt Parz. 2120/1, Parz. 2120/1, 2119-2114, vom nordöstl. Punkt Parz. 2114 durch Parz. 2134-2136 zum nordwestl. Punkt Parz. 2112, Parz. 2112-2110, 2062, 2101/3, 2065, 2057/2 und /1, 2056, 2055/1, Nutzungsgrenze durch Parz. 2055/2 (über FW 35/2) über VicW 5, diesen nach N, FW 50 nach SO, über FW 50, in gerader Linie südöstl. durch Parz. 2019/2 zum nordwestl. Punkt Parz. 2050, Parz. 2050, 2048, 2046, 2042, 2043, 2033, über FW 51 in gerader Linie nach O durch Parz. 433 e und 433 i, über Bach 1 (Gießbach) , über Parz. 433 i zu dem nichtbeständigen Weg, diesen nach S bis zur SWEcke von Parz. 433 f, auf der Südwestgrenze dieser Parz. bis zur südl. Ecke, den unbeständigen Weg nach NO bis Parz. 427, Parz. 427, 426, 425, 419/1 zum Bach 1 diesen abwärts, Parz. 307/2, 309, 353, 370, 369, 358363, 433 l;

·               Markung und Gemeinde Dürnau
Parz. 1835, 1024, FW 83 nach S, FW 88, 92, 107, 108 und 103 nach O, Parz. 919, über FW 99, Parz. 877, Bach 1 (Sachsentobelbach)  abwärts, Parz. 837, FW 133 und 134 nach NO und O;

·               Markung und Gemeinde Gammelshausen
FW 81 nach O über FW 80, Parz. 910, 909, 908, 917-919, über Bach 1 (Mühlbach)  Parz. 173, 175, 176 über L 1220 und FW 4, Parz. 134, 135, 136, 129, FW 1 nach N, FW 8 nach O, FW 15 nach NO, in gleicher Richtung durch Parz. 217 zur Markungsgrenze Gammelshausen/Heiningen, Markungsgrenzen Gammelshausen/Heiningen, Gammelshausen/Bad Ditzenbach-Auendorf und Gammelshausen/Gruibingen nach S, SW und W;

·               Markung und Gemeinde Dürnau
Markungsgrenze Dürnau/Gruibingen nach W

·               Markung und Gemeinde Boll
Markungsgrenze Boll/Gruibingen nach S, O und W;

·               Markung Eckwälden, Gemeinde Boll
Markungsgrenze Eckwälden/Gruibingen nach W;

·               Markung und Gemeinde Aichelberg
Markungsgrenze Aichelberg/Gruibingen und Aichelberg-Weilheim-Teck (Kreisgrenze Göppingen/Esslingen) nach SW, W und NW, Bach 4 (der Seebach)  aufwärts, Parz. 440, 1122, 1120 über FW 35, Parz. 1121, Böschungsparz. Autobahn, über Autobahn, Parz. 1120, über FW 14, Parz. 1120, 67, 66, 65, 64/2, 64/1, 63/3, 63/1, 62, 61/1, 60/1, 59/1, 58/1-3, 79-81 und 82 ohne östl. Teilfläche zwischen der Südecke von Gebäudegrundstück Nr. 24 a und Westecke von Parz. 83/1, 86/3, 87, 88 über FW 5/1, Parz. 97-94, 116, über FW 3, Parz. 156, 157, über FW 40, Parz. 166, 165, 169/2, 175173, 171, über FW 43, FW 43 und FW 40 nach W und NW, Parz. 144, 143, 141, über VicW 2, Markungsgrenze Aichelberg/Zell u.A. nach O;

·               Markung und Gemeinde Zell u.A.
FW 1336 nach NO und N, FW 1333 nach O, über Bach 1315, FW 1308 nach SO, FW 1338 nach S, über VicW 5, diesen nach O;

·               Markung Eckwälden, Gemeinde Boll
VicW 1 nach SO, Bach 2 (Pliensbach)  aufwärts, Parz. 350-353, 355-367, 397/6, FW 5/1 nach SW, über FW 5/1, Parz. 401/2, 397/2, 394-392 zum Ausgangspunkt.

(3) Die Grenzen des Schutzgebiets sind in Karten im Maßstab 1 : 10 000 und 1 : 5 000, sowie teilweise in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 2 500 grün eingetragen, die beim Landratsamt aufbewahrt werden. Die Karten können während den Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3

Im Schutzgebiet sind Änderungen verboten, welche die Landschaft verunstalten oder die Natur schädigen oder den Naturgenuß beeinträchtigen.

§ 4

(1) Maßnahmen, die geeignet sind, eine der in § 3 genannten Wirkungen hervorzurufen, bedürfen der vorherigen schriftlichen Erlaubnis des Landratsamts.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere:

1.            Errichtung von Anlagen, die nach der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung bauliche Anlagen sind oder als solche gelten, auch wenn sie keiner baurechtlichen Entscheidung bedürfen; das gleiche gilt für die der Errichtung gleichgestellten Maßnahmen;

2.            Errichtung oder Änderung von Mauern, Zäunen oder anderen Einfriedigungen, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

3.            Verlegen von ober- und unterirdischen Leitungen aller Art sowie Aufstellen von Masten und Unterstützungen, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

4.            Abgrabung von Steinen, Lehm, Sand, Kies oder anderen Erdbestandteilen einschließlich der Erweiterung bereits bestehender Abbaustätten, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

5.            Änderung der bisherigen Bodengestalt vor allem durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

6.            Anlage oder Änderung von Straßen und Wegen, mit Ausnahme von forstlichen Wirtschaftswegen innerhalb Waldes und Unterhaltsmaßnahmen, auch soweit sie keiner straßen- oder wegerechtlichen Entscheidung bedürfen;

7.            Anlage oder Änderung von Plätzen (Zelt-, Abstell- oder Lagerplätze u.ä.), soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

8.            Ablagerung oder auch kurzfristige Lagerung von Abfällen, Müll, Erd- und Gesteinsaushub, Schutt, Unrat, Autowracks oder ähnlichen Gegenständen, soweit nicht bereits Nr. 1 und das Abfallgesetz (GBl. 1972, S. 1) oder das Abfallbeseitigungsgesetz (BGBl. I 1972, S. 873) Anwendung findet;

9.            Anbringen von Plakaten, Schildern und Schrifttafeln, soweit nicht bereits § 7 Abs. 1 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes in der jeweils geltenden Fassung oder Nr. 1 zutrifft;

10.        Änderung der Bodennutzung, insbesondere Neuaufforstungen und Ausstockungen;

11.        Beseitigung oder Änderung wesentlicher Landschaftsbestandteile, insbesondere von Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Felsen, sowie ähnlichen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen, soweit nicht bereits § 14 Abs. 1 der Naturschutzverordnung in der jeweils geltenden Fassung zutrifft;

12.        Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen;

13.        Kahlschläge über 4 ha;

14.        das Aufstellen von Zelten, Wohn- und Verkaufswagen, auch wenn die Wagen nicht überwiegend ortsfest benützt werden;

15.        Schaffung, Beseitigung oder Änderung fließender oder stehender Gewässer, sowie die Einleitung von Abwässern in solche, mit Ausnahme von Unterhaltungsmaßnahmen, auch wenn sie keiner wasserrechtlichen Entscheidung bedürfen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die beabsichtigte Maßnahme Wirkungen der in § 3 genannten Art nicht zur Folge hat. Sie ist mit Auflagen oder Bedingungen zu erteilen, wenn dadurch solche Wirkungen abgewendet werden können; zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden. In den übrigen Fällen ist die Erlaubnis zu versagen. Will das Landratsamt entgegen der Stellungnahme des Kreisbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege eine Erlaubnis erteilen, so ist zuvor die Weisung des Regierungspräsidiums als höhere Naturschutzbehörde einzuholen.

(4) Soweit für Bauvorhaben die Zustimmung des Regierungspräsidiums als höhere Verwaltungsbehörde nach § 36 Abs. 1 Satz 2 des Bundesbaugesetzes in der jeweils geltenden Fassung erforderlich ist, muß auch die Zustimmung des Regierungspräsidiums als höhere Naturschutzbehörde eingeholt werden. Eine allgemeine Festlegung nach § 36 Abs. 2 des Bundesbaugesetzes kann mit einer entsprechenden Regelung des Regierungspräsidiums als höhere Naturschutzbehörde verbunden werden.

(5) Genehmigungs-, Erlaubnis- und Anzeigepflichten nach anderen gesetzlichen Vorschriften bleiben unberührt.

§ 5

(1) Die §§ 3 und 4 finden keine Anwendung auf das Landschaftsbild schonende Änderungen,

1.            durch die Acker in Grünland oder Grünland in Acker umgewandelt wird oder

2.            die nach den Regeln einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung zur land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung erforderlich sind, soweit es sich nicht um Kahlschläge über 4 ha, Ausstockungen, Neuaufforstungen, die Anlage von Obstkulturen oder die in § 4 Abs. 2 Nrn. 1, 5, 6 und 15 genannten Änderungen handelt.

(2) Die nach Absatz 1 Nr. 2 erforderliche Erlaubnis ist auch dann zu erteilen, wenn nachgewiesen wird, daß die Änderung für die Fortführung des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes unerläßlich ist.

(3) Der § 4 findet keine Anwendung auf

·               a)  das Aufstellen transportabler Weidezäune,

·               b)  die Errichtung feststehender Weidezäune aus Holzpfosten mit einer Höhe bis zu 1,30 m und 4 Längsdrähten bzw. ungehobelten Querlatten oder Knotengitter und

·               c)  die Erstellung von Wildschutzzäunen innerhalb des Waldes.

§ 6

Die §§ 3 und 4 finden keine Anwendung auf

1.            das Aufstellen von Schildern, die auf den Schutz des Gebiets hinweisen, Verbotstafeln, Verkehrszeichen sowie Schilder für die Forst- und Waldeinteilung,

2.            die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd mit Ausnahme der Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne des § 4 Abs. 2 Nr. 1.

§ 7

(1) In besonderen Fällen, namentlich wenn überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit vorliegen, kann das Landratsamt mit Zustimmung des Regierungspräsidiums als höhere Naturschutzbehörde Ausnahmen von § 3 zulassen.

(2) Die Ausnahme kann mit Auflagen oder Bedingungen versehen sowie widerruflich oder befristet zugelassen werden. § 4 Abs. 3 Satz 2 zweiter Halbsatz gilt entsprechend.

§ 8

Bei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits vorhandene Verunstaltungen sind auf Verlangen des Landratsamtes ganz oder teilweise zu beseitigen, wenn dies den Betroffenen zuzumuten und ohne größere Aufwendungen möglich ist. Behördlich genehmigte Anlagen werden hierdurch nicht berührt.

§ 9

Wer in dem Schutzgebiet

1.            entgegen § 3 die Landschaft verunstaltet oder die Natur schädigt oder den Naturgenuß beeinträchtigt,

2.            entgegen § 4 Maßnahmen, die geeignet sind, eine der in § 3 genannten Wirkungen hervorzurufen, ohne vorherige schriftliche Erlaubnis des Landratsamts vornimmt,

handelt ordnungswidrig im Sinne des § 13 Abs. 2 Nr. 3 des Gesetzes zur Ergänzung und Änderung des Reichsnaturschutzgesetzes vom 8. Juni 1959 (GBl. S. 53), zuletzt geändert durch das Zweite Gesetz über die Änderung von Zuständigkeiten der Ministerien vom 25. Juli 1972 (GBl. S. 400), und kann mit einer Geldbuße belegt werden.

§ 10

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Göppingen, den 23. Dezember 1975

Landratsamt

- Kreisnaturschutzbehörde -

In Vertretung

gez. Hille

Leitender Regierungsdirektor

Änderung:

Durch VO vom 08.04.1993 (NSG 1.193 " Teufelsloch-Kaltenwang") Fläche um 98 ha verkleinert.