1.17.071   Bad Ditzenbach

 

Verordnung des Landratsamts Göppingen über das Landschaftsschutzgebiet "Bad Ditzenbach" (Mitteilungsbl. Bad Ditzenbach v. 15.02.2001).

 

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S.385) wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Ditzenbach werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung " Bad Ditzenbach".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 2.018 ha.

 

(2) Beschreibung des Gebiets:

Es umfaßt die gesamte Gemarkungsfläche von Bad Ditzenbach mit Ausnahme

- der bebauten Ortslagen der Ortsteile Ditzenbach, Gosbach und Auendorf,

- der Tallagen zwischen Ditzenbach und Gosbach nördlich der Fils sowie westlich von Gosbach bis zur Gemarkungsgrenze und

- der auf der Albhochfläche südlich der Verbindungsstraße Drackkenstein-Aufhausen gelegenen Grundflächen bis zur Gemarkungsgrenze. Nicht Bestandteil sind die Naturschutzgebiete "Oberer Berg" und "Galgenberg" sowie die im Schutzgebiet gelegenen Naturdenkmale.

 

(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 sowie in 5 Detailkarten im Maßstab 1:5000 eingetragen, sämtliche gefertigt am 29.09.1999, zum Teil geändert am 14.02. und 24.05.2000, jeweils schwarz umrandet und grün angeschummert. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Göppingen und beim Bürgermeisteramt Bad Ditzenbach zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist

1. der Erhalt des landschaftlich vielgestaltigen Albtraufs in seiner natürlichen Eigenart und Schönheit,

insbesondere mit dem Leimberg auf der nördlichen Seite des Filstals sowie der Himmelsschleife, dem Tierstein und dem Schlossberg mit der Ruine Hiltenburg auf der Südseite,

2. der Erhalt der das Landschaftsbild im oberen Filstal in hohem Maße prägenden Wacholderheiden und Halbtrockenrasen, insbesondere an den südexponierten Talhängen des Leimbergs, den südwestexponierten Talhängen des Harteltales sowie auf der Albhochfläche in den Gewannen Dachslöcher, Ofen und Eichbühl,

3. die Sicherung der die Landschaft prägenden Kleinstrukturen wie Feldhecken, Feldgehölze und Steinriegel mit ihrer besonderen Bedeutung für den Naturhaushalt, insbesondere auf den Hochflächen um Auendorf und auf der Ditzenbacher Alb,

4. der Erhalt der Talauen von Hartel-/Auendorfer-Bach, Ditz und Gos mit ihren landschaftsprägenden Bachläufen,

5. der Erhalt der Streuobstbestände rund um die 3 Ortsteile und

6. die Bewahrung des Schutzgebiets als reizvolles Naherholungsgebiet für die Allgemeinheit.

 

§ 4 Verbote

 

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1. der Naturhaushalt geschädigt wird;

2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3. eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird;

4. das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

5. der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1. wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Feldhecken, Feldgehölze und Steinriegel zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4. Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu verändern;

5. Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen;

6. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

7. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen und Abgrabungen;

9. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

10. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

12. Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

13. Motorsport zu betreiben;

14. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;


15. Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

16. Streuobstbäume (Hochstämme) zu fällen, zu roden oder auf andere Weise zu zerstören.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde erteilt wird.

 

§ 6 Zulässige Handlungen

 

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht:

1. für die im Sinne des Naturschutzgesetzes ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass

a) die Bodengestalt nicht verändert wird,

b) Dauergrünland nicht umgebrochen wird mit Ausnahme der Flächen, die in den Karten braun gekennzeichnet sind,

c) wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Feldhecken, Feldgehölze, Steinriegel nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,

d) eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird;

2. für die Rodung abgestorbener Obstbäume; ferner für die Beseitigung von höchstens 3 Obstbäumen (Hochstämme) pro Jahr und Grundstück, wenn anstelle eines beseitigten Baums auf demselben Grundstück unverzüglich, spätestens in der folgenden Pflanzperiode, ein Obstbaum (Hochstamm) nachgepflanzt wird.

3. für die im Sinne des Naturschutzgesetzes ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

4. für die im Sinne des Naturschutzgesetzes ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

5. für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6. für die ordnungsgemäße Unterhaltung, Erneuerung und Nutzung der bestehenden Straßen, Stromleitungen, Ferngas- und Fernwasserleitungen samt Steuerkabel.

(2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender anderer als in Nr. 6 genannter Einrichtungen.

 

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

 

Schlußvorschriften

 

§ 8 Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1. im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2. im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

 

§ 10 In-Kraft-Treten

 

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 

(2) Gleichzeitig treten

a) die Verordnung des Württembergischen Kultministeriums zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen entlang der Reichsautobahn Stuttgart - München in den Landkreisen Esslingen, Göppingen und Ulm vom 12. August 1940 (Regierungsanzeiger vom 06. September 1940), auf Gemarkung Gosbach zuletzt geändert durch Verordnung des Landratsamtes Göppingen vom 01.12.1993,

b) die Verordnung des Landratsamtes Geislingen zum Schutz von Landschaftsteilen im Kreis Geislingen vom 02. November 1937 (Geislinger Zeitung vom 06. November 1937),

c) die Verordnung des Landratsamtes Göppingen zum Schutz von Sommerschafweiden als Landschaftsbestandteile vom 27. Juni 1939 (Amtsblatt vom 06. Juli 1939) und

d) die Verordnung des Landratsamtes Göppingen über das Landschaftsschutzgebiet Kornberg und Sielenwang bis zum unteren Rufstein bei Gruibingen und Auendorf vom 12. März 1968 (NWZ Göppinger Kreisnachrichten und Geislinger Zeitung NWZ vom 20. März 1968)

insoweit außer Kraft, als sie das Gebiet der Gemeinde Bad Ditzenbach betreffen.

 

Göppingen, den 25.01.2001

Landratsamt Göppingen

 

Majocco

Erster Landesbeamter