1.18.068 Ausläufer des Stromberges um Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Löchgau und Kleinsachsenheim

Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Ausläufer des Stromberges um Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Löchgau und Kleinsachsenheim" vom 20.06.1989 (Ludwigsburger Kreiszeitung vom 26.06.1989).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutz­gesetz ‑ NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 6. Juni 1983 (GBl. S. 199) wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Städte Bietigheim, Bönnigheim und Sachsenheim sowie der Gemeinden Erligheim, Freudental und Löchgau wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ausläufer des Stromberges um Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Löchgau und Kleinsachsenheim".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 2 147,4 ha und umfaßt die nachstehenden Landschaftsteile im Bereich der Ausläufer des Stromberggebietes und deren Randgebiete.

Das Schutzgebiet umfaßt im einzelnen die Gewanne bzw. Teile der Gewanne:

Auf dem Gebiet der Stadt Bietigheim

·               Markung Metterzimmern: Maien, Teil von Flst. Weg 2391

Auf dem Gebiet der Stadt Bönnigheim

·               Markung Bönnigheim:
Kleiner Saukopf, Sommerhalde, Großer Saukopf, Gaugsbrunnen, Hasslacher Sumpf, Seeberg, Rothenberg, Haltstatt, Sonnenberg, Schlipshälde, Kirchenweg, Sail, Unterer Berg, Steingruben, Spiegel, Hohe Birke, Guckherfür, Ripberg, Stegwiesen, Ketsch, Bettelrain, Forst, Issersteige, Hossenwanne, Heide, Pfaffenweg, Frauenberg, Geigersbach, Ensbach, Schupen, Freudentaler Pfad, Krappenberg und Birkenwald.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Erligheim

·               Markung Erligheim:
Erlensumpf, Walpertsacker, Vogelsang, Krappenberg, Stockäcker, Gänsle, Krummenäcker, Häfner, Steige, Grund, Gans, Bohnholz, Aspen, Schützenhäusleswald, Habertsau, Barchet, Sauäcker, Mutz, Mutzäcker und Ried.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Freudental

·               Markung Freudental:
Winterrain, Aufwiesen, Schönenberg, Große Waldstücklein, Wüstes Feld, Mittlere Waldstücklein, Kleine Waldstücklein, Neuen, Ochsenweide, Kohlplatte, Kugelsee, Birkenwald, Oberes Gereut, Unteres Gereut, Gereut, Alleenfeld, Unteres Tal und Berg.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Löchgau

·               Markung Löchgau:
Wurmberg, Mutz, Ried, Berg, Langes Greut, Stumpen, Aufwiesen, Bruch, Hanfländer, Haltstatt, Brandwiesen, Entenfang, Rempfert, Kreuzwiesen, Seeländle, Gassen, Brand, Weilerwegle, Weilerwiesen, Weilerholz, Frosch, Altes Greut und Hinterer Berg.

Auf dem Gebiet der Stadt Sachsenheim

·               Markung Hohenhaslach:
Schönenberg, Röschen, Gänsweinberg, Kelterle und Abtshau.

·               Markung Kleinsachsenheim:
Oberer Heinzenberg, Mittlerer Heinzenberg, Unterer Heinzenberg, Großholz, Kleiner See,Viehstelle, Großer See, Ob dem großen See, Stumpenäcker, Seebuckel, Bei der großen Eiche, Fleckenäcker, Lehle, Heinzenberger Weg, Alte Waldwiesen, Neue Waldwiesen, Kuhtränke, Wolfgasse, Kleiner Kuhpfad, Ohrenbaum, Tal, Rosenäcker, Kästle, Großer Kuhpfad, Gehrn, Vor dem Wald, Gänshalde, Hagenach, Sträßlesäcker, St. Anna, Sol, Hinter der Höhe, Höhe, Bildstöckle, Besigheimer Weg, Talrain und Diebshalde.

(2) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in vier Flurkarten im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umrandet und grün angeschummert eingetragen.

(3) Die Karten enthalten die rechtsverbindliche Festsetzung des Landschaftsschutzgebietes und sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten ist bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg in Ludwigsburg, Hindenburgstraße 40, verwahrt und kann während der Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des Charakters einer vielgestaltigen Kulturlandschaft. Insbesondere soll die Funktion des Gebietes als genetisches Reservoir und Rückzugsraum für die wildlebende Tier- und Pflanzenwelt in seiner Bedeutung für den gesamten Naturhaushalt, sowie die ökologische Wechselwirkung der Tallagen mit den Höhenzügen langfristig gesichert werden. Dazu gehören auch die Erhaltung der bestehenden Nutzungsstrukturen und die Sicherung des Gebietes für die ruhesuchende Bevölkerung. Hierzu gehört auch die Erhaltung der historischen Terrassenweinberge mit ihren Natursteinmauern und -treppen. Das Landschaftsbild mit seinen harmonischen Übergängen zwischen den Tälern und Höhenzügen soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden. Die Wiesen der Bachtäler sowie die Obstwiesengewanne des Schutzgebietes sind als landschaftlich und ökologisch wertvolle Landschaftsbestandteile besonders schutzwürdig.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.           der Naturhaushalt geschädigt,

1.           die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

2.           eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

3.           das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.           5der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.           Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;

2.            Errichtung oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

3.           Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.           Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.           lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.           Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.           Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, sowie Anlagen für Segel- und Modellflugzeuge;

8.           Betrieb von Motorsport, sowie von motorgetriebenen Schlitten;

9.           Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.      Verankern von schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

11.      Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.      Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

13.      Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

14.      Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.      Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Röhrichtbeständen, Felsen und ähnlichen Naturerscheinungen sowie der Umbruch von Wiesen in den Bachtälern des Schutzgebietes; die Beseitigung von Obstbaumhochstämmen sowie die Beseitigung von Natursteinmauern und -treppen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.           für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke; mit der Ausnahme von Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15;

2.           für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird;

3.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.           für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15, sofern Unterhaltungsmaßnahmen nicht lediglich aus Verkehrssicherheitsgründen vorgenommen werden;

5.           für die Unterhaltung der Gewässer nach § 28 Wasserhaushaltsgesetz und § 47 Abs. 1 des Wassergesetzes für Baden-Württemberg durch die Unterhaltspflichtigen. Eingriffe in das Ufergehölz sowie die Schilf- und Röhrichtbestände im Rahmen der Gewässerunterhaltung sind jedoch im Benehmen mit der unteren Naturschutzbehörde vorzunehmen;

6.           für Schutzzäune an Verkehrswegen;

7.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

8.           für den Modellflugbetrieb der Luftsportgemeinschaft Bietigheim e.V. in dem vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigten Umfang und Dauer.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.           entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.           entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt außer Kraft:

·               § 2 Abs. 3 Ziff. 15 der Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg über die einstweilige Sicherstellung von Schutzgebieten im Landkreis Ludwigsburg vom 25.03.1985, soweit diese das in der Anlage zu dieser Verordnung abgegrenzte Gebiet betrifft.

Ludwigsburg, den 20.06.1989

Landratsamt

Dr. Ulrich Hartmann

Änderung:

Durch VO 21.05.2003 (LSG 1.10.99 „Kirbachtal…“) Fläche um 12 ha verkleinert.