1.18.098 Bottwartal zwischen Steinheim und Kleinbottwar

Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Bottwärtal zwischen Steinheim und Kleinbottwar" vom 12. März 1997 ( Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27.03.1997).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Steinheim (a.d.Murr)*) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Bottwartal zwischen Steinheim und Kleinbottwar".

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*) eingefügt: LfU

§ 2 Schutzgegenstand

 (1)Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 21,66 ha und umfaßt die Bottwartalaue zwischen Steinheim und Kleinbottwar sowie die angrenzenden Hangbereiche.

 (2)Das Schutzgebiet umfaßt im einzelnen die Gewanne bzw. Teile der Gewanne:

Auf dem Gebiet der Stadt Steinheim:

·               Markung Steinheim:
"Käppeleswiesen", "Schleifrain"'

·               Markung Kleinbottwar:
"Mühlwiesen", "Mühläcker", "Hinterm Schloß, "Brückleswiesen", "Äußerer Schloßgarten", "Mittlerer Schloßgarten" und "Ziegelweinberg",'

 (3)Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 2 500 schwarz umrandet und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschützbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg, Hindenburgstraße 40, in 71631 Ludwigsburg zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des zwischen Steinheim und Kleinbottwar gelegenen Bottwartales mit seinen vielfältigen Funktionen für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild.

Dieser Freiraum mit seiner reichhaltigen Biotopausstattung ist von besonderer Bedeutung als Lebensraum einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Dieser von traditionellen Nutzungen geprägte Ausschnitt unserer Kulturlandschaft ist besonders schützenswert. Er umschließt die zum Schloß Schaubeck gehörenden Garten- und Parkanlagen als nach § 12 Denkmalschutzgesetz eingetragenes Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

Die landschaftlich reizvolle Umgebung dieser historischen Anlage sowie der ausgewiesenen flächenhaften Naturdenkmale 36/11 "Ehemaliger Steinbruch Schleifrain", ND 36/17 "Fels und Ödland an der ehemaligen Bahnlinie" sowie ND 36/16 "Feldgehölz mit Maulbeerbäumen und Hohle am Ziegelweinberg" soll von störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt und in ihrer Funktion für die Naherholung erhalten und entwickelt werden.

Dazu ist insbesondere die Freihaltung der Landschaft von baulichen Anlagen wie Kleinbauten und Einfriedigungen sowie die Fortführung der bestehenden Nutzungen von Wiesen und Streuobstwiesen erforderlich.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt wird;

1.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird,

2.            eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird;

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1)Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2)Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1.            wesentliche Landschaftsbestandteile wie Hecken, Gebüsche, markante Einzelbäume, Obstbaumhochstämme, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände, Felsen, Böschungen, Hohlwege und ähnliche Naturerscheinungen zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3.            Einfriedigungen zu errichten oder zu verändern;

4.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

5.            Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu verändern;

6.            Flugplätze, Gelände für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen, anzulegen oder zu verändern;

7.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

8.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

9.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen;

10.        neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

11.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzungen entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

12.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen,

13.        Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundsstücke zu verwenden;

14.        Motorsport zu betreiben;

15.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

16.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind.

 (3)Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4)Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde erteilt wird.

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1)Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
a)die Bodengestalt nicht verändert wird,
b)Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen werden,
c)wesentliche Landschaftsbestandteile wie Hecken, Gebüsche, markante Einzelbäume, Obstbaumhochstämme, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände, Felsen, Böschungen, Hohlwege und ähnliche Naturerscheinungen nicht beseitigt, zerstört oder verändert werden,
d)eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird,
e)bei Beseitigung von einzelnen abgängigen Obstbaumhochstämmen auf demselben Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird.

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung,

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            aus Verkehrssicherheitsgründen vorgenommenen Maßnahmen.

 (2)Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen können von der unteren Naturschutzbehörde und in denkmalgeschützten Bereichen im Einvernehmen mit den Denkmalschutzbehörden in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. Die §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

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§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 0 1. April 1997 in Kraft.

Landratsamt Ludwigsburg, den 12. März 1997

Dr. Rainer Haas,

Landrat