1.18.100   Hohenasperg -Hurst und weitere Umgebung

Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg über das Landschaftsschutzgebiet "Hohenasperg -Hurst und weitere Umgebung" vom 28.06.2003 (Amtsbl. Asperg v. 26.06.2003).

Aufgrund der §§ 22 und 58 Abs. 3, des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385), zuletzt geändert durch Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes vom 19.11.2002 (GBI. S.424), und Artikel 4 des Gesetzes zur Änderung von Vorschriften über die Umweltverträglichkeitsprüfung und anderer Gesetze vom 19.11.2002 (GBI. S. 428) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Asperg und Markgröningen sowie auf dem Gebiet der Gemeinde Tamm werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Hohenasperg -Hurst und weitere Umgebung". Das Landschaftsschutzgebiet ist teilweise zugleich ein Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG.

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 186 ha und umfasst die nachstehenden Landschaftsteile im Bereich des Hohenasperg mit seiner weiteren Umgebung (Gewanne oder Teile von Gewannen):

Auf dem Gebiet der Stadt Asperg, Markung Asperg:

Zimmerwiesen, Hessengärten, Spitzwiesen, Brunnäcker, Neusätze, Bohnholzwiesen, Schöckinger Äcker, Schöckinger Weinberge, Berggärten, Vorderer Berg, Hinterer Berg, Hinter dem Berg, Silberhälden, Lehe, Lehenfeld, Klingen, Schnecken, Bühlweingärten, Hurst, Gänse, Unter dem Hirschberg, Spitzäcker und das Plateau Hohenasperg.

Auf dem Gebiet der Stadt Markgröningen, Markung Markgröningen:

Seeweingärten und Hurst.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Tamm, Markung Tamm:

Hofäcker, Klingenäcker, Starkenäcker, Hofwiesen, Dragoner, Mondberg, Brunnenweingärten, Hurstegerten, Ebene, Lange Hurst, Winterhalde, Guckigauch, Schnecken, Klingen, Hurst, Spitzwiesen, Ziegele und Hinter der Höhe.

(2) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 grün umgrenzt und flächig grün hinterlegt dargestellt. Die beiden Karten vom 05. Juni 2003 sind Bestandteil dieser Verordnung.

(3) Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Ludwigsburg, untere Naturschutzbehörde, sowie bei den Bürgermeisterämtern der Städte Asperg und Markgröningen und der Gemeinde Tamm ab dem Tage der Verkündung zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

(1) Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des Hohenasperg als geologischer Zeugenberg, die Erhaltung und Sicherung der Landschaft und des Landschaftsbildes als Kulturlandschaft und Gebiet mit hohem Erholungswert sowie die Erhaltung und Sicherung der Lebensräume der heimischen Tier- und Pflanzenwelt.

Insbesondere die den Berg umgebenden abwechslungsreichen Feldlagen, Terrassenweinberge mit Natursteil1ffiaUern, Natursteintreppen und Streuobstwiesen sind in ihrer Funktion für den Naturhaushalt zu sichern. Unterschiedliche Biotoptypen als Bestandteile des regionalen Lebensraumverbundes sowie naturkundlich wertvolle Teilstrukturen wie:

-Trockenmauern und Treppen aus Naturstein am Hohenasperg und Hurst, die auch landeskulturell bedeutend sind,

-botanisch und zoologisch bedeutende Mauerfugen und Mauerspalten auf der Festung Hohenasperg,

-markante Einzelbäume, Hecken und Feldgehölze,

-Hangkanten, Böschungen, Wege, Säume und Raine (magere und trockene Standorte), Gras- und Schotterwege,

-Feuchtgebiet mit Umgebung

-Brachen und kleine ungenutzte Teilflächen (Deckung und Winterquartier für Tiere), Übergangsbereiche zur offenen Feldflur,

sollen geschützt und erhalten werden.

Das reizvolle markante Landschaftsbild soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden, hierzu gehört auch die Aufrechterhaltung der bestehenden extensiven Landnutzung und Landbewirtschaftung. Der Freiraum zwischen den Siedlungen soll vor Bebauung und Beeinträchtigungen durch eine Zunahme von Kleinbauten geschützt werden.

Schutzzweck ist auch die Erhaltung der heimischen Tierbestände (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Insekten und Schnecken) und ihrer Lebensräume. Unter den im Gebiet vorkommenden Tierarten befinden sich auch seltene Arten wie Steinkauz, Gartenrotschwanz, Feldlerche, Schafstelze, Rotmilan, Halsbandschnäpper, Sperber, Großer Abendsegler, Zwerg-FIedermaus, Rauhaut-Fleder­maus, Mauereidechse, Feldhase und andere. Der Kammmolch und seine Lebensstätte (NaturdenkmaI 37/01 "Feuchtgebiet im Gewann "Mondberg/Dragoner") ist nach der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie) besonders geschützt.

Der Schutzzweck beinhaltet weiter die Erhaltung der heimischen Pflanzenwelt in ihrer Vielfalt, darunter auch selten gewordene Arten wie Edel-Schafgarbe, Wermut, Goldlack, Sprossende Felsennelke, Ackerklettenkerbel, Schneeballblättriger Gänsefuß und andere. Die Vielfalt an Obstarten und Obstsorten (besonders alte Kultursorten mit vielen Wildgenen einheimischer Arten) ist für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild sehr bedeutend.

§ 4 Verbote

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1. der Naturhaushalt geschädigt wird,

2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird,

3. eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird,

4. das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird oder

5. der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1. Beseitigung, Zerstörung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie naturnahe Hecken, Gebüsche, Feldgehölze, Trockenmauern, Versiegeln von Mauerfugen sowie die Beseitigung von Obstbaumhochstämmen;

2. Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;

3. Errichtung oder Änderung von Einfriedigungen;

4. Auffüllungen, Abgrabungen, Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5. Verwendung von anderen Steinen als Natursteinen zur Reparatur oder Herstellung von Trockenmauern;

6. Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

7. Anlage, Beseitigung oder Änderung von stehenden Gewässern, Entwässerungs- oder andere Maßnahmen, die den Wasserhaushalt verändern;

8. Änderung von Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck;

9. Umbruch von Dauergrünland oder Dauerbrache;

10. Verwendung von Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke;

11. Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

12. Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln mit Ausnahme von behördlich angeordneten oder zugelassenen Beschilderungen;

13. Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

14. Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

15. Betrieb von Motorsport, Segel- und Modellflugzeugen sowie von motorgetriebenen Schlitten;

16. Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschinne) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen;

17. Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

18. Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Christbaum- und Schmuckreisigkulturen, Anlage von Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1. für die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Bodennutzung (mit der Ausnahme von Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 1). Die ordnungsmäßige landwirtschaftliche Bodennutzung umfasst insbesondere die folgenden Grundsätze der guten fachlichen Praxis:

a) Bei der landwirtschaftlichen Nutzung muss die Bewirtschaftung standortangepasst erfolgen und die nachhaltige Bodenfruchtbarkeit und langfristige Nutzbarkeit der Flächen gewährleistet sein;

b) die zur Vernetzung von Biotopen erforderlichen Landschaftselemente sind zu erhalten;

c) die natürliche Ausstattung der Nutzfläche (Boden, Wasser, Flora, Fauna) darf nicht über das zur Erzielung eines nachhaltigen Ertrages erforderliche Maß hinaus beeinträchtigt werden;

Der Umbruch von Dauergrünland fällt auch für die Landwirtschaft unter den Erlaubnisvorbehalt des § 5 Absatz 2 Nr. 9 dieser Verordnung;

2. für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbaumhochstämmen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird;

3. für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

4. für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

5. für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze (ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 17), sofern Unterhaltungsmaßnahmen aus Verkehrssicherheitsgründen vorgenommen werden;

6. für Schutzzäune an Verkehrswegen;

7. für die Reparatur oder Herstellung von Trockenmauern, wenn dazu Naturstein verwendet wird.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die Untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1. verbotene Handlungen im Sinne von § 4 dieser Verordnung vornimmt,

2. entgegen § 5 Absatz 2 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 9

Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 28.06.2003 in Kraft.

Ludwigsburg, den 16.06.2003

Landratsamt,

Dr. Christoph Schnaudigel

Erster Landesbeamter