1.18.102 Oberes Talbachtal, Pfahlhofwald und angrenzende Gebiete

zwischen Besigheim- Ottmarsheim, Mundelsheim und Großbottwar-Winzerhausen

 

Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als Untere Naturschutzbehörde

über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Oberes Talbachtal, Pfahlhofwald

und angrenzende Gebiete zwischen Besigheim- Ottmarsheim, Mundelsheim

und Großbottwar-Winzerhausen" vom 26.04.2005

 

Aufgrund der §§ 22 und 58 Abs. 3 Satz 1 des Naturschutzgesetzes (NatSchG)

in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385), zuletzt geändert durch das

Gesetz zur Reform der Verwaltungsstruktur, zur Justizreform und zur Erweiterung

des kommunalen Handlungsspielraums vom 01.07.2004 (GBI. S. 469) wird

verordnet:

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Besigheim,

Markung Ottmarsheim, der Stadt Großbottwar, Markung Winzerhausen

sowie der Gemeinde Mundelsheim, Markung Mundelsheim, jeweils Kreis

Ludwigsburg, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschafts-

schutzgebiet führt die Bezeichnung "Oberes Talbachtal, Pfahlhofwald und

angrenzende Gebiete zwischen Besigheim-Ottmarsheim, Mundelsheim

und Großbottwar- Winzerhausen".

§ 2

Schutzgegenstand

(1)    Das Landschaftsschutzgebiet umfasst eine Fläche von rd. 383 ha.,

die im Westen an die Bebauung von Besigheim- Ottmarsheim, im Osten

an die Bundesautobahn A 81, im Norden an die Kreisgrenze, im Südosten

an ein vorhandenes Landschaftsschutzgebiet und im Süden sowie im Süd-

westen an Ackerflächen außerhalb des Waldes angrenzt.

(2)     Das Schutzgebiet umfasst im Einzelnen die Gewanne bzw. Teile der

         Gewanne :

         Auf dem Gebiet der Stadt Besigheim:

          Markung Ottmarsheim:         Pfahlhofwald, Heiligenholz, Ackerode,

                                                       Holzwiesen, Hungerberg, Pfahlhofweg,

                                                    Rotsee, Herdplatte, Großbottwarer        

                                            Weg, Riedwiesen

         Auf dem Gebiet der Stadt Großbottwar:

Markung Winzerhausen:          Roter Brunnen, Dornhaus, Untere Heide,

                                                        Lohwiesen, Heide, Raingrund, Rain-

                                                        Grundwald, Raingrundwiesen      

Auf dem Gebiet der Gemeinde Mundelsheim:

Markung Mundelsheim:           Mergelwald, Leibling, Klosterwald,

                                                        Stäudich, Stäudach, Mundelsheimer

                                                        Spitz, Mergeläcker, Linsach, Heide,

                                                        Raingrund, Raingrundwiesen,             

(3)     Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte

         im Maßstab 1 : 25 000 sowie in drei Detailkarten (Blatt 1, Blatt 2

         und Blatt 3) im Maßstab 1 : 2500, jeweils vom 03.03.2005, mit

durch gezogener grüner Linie umgrenzt. Das Landschaftsschutzgebiet

ist in der Übersichtskarte außerdem grün schraffiert dargestellt, in den

Detailkarten flächig grün markiert. Die Übersichtskarte und die

Detailkarten vom 03.03.2005 sind Bestandteile dieser Verordnung.

Die Verordnung mit Karten wird bei der Unteren Naturschutzbehörde des

Landratsamtes Ludwigsburg in 71638 Ludwigsburg sowie bei den Bürger-

meisterämtern der Stadt Besigheim in 74354 Besigheim, der Stadt

Großbottwar in 71723 Großbottwar und der Gemeinde Mundelsheim

in 74395 Mundelsheim zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während

der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist die Erhaltung der Vielfalt, Eigenart

und Schönheit der Landschaft und des Landschaftsbildes, die Erhaltung oder

Wiederherstellung der Lebensräume der heimischen Tier- und Pflanzenwelt sowie

der Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts.

Die abwechslungsreiche Landschaft wird insbesondere geprägt von Muldentälchen,

Gehölzen, Streuobst Wiesen, Wiesen, offenen Feldfluren und Gemengelagen sowie

von reich strukturierten Waldflächen mit Altholzbeständen, markanten

Einzelbäumen und Waldsäumen. Diese Landschaftsbestandteile einer historisch

gewachsenen Kulturlandschaft sind zudem für die Naherholung von Bedeutung.

Die reizvolle Landschaft ist vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen

zu bewahren. Die bestehenden Nutzungsstrukturen sollen aufrechterhalten

und umweltverträglich entwickelt werden, weitere Belastungen auch durch

Kleinbauten, Einfriedigungen oder Infrastruktureinrichtungen sollen vermieden

und die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit der Landschaft erhalten werden.

Vielfältige und wertgebende Biotoptypen sind als Lebensräume für die

einheimische Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten, zu verbessern oder wieder-

herzustellen. Dazu zählen insbesondere:

-                                Streuobstwiesen

-                                Hangkanten, Säume und Raine (magere und trockene Standorte)

-                                Quellen, Stillgewässer. Nasswiesen und Röhrichte

-                                Brachen und kleine ungenutzte Teilflächen (Deckung und Winterquartier für Tiere),

-                                Hecken, Feldgehölze naturnahe Waldränder und Übergangsbereiche zur

              Feldflur

-             naturnahe Waldflächen mit Alt- und Totholzbeständen, Dolinen und

          kleine Feuchtgebiete.          

Die Vorkommen heimischer Tierarten (vor allem Säugetiere, Vögel, Amphibien

und Insekten) sind zu schützen und zu bewahren. Unter den im Gebiet vorkom-

menden Tierarten befinden sich auch besonders geschützte, seltene oder

gefährdete Arten wie Schafstelze, Steinkauz, Gartenrotschwanz, Halsband-

schnäpper, Schwarzspecht, Dorngrasmücke, Hohltaube, Feuersalamander ,

Gelbbauchunke, Bergmolch, Wildbienen und andere.

Der Schutzzweck beinhaltet weiter die Erhaltung der heimischen Pflanzenwelt mit

all den Pflanzenarten, die für die hier vorkommenden Pflanzengesellschaften

typisch sind. Im Landschaftsschutzgebiet befinden sich Ackerflächen, Ackerwild-

krautgesellschaften, Hochstaudenflure, Wiesen (einschließlich Streuobstwiesen),

Hainsimsen-Buchenwälder mit Maiglöckchen, Waldmeister- und Perlgras-

Buchenwälder, Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwälder, Hecken und

Feldgehölze.

Das Landschaftsschutzgebiet übernimmt zudem Puffer- und Umgebungsschutz-

funktionen für die darin vorkommenden und nach Naturschutzgesetz und Landes-

waldgesetz geschützten Naturdenkmale und Biotope.

Schutzzweck ist ferner die Sicherung der Nutzungs- und Leistungsfähigkeit der

Naturgüter. Von besonderer Bedeutung sind im waldarmen Landkreis Ludwigsburg

die positiven Auswirkungen der Waldflächen unter anderem auf das Regional- und

Kleinklima sowie auf den Wasserhaus- halt, insbesondere den Grundwasserhaushalt.

Ebenso ist die Erhaltung bester Böden von besonderer Bedeutung.

§ 4

Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter

des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere

wenn dadurch

1.          der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.          die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3.          eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert

             wird;

4.          das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der

              Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

5.           der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft

              beeinträchtigt wird.

§ 5

Erlaubnisvorbehalte

(1)         Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes

              verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der

              Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde.

(2)         Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

 1.          Beseitigung, Zerstörung oder Änderung von wesentlichen Landschafts-

              bestandteilen wie Streuobstbestände, landschaftsprägende Bäume,

              naturnahe Hecken, Kopfweiden und Feldgehölze;

 2.           Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der

              Landesbauordnung der jeweils geltenden Fassung oder

              gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie einer baurechtlichen

              Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;        

 3.          Errichtung oder Änderung von Einfriedigungen;

 4.          Auffüllungen, Abgrabungen, Abbau, Entnahme oder Einbringen von

              Steinen, Kies, Sand Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder

              die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

 5.           Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des

              Grundstücks erforderlich sind;

 6.          Umbruch von Dauergrünland oder dauerhaft nicht landwirtschaftlich

              genutzten Flächen;

 7.          Änderung von Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung

              entgegen dem Schutzzweck;

 8.           Verwendung von Pflanzenschutzmitteln außerhalb land- und forstwirt-

              schaftlich genutzter Grundstücke;

 9.          Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder sonstige

              Verkehrsanlagen;

10.         Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art; 

11.         Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich

              Motorsportanlagen, Segel- und Modellfluganlagen;

12.         Betrieb von Motorsport;

13.         Aufstellen von Wohnwagen, Bauwägen oder Verkaufsständen außerhalb

              von zugelassenen Plätze, das mehrtägige Zelten sowie das Abstellen von

              Kraftfahrzeugen oder Anhängern;

14.         Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden

              Gewässern sowie Vornahme von Entwässerungs- oder anderen

              Maßnahmen, die den Wasserhaushalt verändern;

15.          Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln, mit

               Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen

              (vergleiche Absatz 4);

16.          Aufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Christbaum- oder

              Schmuckreisigkulturen, Anlage von Vorratspflanzungen von Sträuchern

               und Bäumen, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung

              der Bodennutzung auf andere Weise.          

(3)          Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4

              genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen

              oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen,

              Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch

              erreicht werden kann, dass die Wirkungen der Handlung dem

              Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4)          Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige

              Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Unteren

              Naturschutzbehörde erteilt wird.

(5)          Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen

              Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch

              das Benehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche

              gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher

              Behörden durchgeführt werden.

§ 6

Zulässige Handlungen

Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht

1.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung im

               Sinne des Naturschutzgesetzes, insbesondere mit der Maßgabe, dass

a)     die Bodengestalt nicht verändert wird,

b)     Dauergrünland oder dauerhaft nicht landwirtschaftlich genutzte

         Fläche nicht umgebrochen wird,

c)      wesentliche Landschaftsbestandteile wie Streuobstbestände,

         landschaftsprägende Bäume, naturnahe Hecken, Kopfweiden und

         Feldgehölze nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,

d)     eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert

        wird.

Die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung im Sinne des

Naturschutzgesetzes umfasst insbesondere die folgenden Grundsätze der

guten fachlichen Praxis:

1.1          Bei der landwirtschaftlichen Nutzung muss die Bewirtschaftung

               standortangepasst erfolgen und die nachhaltige Bodenfruchtbarkeit

und langfristige Nutzbarkeit der Flächen gewährleistet sein;

1.2         die zur Vernetzung von Biotopen erforderlichen Landschaftselemente

              sind zu erhalten;

1.3         die natürliche Ausstattung der Nutzfläche (Boden, Wasser, Flora, Fauna)

              darf nicht über das zur Erzielung eines nachhaltigen Ertrages

              erforderliche Maß hinaus beeinträchtigt werden;

2.           für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

3.           für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.           für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und

              anderer rechtmäßiger Weise bestehender Einrichtungen in der

              bisherigen Art und im bisherigen Umfang (ausgenommen Maßnahmen

              nach § 5 Abs. 2 Nr. 9 und Nr. 10) sofern Unterhaltungsmaßnahmen

              aus Verkehrssicherheitsgründen vorgenommen werden;                   

5.           für Schutzzäune an Verkehrswegen.

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die

Untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden:

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2NatSchG handelt, wer im

Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig .

1.           nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.          entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis

             Handlungen vornimmt.

§ 9

Inkrafttreten

(1)         Diese Verordnung tritt am 02.05.2005 in Kraft.

(2)         Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als

              Untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet

              "Oberes Talbachtal östlich Ottmarsheim" vom 16.02.1988 außer Kraft.

 

Ludwigsburg, den 26.04.2005

Landratsamt

Dr. Christoph Schnaudigel

Erster Landesbeamter

Hinweis:

Eine evtl. Verletzung der im § 59 NatSchG genannten Verfahrens- und

Formvorschriften ist nach § 60a NatSchG nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines

Jahres nach dem Erlass dieser Rechtsverordnung gegenüber der Unteren Natur-

schutzbehörde beim Landratsamt Ludwigsburg, Hindenburgstraße 40,

71638 Ludwigsburg schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt,

der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.