1.18.103 Wolfställen

 

Verordnung des Landratsamtes Ludwigsburg als Untere

Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet " Wolfställen"

vom 01. Dezember 2005

Aufgrund der §§ 22 und 58 Abs. 3 Satz 1 des Naturschutzgesetzes (NatSchG)

in der Fassung vom 29. März 1995 (GB1. S. 385), zuletzt geändert durch

Art. 2 des Gesetzes vom 1,]. März 2005 (GB1. S. 206) wird verordnet:

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Oberriexingen,

Gemarkung Oberriexingen, Landkreis Ludwigsburg, werden zum Landschafts-

schutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung

"Wolfställen".

§ 2

Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 14 ha und umfasst

auf der Gemarkung Oberriexingen die nachstehenden Gewanne bzw. Teile

der Gewanne:

Wolfställen, Wolfstallegerten, Wolfstallsgrund, Fuchslochrain, Ob den

Wolfställen, Bruch und Bruchegerten.

(2)  Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte

im Maßstab 1 :25 000 sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1 :2 500,

jeweils vom 24.11.2005, grün umgrenzt und flächig grün hinterlegt dargestellt.

Die Übersichtskarte und die Detailkarte vom 24.11.2005 sind Bestandteil

dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird bei der Unteren Natur-

schutzbehörde des Landratsamtes Ludwigsburg in 71638 Ludwigsburg sowie

beim Bürgermeisteramt der Stadt Oberriexingen in /1739 Oberriexingen zur

kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

Schutzzweck der Verordnung ist es , die landschaftliche Vielfalt , Eigenart und

Schönheit des Gebiets „Wolfställen“ mit seinen wichtigen Funktionen für die

Naherholung und die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts

sowie mit seiner hohen Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz langfristig zu

erhalten und nachhaltig naturverträglich zu entwickeln.

Die abwechslungsreiche, historisch gewachsene Kulturlandschaft des Schutzgebiets

wird insbesondere geprägt von traditionellen Streuobstwiesen, zahlreichen Trocken-

mauern sowie Rainen, Feldgehölzen und Hecken, Das Gebiet belebt und gliedert die

ansonsten gehölzarmen Feldfluren des Weitfeldes. Das reizvolle markante Land-

schaftsbild mit seinem besonderen Erholungswert für die Allgemeinheit sowie

der Naturhaushalt sind vorstörenden und beeinträchtigenden Veränderungen

zu bewahren, Das Gebiet ist insbesondere vor einer Zersiedlung durch weitere

Kleinbauten, Einfriedungen und Infrastruktureinrichtungen sowie einer Umwandlung

in Kleingärten zu schützen, Die traditionell extensive Streuobst- und Wiesennutzung

soll weitergeführt, die Trockenmauern sollen erhalten und fachgerecht saniert werden.

Die Zugänglichkeit und Erlebbarkeit der Landschaft als Naherholungsraum für die

ruhesuchende Bevölkerung sind zu erhalten.

Die Leistungsfähigkeit des ausgewogenen Naturhaushalts wird durch die vielfältigen,

ökologisch hochwertigen Biotoptypen innerhalb des Schutzgebiets gewährleistet.

Diese sind als Lebensräume für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten

oder wieder herzustellen. Zu den wertgebenden Biotoptypen mit all den hier

typischer Weise vorkommenden heimischen Pflanzen zählen insbesondere Streu-

obstwiesen mit Totholzanteilen und Baumhöhlen, magere Salbei-Glatthaferwiesen,

Magerrasen und Heiden, zahl- reiche Trockenmauern, Raine, Feldgehölze und

Hecken sowie Quellbereiche, Röhrichte und Gräben.

Der Schutzzweck beinhaltet die Erhaltung der heimischen Tierbestände (vor allem

Vögel, Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Insekten) und ihrer Lebensräume.

Unter den im Gebiet vorkommenden Brutvogelarten befinden sich seltene und

gefährdete Arten wie Roter Milan, Steinkauz, Gartenrotschwanz, Baumpieper und

Grünspecht.

Dem Landschaftsschutzgebiet kommt zudem Umgebungsschutz-, Puffer- und Vernet-

zungsfunktion für die darin eingebetteten besonders geschützten Biotope und flächen-

haften Naturdenkmale "Wolfstall-Heide" und Feldgehölz "Bruch" zu, die aufgrund des

Naturschutzgesetzes unter besonderem Schutz stehen.

§ 4

Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter

des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere,

wenn dadurch

1.   der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.   die Nutzungsfähigkeit  der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3.    eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird;

4.    das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der

      Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

5.   Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt

      wird.

§ 5

Erlaubnisvorbehalte

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern

      oder dem Schutzzweckzuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der

      Unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.   Beseitigung, Zerstörung oder Änderung von wesentlichen Landschafts-

      bestandteilen wie Streuobstbestände, landschaftsprägende Bäume, naturnahe

      Hecken, Gebüsche, Feldgehölze, Natursteinmauern und Natursteintreppen,

      Böschungen;

2.   Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbau-

      ordnung in der jeweils geltenden Fassung oder gleichgestellte Maßnahmen,

      auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;

3.   Errichtung oder Änderung von Einfriedigungen;

4.   Auffüllungen, Abgrabungen, Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen,

      Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung

      der Bodengestalt auf andere Weise;

5.   Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grund-

      stücks erforderlich sind;

6.   Umbruch von Dauergrünland oder dauerhaft nicht landwirtschaftlich genutzten

      Flächen;

7.   Verwendung von anderen Steinen als Natursteinen zur Reparatur oder Herstel-

      lung von Trockenmauern;

8.   Änderung von Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen

     dem Schutzzweck;

9.   Verwendung von Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich

      genutzter Grundstücke;

10. Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrs-

      anlagen;

13. Betrieb von Motorsport einschließlich des Betriebs von motorgetriebenen

      Schlitten;

14. Aufstellen von Wohnwagen, Bauwägen oder Verkaufsständen außerhalb

      der zugelassenen Plätze, das mehrtägige Zelten sowie das Abstellen von

      Kraftfahrzeugen und Anhängern;

15. Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern

      sowie Vornahme von Entwässerungs- oder anderen Maßnahmen, die den Was-

      serhaushalt verändern;

16. Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln, mit Ausnahme

      behördlich zugelassener Beschilderungen;

17. Aufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Christbaum- oder

      Schmuckreisigkulturen, Anlage von Vorratspflanzungen von Sträuchern und

      Bäumen, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der

      Bodennutzung auf andere Weise.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten

      Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch. Auflagen oder Bedingungen,

      abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder

      widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die

      Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestat-

      tung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen der Unteren Naturschutzbehörde

      erteilt wird.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften

      keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Benehmen mit der

      Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung

      oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6

Zulässige Handlungen

Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht

1.   für die Nutzung einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirt-

      schaftlicher Grundstücke, mit der Ausnahme von Maßnahmen nach § 5

      Abs. 2 Nr. 1, Nr . 6 und Nr. 17;

2.   für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbaumhochstämmen, wenn

      anstelle des alten Baumes auf demselben Grundstück ein junger Obstbaum

      (Hoch-stamm) gepflanzt wird;

3.   für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd;

4.   für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und anderer

      rechmäßiger Weise bestehender Einrichtungen in der bisherigen Art und im

      bisherigen Umfang (ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 10 und 11),

      sofern Unterhaltungsmaßnahmen aus Verkehrssicherheitsgründen  vorgenom-

      men werden;

5.   für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.   für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.   für die Reparatur oder Herstellung von Trockenmauern, wenn dazu Naturstein

      verwendet wird.

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die Untere

Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer im Landschafts-

schutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.   nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.   entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen

      vornimmt.

§ 9

Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Ludwigsburg, den 01. Dezember 2005

Landratsamt

Dr. Christoph Schnaudigel

Erster Landesbeamter

Hinweis:

Eine evtl. Verletzung der im § 59 NatSchG genannten Verfahrens- und Form

vorschriften ist nach § 60a NatSchG nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines

Jahres nach dem Erlass dieser Rechtsverordnung gegenüber der Unteren

Naturschutzbehörde beim Landratsamt Ludwigsburg, Hindenburgstraße 40,

71638 Ludwigsburg schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der

die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.