1.19.055 Remsaue mit Linsenberg

Verordnung des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Remsaue mit Linsenberg" auf dem Gebiet der Stadt Schorndorf und der Gemeinde Urbach, Rems-Murr-Kreis vom 16. August 1982 (Waiblinger Zeitung, Schorndorfer Nachrichten vom 20.08.1982).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und Abs. 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf den Gemarkungen Haubersbronn und Schorndorf, Stadt Schorndorf und auf Gemarkung Oberurbach, Gemeinde Urbach werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Remsaue mit Linsenberg".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 148 ha. Auf dem Gebiet der Stadt Schorndorf liegen ca. 32 ha und auf dem Gebiet der Gemeinde Urbach ca. 116 ha.

 (2) Das Schutzgebiet umfaßt die offenen Wiesenbereiche zwischen Schorndorf und Urbach und den nördlich anschließenden Linsenberg mit den landwirtschaftlich genutzten Wiesen.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 schwarz umgrenzt und flächig grün angelegt und in einem Flurkartenausschnitt im Maßstab 1 : 2 500 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis in Waiblingen verwahrt. Die Verordnung mit Karten kann während der Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der noch weitgehend naturnah vorhandenen Grünflächen zwischen Schorndorf und Urbach als Lebensraum für seltene oder in ihrem Bestand bedrohte Vogelarten und als wertvolle Ausgleichsfläche in der Entwicklungssache Remstal. Weiterer Schutzzweck ist die Erhaltung des das Landschaftsbild bestimmenden Linsenberges mit den charakteristischen landwirtschaftlich genutzten Wiesen und der Hochfläche.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis des Landratsamtes.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagerung von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.            Anlage oder Verändern von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel oder von Erholungseinrichtungen einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage von Modellflugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        die Errichtung von Stegen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Neuaufforstung, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung von einzelnen Nadel- und Ziergehölzen oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie
- der Ufergehölze an Rems und Wieslauf,
- der Gehölzgruppen und einzelnen Weiden in der Remsaue,
- der Hecken und Feldgehölze im Bereich des Linsenberges und der Hochfläche,
- der Wassergräben im Bereich des Linsenberges und der Remsaue.

16.        Änderung der Bodennutzung von Grünland in Ackerfläche südlich der Bundesstraße 29.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können.

Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

Einer Erlaubnis dieser Verordnung bedürfen nicht: alle Baumaßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Neubau der Bundesstraße 29 - Umgehung Schorndorf - und den geplanten Ersatzlösungen der Neckar-Alb-Autobahn im Geltungsbereich dieser Verordnung durchgeführt werden.

 (6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke; ausgenommen sind Grundstücke, die unter den Erlaubnisvorbehalt des § 5 Abs. 2 Nr. 16 fallen;
- ordnungsgemäß ist die Bewirtschaftung, die nach dem jeweiligen Stand der Erkenntnisse der Nutzung landwirtschaftlicher Grundstücke erfolgt -;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der bestehenden Energieversorgungs- und Bahnanlagen;

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Befreiung

Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann das Landratsamt von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i.V. mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Waiblingen, den 16. August 1982

gez.

Horst Lässing

Landrat des Rems-Murr-Kreises

Änderung:

Durch VO 10.06.1987 (NSG 1.151 "Morgensand und Seelachen") Fläche um 39 ha verringert.