1.25.057 Jagsttal zwischen Jagsthausen und Möckmühl-Züttlingen mit angrenzenden Gebietsteilen

Verordnung des Landratsamtes Heilbronn als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Jagsttal zwischen Jagsthausen und Möckmühl-Züttlingen mit angrenzenden Gebietsteilen" vom 3. Dezember 1997 (Amtsblatt Stadt- und Landkreis Heilbronn vom 11.12.1997).

Auf Grund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 19. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Jagsthausen, der Stadt Widdern und der Stadt Möckmühl werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung, "Jagsttal zwischen Jagsthausen und Möckmühl-Züttlingen mit angrenzenden Gebietsteilen".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 1 673 ha.

(2) Das Schutzgebiet liegt auf den Gemarkungen Jagsthausen und Olnhausen der Gemeinde Jagsthausen, auf Gemarkung Widdern der Stadt Widdern und auf Gemarkungen Möckmühl, Züttlinaen und Ruchsen der Stadt Möckmühl.

Es umfaßt im wesentlichen das Jagsttal von Jagsthausen bis Möckmühl-Züttlingen mit seinen Gleit- und Prallhängen und mehreren kleinen Seitenklingen.

In das Schutzgebiet einbezogen sind folgende Landschaftsteile, Gewanne oder Teile der Gewanne:

·               von der Landkreisgrenze bis Jagsthausen
Egertssteige, Egartssteige, Heidenbürzel, Neuwiesen, Weimersbirken, Großes Ghai, Altenberg, Krummer Graben, Egerten, Obere Au, Berlichinger Weg, Geißhalde, Altersbusch, Roter Grund, Vorsteig, Am Berg, Kirchfeld, Brühl, Kalkklinge, Moosig, Untere Kalkklinge, Fuchs, Klingenäcker;

·               von Jagsthausen bis Olnhausen
Köhl. Dörräcker. Burgwiesen, Au, Bannholz. Burgberg, Gaufer, Steinach, Bürzel, Dinkelau. Schlattern, Neuberg, Haussen, Wörd, Sand, Dachsbau, Butzenhalde, Wanne, Strassenäcker, Gänsäcker, Brunnenwiesen, Neuwiesen, Altenberg, Altenbergwald, Altenau, Neugreut, Grabenäcker, Englert, Klingenrain, Kessacher Halde, Pfad, Grund, Silbert, Hintere Hofstätt, Oberes Tal, Büssweg, Bühl, Waldbach, Brückholz, Lehle, Gänsäcker;

·               von Olnhausen bis Widdern
Hohe Weinberge, Hofwiesen, Hirtengärten, Wasengärten, Unter der Steig, Backenhalde, Unteres Tal, Griesäcker, Buchhalde, Leitzen, Simonsberg, Engelau, Buchhaldenberg, Zwieklinge, Obere Breitwiesen, Mittlere Breitwiesen, Untere Breitwiesen, Bürgel, Bodenäcker, Sottenberg, Bürgelrain, Maiersklinge, Mauspfädle, Ob der Berlichinger Steige, Berlichinger Steige, Grüben, Hinter dem Schloß, Schlossberg, Vor dem obern Thor, Götzenwiesen, Bellenbaum, Wasenacker, Im Tal, Steinenkreuz, Buchhälde, Hohenartenbuckel, Untere Hohenarten, Hiohenarten, Hintere Hohenarten, Vordere Hohenarten, Äußeres Tal, Kühtränk, Löser, Bubensteig, Ziegelhütter Feld, Hahnenberg, Untere Hofäcker, Geisbach;

·               von Widdern bis Möckmühl-Ruchsen
Löser, Heumaden, Wolfshäusle, Unter dem Hahnenberg, Hahnenberg, Obere Feinau, Untere Feinau, Feinau, Feinauebene, Feinaurank, Kappelrank, Kappel, Untere Kappel, Mühr, Vorderes Gebirge, Mittel Gebirg, Aurank, Mittlere Au, Untere Au, Hinter Gebirg, Unterm Weg, Obere Steig, Weingartshälden, Ruchsen Grund, Häusle, Steigpfad, Steig, Lange Mauer, Untere Steig, Kirschenäcker, Steigwiesen, Reisenklotz, Aufzieher, Wegwiesen, Unterwert, Obere Forst, Im hellen Brunnen, Großwiesen, Im obern Tal, In der Au, Im Spreit, Spreit, Zeilbäume, Kleewiesen, Helde, Keitlandswiesen;

·               von Ruchsen bis Möckmühl
Hühnerberg, Im untern Tal, Torgarten, Kammeradern, Geisberg, Brühl, Brühlweinberge, Dippacher Weg, Beim Schafhaus, Schlossweinberge, Hofberge;

·               von Möckmühl bis Züttlingen
Badtürml, Waagener Tal, Waagern, Geishalde, Nußhalde, Steig, Pappelhalde, Schreckenklinge, Emmerlesberg, Gauferwiesen, Maisenhalden, Wäldleshalde, Baierklinge, Wäldle, Wertle, Ammerlanden, Ob dem Büttenbach, Unter dem Büttenbach, Vogeläcker, Sand, Etzwiesen, Lachen, Pfaffenklinge, Bergwiese, Wert, Brunnenbergwiesen, Streckfuß, Brunnenberg, Ernstenwald, Ehnig, Viehweide, Gießübel, Au, Unteres Feld, Oberes Feld;

Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 und vier Flurkarten im Maßstab 1:5000 mit schwarz durchgezogener Linie und grüner Anschummerung eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung (Anlage). Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Heilbronn und den Bürgermeisterämtern Jagsthausen. Widdern und Möckmühl zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist die Erhaltung der landschaftlichen Vielfalt, Eigenart und Schönheit des unteren Jagsttales, seines besonderen Erholungswertes für die Allgemeinheit sowie die Gewährleistung der Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts. Zu sichern ist insbesondere der Charakter der vielgestaltigen Kulturlandschaft mit der naturnahen Jagst, den

Wiesenauen und Feuchtgebieten, den mit Steinriegeln, Trockenmauern, Halbtrockenrasen, Streuobstwiesen, Rainen, Hecken und Laubwaldbeständen, reich strukturierten Hangbereichen und Seitenklingen als ökologisch bedeutsame Lebensräume für die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt wird,

1.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird,

2.            eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzun- auf Dauer geändert wird,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird,

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.'

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1)Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2)Der Erlaubnis bedarf es insbesondere:

1.            wesentliche Landschaftsbestandteile, wie landschaftsprägende Bäume, Streuobstbestände, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände, Trockenmauern, Böschungen, Hohlwege und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde oder Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder die der Erhaltung der wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt dienen, zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.            Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu verändern;

5.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen;

6.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen;

9.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen, Kleingärten, Baumschulen sowie Grundstücke für den Erwerbsobstbau anzulegen;

10.        Pflanzung standortfremder, gebietsuntypischer Gehölze oder Nadelhölzer außerhalb des Waldes;

11.        Der Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 1 ha; Begründung von Nadelholzreinbeständen und die Umwandlung von Wald;

12.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

13.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

14.        hochstämmige Obstbäume zu beseitigen;

15.        Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

16.        Motorsport zu betreiben;

17.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen, offene Feuerstellen zu errichten sowie Fahrzeuge außerhalb der zugelassenen Plätze abzustellen.

18.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind.

 (3)Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4)Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen (mit)*) der unteren Naturschutzbehörde erteilt wird.

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1)Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4. und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird,
b) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird,
c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie unter § 5 Abs 2 Nr. 1 aufgeführt, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,
d) eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird;
Zur ordnungsmäßigen Bewirtschaftung gehören auch die Folienbewirtschaftung, die Bewässerung der Anbauflächen, die vorübergehende Lagerung von Kisten zur Erntezeit und die Grünabfallverwertung auf den Feldern.

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung, ausgenommen sind die unter § 5 Abs. 1 Nr. 11 genannten Maßnahmen;
Zur ordnungsgemäßen forstwirtschaftlichen Nutzung gehört auch das Anlegen von Rückegassen und Maschinenwegen.

3.            ordnungsgemäße Ausübung der, Jagd und Fischerei;

 (2)Zulässig ist auch:

1.            Die Beseitigung von einzelnen absterbenden hochstämmigen Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger hochstämmiger Obstbaum gepflanzt wird;

2.            die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßig bestehender Einrichtungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach der Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Heilbronn über die einstweilige Sicherstellung des Landschaftsschutzgebietes "Jagsttal zwischen Jagsthausen und Züttlingen mit angrenzenden Gebietsteilen" vom 12.12.1994, verlängert durch Verordnung vom 10. 12.1996, außer Kraft.

Heilbronn,

3. Dezember 1997

Landratsamt Heilbronn

Czernuska

Landrat