1.27.015 Rothenburger Landhege (13 Teilgebiete)

Verordnung des Landratsamtes Schwäbisch Hall als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Rothenburger Landhege" vom 16.04.1982 (Haller Tagblatt vom 25.6.1982).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG-) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654) wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Blaufelden, Rot am See, Schrozberg werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Rothenburger Landhege".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 62 ha.

 (2) Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

von nordöstlich des Teilortes Speckheim der Gemeinde Schrozberg ziemlich geradlinig nach Süden verlaufend, und war zwischen den Ortschaften:

·               Großbärenweiler-Kleinbärenweiler, Naicha-Heufelwinden, WiesenbachEhringshausen-Hegenau, Engelhardshausen-Herbertshausen, BrettenfeldHilgartshausen bis Musdorf und vom Teilort Musdorf der Gemeinde Rot am See in östlicher Richtung über Kühnhard bis Weikersholz.

Es umfaßt 13 Landschaftsteile auf den Gemarkungen Schrozberg, Blaufelden und Rot am See, und zwar:

1.            ein Gebietsteil nordöstlich Speckheim im Gewann Heckfeld und Turmäcker;

2.            nordwestlich Wolfskreut bis südwestlich bei Kleinbärenweiler;

3.            westlich Heufelwinden im Gewann Jägerholz;

4.            südwestlich Heufelwinden im Gewann Kleinjägerholz und Hohelinden;

5.            westlich Ehringshausen im Gewann Reutwiesen, Fleischfeld bis Köchle;

6.            vier Gebietsteile östlich bis südöstlich Ortsteil Wiesenbach im Gewann Probstholz und Eichenlöhle, Streimrot, Sperbersbach, Brettheimer Feld, Lötholz und Einsiedel;

7.            nordöstlich Engelhardshausen im Gewann Rotholz-Wegäcker bis südöstlich Engelhardshausen im Gewann Rotäcker;

8.            nördlich der Brettach im Gewann Mohrenklinge bis Breitloh;

9.            nördlich Kühnhard im Gewann Heustrich;

10.        östlich Musdorf im Gewann Spitalfeld;

11.        südwestlich Weikersholz im Gewann Espan.

 (3) Das Landschaftsschutzgebiet ist in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in 11 Flurkarten im Maßstab 1 : 2 500 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde verwahrt und kann während der Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der noch erkennbaren Reste der "Rothenburger Landhege" als vorwiegend nieder- bis mittelwaldartig bestockter Geländestreifen. Durch die Unterschutzstellung der Landhege soll die Erhaltung des kulturhistorisch bedeutsamen Dokumentes in seiner Eigenart und überkommenen Gestalt als wertvoller Landschaftsbestandteil gesichert werden. Darüber hinaus soll die Erhaltung der Landhege als Windschutzhecke, als Vogelschutzgehölz, als Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten sowie als Rückzugs- und Deckungsmöglichkeit für das Niederwild erreicht werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

6.            Weiterhin ist verboten:

7.            das Ausstocken von Gehölzen (d.h. das Entfernen von Bäumen samt Wurzelstock);

8.            das Einbringen von Nadelgehölzen und nicht heimischen Laubgehölzen - auch als Folgenutzung auf heute mit Nadelgehölzen bestockten Landhegeabschnitten -;

9.            die Ablagerung von Müll, Erd- und Bauaushub, landwirtschaftlichen Abfällen und sonstigem Unrat aller Art.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

13.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

14.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Kahlschlag jeder Größe; insgesamt jedes Entfernen von Gehölzen, was über ein auszugsweises "auf den Stock setzen" hinausgeht;

15.        jegliches Verändern der Bodengestalt, auch in kleinem Umfang.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch solche Wirkungen auf ein mit dem Schutzzweck vereinbares Maß gemildert werden.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter der Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke unter Berücksichtigung des § 5 Abs. 2 Ziffer 15;

2.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung forstwirtschaftlicher Grundstücke unter Berücksichtigung des § 4 Ziffer 6 und 7 sowie des § 5 Abs. 2 Ziffer 13 und 14;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege und Gewässer, unter Berücksichtigung des § 5 Abs. 2 Ziff. 15;

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i.V. mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

§ 10

Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die alte Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Landhege bei Brettheim" außer Kraft.

gez. Dr. Biser