1.28.001 Main-Tauber-Tal

Verordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden zum allgemeinen Landschaftsschutz des Main- und Taubertales im Bereich des Landkreises Tauberbischofsheim vom 14. Februar 1953. (GABl. 1953, S. 91).

Auf Grund der §§ 5 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821) in der Fassung des dritten Änderungsgesetzes vom 20. Januar 1938 (RGBl. I S. 36) sowie des § 13 der hierzu ergangenen Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. I S. 1275) in der Fassung der Ergänzungsverordnung vom 16. September 1938 (RGBl. I S. 1184) wird für den Bereich des Landkreises Tauberbischofsheim folgendes verordnet:

§ 1

Die in der Landschaftsschutzkarte bei dem Regierungspräsidium Nordbaden in Karlsruhe eingetragenen Landschaftsteile rechts und links der Tauber und links des Mains im Bereich des Landkreises Tauberbischofsheim auf den Gemarkungen Unterbalbach, Königshofen, Marbach, Lauda, Gerlachsheim, Distelhausen, Dittigheim, Tauberbischofsheim, Impfingen, Werbach, Hochhausen, Niklashausen, Gamburg, Uissigheim, Bronnbach, Reicholzheim, Sachsenhausen, Waldenhausen, Wertheim, Bettingen, Lindelbach, Urphar, Grünenwört, Mondfeld, Boxtal und Freudenberg werden im Umfange, der sich aus der Eintragung in der Landschaftsschutzkarte ergibt, mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung dem Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes unterstellt.

§ 2

 (1) Es ist verboten, innerhalb der in der Landschaftsschutzkarte durch grüne Umrandung kenntlich gemachten Gebiete Veränderungen vorzunehmen, die geeignet sind, die Natur zu schädigen, den Naturgenuß zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu verunstalten.

 (2) Unter das Verbot fallen insbesondere:

·               a) die Anlage von Bauwerken aller Art außerhalb der bestehenden Ortsbebauung und der festgestellten oder geplanten Ortserweiterungen und Baugebiete; hierunter fallen auch Bauwerke, die keiner baupolizeilichen Genehmigung bedürfen;

·               b) das Lagern und Zelten an anderen als hierfür vorgesehenen Plätzen;

·               c) das willkürliche, offene Ablagern von Abfällen, Müll und Schutt, außer auf amtlich hierfür vorgesehenen Stellen;

·               d) das Anbringen von Tafeln, Inschriften und dergleichen, soweit sie sich nicht auf den Landschaftsschutz oder den Verkehr beziehen;

·               e) der Bau von Drahtleitungen;

·               f) die Anlage von Abschütthalden, Steinbrüchen, Kies-, Sand- oder Lehmgruben oder die Erweiterung bestehender Betriebe, sofern sie im Widerspruch mit dem Sinn dieser Verordnung steht;

·               g)  die Beseitigung von Hecken und Feldgehölzen auf für Kulturbau ungeeigneten Flächen außerhalb des geschlossenen Waldes. Von diesen Flächen herrührende schädliche Randeinwirkungen größeren Maßes auf dem benachbarten Kulturbau dürfen vom Eigentümer oder mit Zustimmung des Eigentümers abgestellt werden; ebenso ist eine teilweise oder wenn unbedingt notwendig auch ganze Entfernung solcher Bestockung nach Anordnung der Straßenbauverwaltung zur Erhaltung einwandfreier oder zur Verbesserung ungenügender Sichtverhältnisse für den Verkehr zugelassen;

·               h) die Beseitigung und auch streckenweise über 15 m lange Nutzung von Ufergehölzen an den Wasserläufen. Die Nutzung des Ufergehölzes durch die Eigentümer darf nur als Pflegemaßnahme durchgeführt werden und muß mindestens alle 15 m einen Baum oder Busch erhalten;

·               i) die Aufforstung von Wiesen und Äckern im Tal.

§ 3

Ausgenommen von den Verboten des § 2 sind alle Maßnahmen, die im öffentlichen Interesse und im Rahmen der im Badischen Wassergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. April 1913 (GVBl. S. 250) und 27. August 1936 (GVBl. S. 135) und der Verordnung vom 10. Mai 1939 (GVBl. S. 141) enthaltenen Bestimmungen, sowie im Interesse von gemeindlichen Wasserversorgungen liegen, wenn, diese unter Leitung und Aufsicht der zuständigen Wasserbaubehörden und im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt werden.

§ 4

Unberührt bleiben wirtschaftliche Nutzungen oder pflegliche Maßnahmen, sofern sie dem Zwecke dieser Verordnung nicht widersprechen. Der forstwirtschaftliche Waldbau ist vom Waldeigentümer den Erfordernissen des Landschaftsschutzes nach ertragswirtschaftlich zumutbaren Möglichkeiten in Hiebsführung und Baumartenwahl anzupassen.

§ 5

Als besonders schöne und daher in ihrer jetzigen Art zu erhaltende Bestandteile in der nach § 1 geschützten Landschaft treten hervor:

1.           die Baumbestände um die Burgruinen in Freudenberg;

1.           das sogenannte "Försters Büchlein" rechts der Landstraße zwischen Grünwört und Boxtal;

2.           die Baumbestände um die Burgruinen in Wertheim;

3.           der sogenannte "Eichelhofgarten" zwischen Wertheim und Eichel;

4.           die Mainuferbänke auf Gemarkung Bettingen gegen die badisch-bayerische Landesgrenze;

5.           der Laubholzaltbestand über dem Felsenkeller beim Bahnübergang bei der Tauberbrücke Bronnbach;

6.           der sogenannte "Hohe Rain" im Geierberg auf Gemarkung Dittigheim.

Das jetzige Landschaftsbild dieser Bestandteile in der Ausdehnung der in der Landschaftsschutzkarte schraffierten Fläche ist bei der Nutzung durch den Eigentümer zu erhalten, soweit die natürliche Entwicklung dies zuläßt.

§ 6

Ausnahmen von den Vorschriften der §§ 2, 3 und 4 können von der höheren Naturschutzbehörde in besonderen Fällen zugelassen werden.

§ 7

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 (3) und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und dem § 16 der Durchführungsverordnung hierzu vom 31. Oktober 1935 bestraft.

§ 8

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im Gemeinsamen Amtsblatt des Landes Baden-Württemberg in Kraft.

In Vertretung

Dr. Herbold

Änderungen:

Durch VO vom 24.09.1982 (NSG 1106 "Kaltenberg") Fläche um 13 ha verringert.

Durch VO vom 01.04.1985 (LSG 1.28.009 "Werbach") Fläche um 1320 ha verringert.

Durch VO vom 30.11.1985 (LSG 1.28.010 "Kembachtal") Fläche um 85 ha verringert.

Durch VO vom 14.02.1986 (NSG 1057 "Mehlberg") Fläche um 5 ha verringert.

Durch VO vom 10.05.2005 (LSG 1.28.015 "Lauda-Königshofen") Fläche um 2967 ha verringert.