1.28.002 Wertheim (4 Teilgebiete)

Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Wertheim" vom 18. Dezember 1979 (GBl. 1980 S. 269).

Auf Grund von §§ 22 und 58 Abs. 3 und 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetzes ‑ NatSchG ‑) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Wertheim werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Wertheim".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 5 170 ha.

 (2) Das Schutzgebiet liegt auf dem Gebiet der Stadt Wertheim und berührt die Gemarkungen Wertheim, Mondfeld, Grünenwört, Dörlesberg, Sachsenhausen, Waldenhausen, Reicholzheim, Bettingen, Dertingen, Lindelbach, Urphar, Höhefeld und Dietenhan. Das Schutzgebiet besteht aus vier, nicht zusammenhängenden Teilen:

·               Hanglagen gegen das Maintal zwischen der Gemeindegrenze zu Freudenberg im Westen und Wertheim-Wartberg im Osten;

·               Oberes Wildbachtal zwischen der Gemeindegrenze zu Freudenberg und der Ortslage Wertheim-Nassig, Ortsteil "Im Loch";

·               Main-, Tauber-, Aalbach- und Schönertsbachtal mit Hanglagen und angrenzenden Gebieten;

·               Hang südlich Wertheim-Höhefeld gegen das Taubertal.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebiets sind in einer Übersichtskarte des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis vom 16. Juli 1979 im Maßstab 1 : 25 000 schwarz umgrenzt und grün angelegt sowie in 32 Katasterplankarten des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis vom 16. Juli 1979 im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde - Landratsamt Main-Tauber-Kreis - verwahrt; eine Ausfertigung der Verordnung mit Karten befindet sich beim Bürgermeisteramt Wertheim. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes, seine Bewahrung vor Belastungen und seine Sicherung als Lebens- und Erholungsraum.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        11.Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

16.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäume, Hecken und Ufergehölze, Schilf- und Rohrbestände, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, einschließlich von Kulturartenänderungen (Genehmigungsvorbehalte nach anderen Gesetzen bleiben unberührt);

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 16;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Befreiungen

 (1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes Befreiung erteilt werden.

 (2) Die Befreiung bedarf bei Handlungen im Sinne von § 5 Abs. 2 Ziff. 1, 3, 4, 6, 12 und 15 der Zustimmung des Regierungspräsidiums als höherer Naturschutzbehörde.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten auf dem Gebiet der Stadt Wertheim außer Kraft:

·               a)  Verordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden zum allgemeinen Landschaftsschutz des Main- und Taubertales im Bereich des Landkreises Tauberbischofsheim vom 14. Februar 1953, veröffentlicht im Gemeinsamen Amtsblatt Baden-Württemberg Nr. 5 Seite 91 vom 12. März 1953, soweit diese Verordnung Gemarkungen betrifft, die nicht dem Flurbereinigungsverfahren "Kembachtal" zugeordnet sind;

·               b)  Verordnung des Landratsamtes Tauberbischofsheim zum Schutz von Landschaftsteilen auf den Gemarkungen Bettingen und Dertingen vom 11. Januar 1962, veröffentlicht in den Fränkischen Nachrichten Nr. 11 vom 15. Januar 1962.

Tauberbischofsheim, den 18. Dezember 1979

In Vertretung

Denzer

Änderungen:

·               Durch VO vom 22.10.1984 (NSG 1.127 "Gutenberg") Fläche um 12 ha verringert.

·               Durch VO vom 30.11.1985 (LSG 1.28.010 "Kembachtal") Fläche um 2 ha verringert.

·               Durch VO vom 06.10.1986 (NSG 1.144 "Ellenberg-Kapf") Fläche um 18 ha verringert.

·               Durch VO vom 24.01.1992 (Änderung)   Fläche um 173 ha verringert.

Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis zur Änderung der Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Wertheim" vom 24. Januar 1992 (Fränkische Nachrichten vom 28.01.1992).

Auf Grund von §§ 22 und 58 Abs. 3 und Abs. 4 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654, berichtigt 1976, S. 96), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), wird verordnet:

Artikel 1

Die Verordnung des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Wertheim" vom 18. Dezember 1979, zuletzt geändert durch Verordnung des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 06. Oktober 1986 (GBl. S. 381), wird wie folgt geändert:

1.§ 2 erhält folgende Fassung:

"(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 4 965 ha.

 (2) Das Schutzgebiet liegt auf dem Gebiet der Stadt Wertheim und berührt die Gemarkungen Wertheim, Mondfeld, Grünenwört, Dörlesberg, Sachsenhausen, Waldenhausen, Reicholzheim, Bettingen, Dertingen, Lindelbach, Urphar, Höhefeld und Dietenhan. Es besteht im wesentlichen aus 5 nicht zusammenhängenden Teilen:

·               Hanglagen gegen das Maintal zwischen der Gemeindegrenze zu Freudenberg im Westen und Wertheim-Wartberg im Osten;

·               Oberes Wildbachtal zwischen der Gemeindegrenze zu Freudenberg und der Ortslage Wertheim-Nassig, Ortsteil "Im Loch";

·               Main-, Tauber- und Schönertsbachtal mit Hanglagen und angrenzenden Gebieten;

·               Main- und Aalbachtal mit Hanglagen und angrenzenden Gebieten;

·               Hang südlich Wertheim-Höhefeld gegen das Taubertal.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis vom 24. Januar 1992 im Maßstab 1 : 25 000 sowie in 32 Katasterplankarten des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis vom 24. Januar 1992 im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umrandet und grün angeschummert eingetragen.

 (4) Die Karten enthalten die rechtsverbindliche Festsetzung des Landschaftsschutzgebietes und sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten ist beim Bürgermeisteramt 6980 Wertheim und bei der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis in 6972 Tauberbischofsheim während der Dienststunden zur kostenlosen Einsicht durch jedermann niedergelegt."

Artikel 2

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Tauberbischofsheim, den 24. Januar 1992

In Vertretung

Hasenbuhl

.