1.35.073 Lone- und Hürbetal

Verordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Lone- und Hürbetal" vom 24.09.1990 (Heidenheimer Neue Presse vom 25.10.1990).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde vom 09.07.1990, Az.: 73-8842-02-4, verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Giengen, Herbrechtingen, Hermaringen und Niederstotzingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Lone- und Hürbetal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 1 701 ha.

 (2) Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

·               Es beginnt an der Kreisgrenze südlich von Hausen (ob Lontal) * und schließt an das Landschaftsschutzgebiet "Hungerbrunnental" an. Die Grenze verläuft von hier in Richtung Osten die Kreisgrenze entlang, unter der A 7 hindurch bis zur Landesstraße 1079. Von hier aus weiter an der Kreisgrenze im Lonetal über die Kreisstraße 3022 bis ca. 1 km vor die Vogelherdhöhle. Dann entlang der Markungsgrenze Bissingen/Stetten bis zur Vogelherdhöhle und von hier aus östlich der Landesstraße 1168 bis zum Ortsanfang Stetten o.L. Der nördliche Ortsrand bis vor das Baugebiet Stettbergäcker stellt hierbei die weitere Landschaftsschutzgebietsgrenze dar. Die Grenze verläuft von hier ab dann weiter in Richtung Norden entlang des östlichen Waldtraufes des Stettberges bis zum anschließenden Waldgebiet.

·               Von diesem östlichen Eckpunkt verläuft die Landschaftsschutzgebietsgrenze quer durch den Sparenwald in Richtung Schloß Burgberg. Auch hier bildet wiederum der östliche Waldtrauf des Gebietes Hinterer Hau die Landschaftsschutzgebietsgrenze bis zum Hauptwirtschaftsweg in Richtung Schloß Burgberg. Weiter verläuft die Grenze bis zur Hülbe südlich des Schlosses Burgberg und dann in nördlicher Richtung am Waldtrauf der Bruckhalde entlang und zweigt am östlichsten Teil der Bruckhalde ab zum Waldtrauf Hürbehau. Der nördliche Teil des Waldtraufes Hürbehau ist hierbei die Landschaftsschutzgebietsgrenze bis zum Naturschutzgebiet Ravensburg. Ab hier geht es weiter entlang der Gemeindeverbindungsstraße bis zur östlich liegenden Eisenbahnlinie Hermaringen - Bergenweiler. Von diesem östlichen Schnittpunkt ab verläuft das Landschaftsschutzgebiet in nördlicher Richtung bis zum Baugebiet Hirschberg der Gemeinde Hermaringen und dann in westlicher Richtung um das Neubaugebiet herum bis zur Kreisstraße 3021 Hermaringen - Burgberg. Von hier aus weiter in nordwestlicher Richtung an den Fußballplätzen der Gemeinde Hermaringen vorbei bis zur Güssenstraße. Dann in östlicher Richtung bis zum Schnittpunkt mit der Bahnlinie Hermaringen - Giengen. Ab diesem Schnittpunkt in nördlicher Richtung bis zur Landesstraße 1083 und hier weiter westlich der Landesstraße 1083 bis zur Kreuzung mit der B 492.

·               Ab nördlich über die B 492 hinweg entlang den landwirtschaftlich genutzten Äckern und überschneidet dann wieder nach ca. 500 m die B 492. Die Südseite der B 492 bildet hier die Landschaftsschutzgebietsgrenze bis zur Eschklinge auf Gemarkung Hermaringen. Ab der Eschklinge verläuft die Landschaftsschutzgebietsgrenze in südwestlicher Richtung entlang der Gewanne Greutberg, Hürbenhalde, Vorderer See, einschließlich des Gebiets Hoher Rain vor Hürben.

·               Ab dem Gebiet Hoher Rain verläuft die Grenze in südlicher Richtung bis zur Landesstraße 1167. Südlich der L 1167 wird das Gewerbegebiet Seewiesen umfahren und auch das angrenzende bebaute Gebiet südlich von Hürben. Die Grenze bildet hier der westliche Waldtrauf des Kagberges bis zum südlichsten landwirtschaftlichen Anwesen von Hürben. Das Hürbetal wird hier westwärts überquert und die Grenze umfährt das Gewann Katzenloch im Bereich des neuen Sportplatzes. Von hier aus verläuft die Grenze südlich bis zur Kaltenburg. Ab der Kaltenburg geht es weiter Richtung Südwesten durch die Gewanne Ochsenhau und Kohlhau bis in etwa zur Kläranlage Bissingen - Stetten.

·               Von diesem Eckpunkt aus verläuft die Grenze nordwestlich und schließt das Gewann Tiefes Täle und Katzental der Gemarkung Bissingen ein. Vom Katzental läuft die Landschaftsschutzgebietsgrenze in Richtung Süden am Waldtrauf des Gewann Schmiedbauer's Holz entlang bis ca. 100 m vor die St. Leonhardskapelle. Hier wird die Landesstraße 1168 Bissingen - Stetten überquert und der Waldteil Stockert durchschnitten bis in etwa zum Naturdenkmal Kochstein. Nach dem Kochstein verläuft die Landschaftsschutzgebietsgrenze überwiegend am nördlichen Waldtrauf des Gebiets Gemeindle bis zur Kreisstraße im Bereich der Öllinger Steige. Die Öllinger Steige wird in südwestlicher Richtung überquert. Von hier aus werden die Gewanne Unterer Rindwasen, Oberer Rindwasen, Krautgartenberg und Teile der Gewanne Zwischen den Eschen und Hausener Tal umfahren.

·               Ab dem nördlichen Waldtrauf des Gewanns Reute geht das Landschaftsschutzgebiet entlang des Hauptwirtschaftsweges Nr. 994 durch den Wald bis ca. 100 m vor das Lonetal und dann westwärts dem Hauptwirtschaftsweg Nr. 1054 folgend bis zur Landesstraße 1079. Ab der Landesstraße 1079 verläuft das Landschaftsschutzgebiet westlich bis zum Feldweg Nr. 24 vor Hausen o.L. Von hier aus geht es westwärts dem Feldweg und Waldtrauf entlang zurück zum Ausgangspunkt.

Ausgenommen ist das gesamte bebaute Gebiet von Burgberg mit den landwirtschaftlich genutzten Flächen nordwestlich der Kreisstraße 3021 Burgberg - Hermaringen mit den Gewannen Mittelfeld, Bühlenfeld, Saunäcker, Teil der Halde, Hub, Stetthöfle, Zwanzig Jauchert, Hinter dem Kupferschmied, Beim Schinderhäusle, Am See, Teile Hinter dem Kagberg und Teile Hinter dem Stettberg.

Die Grenzen des Schutzgebietes sind in 4 Karten M 1 : 5 000, gefertigt vom Landratsamt
Heidenheim - Ref. Planung und Entwicklung - am 20.10.1988, geändert am 16.11.1989, Blatt Nr. 2 - 5, grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Heidenheim - Umweltschutzamt - für die Dauer von 2 Wochen, beginnend am 8. Tag nach Verkündigung dieser Verordnung zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich niedergelegt.

Die Verordnung mit Karten wird nach Ablauf der Auslegungsfrist beim Staatsarchiv
Ludwigsburg, Schloß, 7140 Ludwigsburg, verwahrt und ist beim Landratsamt Heidenheim - Umweltschutzamt - niedergelegt und kann dort von jedermann während der Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Sicherung des Gleichgewichts des Naturhaushalts und die Erhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes; die ökologische Funktion der Landschaft als Lebensraum der wildlebenden Tier- und Pflanzenwelt soll ebenso gesichert werden wie die Funktion als Erholungsraum. Die vielgestaltige Kulturlandschaft des Hürbe- und Lonetals und deren Randgebiete soll vor störenden, beeinträchtigenden oder belastenden Veränderungen längerfristig geschützt werden. Dazu gehört auch die Aufrechterhaltung der Nutzungsstrukturen, insbesondere die Erhaltung der Wiesenauen und der Heiden und Magerrasen als landschaftlich und ökologisch besonders wertvolle Landschaftsbestandteile sowie die Erhaltung der Laubwaldungen als wesentliches Charaktermerkmal des Lone- und Hürbetales.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird,

6.            auf Heiden, Magerrasen und vergleichbaren Flächen ist eine andere Nutzung als die extensive Schaf- oder Ziegenbeweidung verboten,

7.            die Umwandlung von Wiesen in Ackerland sowie die Nutzungsänderung der Heiden und Magerrasen ist verboten.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

8.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

9.            Errichtung von Einfriedungen;

10.        Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

11.        Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

12.        Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

13.        Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

14.        Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

15.        Anlage oder Veränderung von Flugplätzen für den Modellflug sowie für Segel- und Motorflug;

16.        Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten mit Ausnahme des Einsatzes von motorgetriebenen Schlitten für Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten an bestehenden Energieversorgungs- und Fernmeldeanlagen;

17.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

18.        Errichtung von Stegen;

19.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern sowie die Trockenlegung von Grünland oder Ackerflächen;

20.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

21.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

22.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

23.        Beseitigung, Beeinträchtigung oder Veränderung von freistehenden Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen, Felsen und ähnlichen Naturerscheinungen, soweit diese zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen und daher wesentliche Bestandteile der Landschaft darstellen;

24.        Grasskifahren;

25.        Starten und Landen von Ultraleichtflugzeugen, Drachen- und Gleitschirmfliegern oder ähnlichen Fluggeräten.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkung der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

(6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 2 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

26.        für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 4 Nr. 7;

27.        für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

28.        für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten an bestehenden Energieversorgungsanlagen und Fernmeldeanlagen. § 5 Abs. 2 Nr. 16 bleibt davon unberührt;

29.        für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Gewässer im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde;

30.        für Schutzzäune an Verkehrswegen;

31.        für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

32.        für Maßnahmen, die anhand eines von der unteren Naturschutzbehörde gebilligten Wege‑ und Gewässerplans im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens erfolgen.

§ 7 Befreiungen

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde:

·               Genehmigung von Flächennutzungs- oder Bebauungsplänen, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen;

·               Vorhaben im Sinne von § 63 Abs. 2 Nr. 2 NatSchG, die zu Eingriffen von besonderer Tragweite oder zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung überörtlicher Interessen der erholungssuchenden Bevölkerung führen können;

·               Freizeitanlagen, die in besonders gelagerten Einzelfällen die landschaftliche Eigenart beeinträchtigen können, so z.B. Skilifte.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

33.        entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

34.        entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

1.Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

2. Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten nachfolgende Landschaftsschutzgebiete, aufgeführt in der Sammel-Verordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Landschaftsteilen im Kreis Heidenheim, vom 20.03.1978 außer Kraft:

·               a) Kennziffer 10.2
Landschaftsschutzgebiet "Hoher Rain", Gemarkung Hürben, Gemeinde Giengen,

·               b) Kennziffer 14.2
Landschaftsschutzgebiet "Schloßberg", Gemarkung Hermaringen, Gemeinde Hermaringen,

·               c)  westlicher Teil des LSG "Greutberg, Hürbenhalde" (bis Feldweg Nr. 6) aufgeführt unter Kennziffer 10.5 LSG "Westlicher Brenztalhang südlich von Giengen mit Nordteil des Bruckersberges sowie Greutberg, Hürbenhalde", Gemarkung Giengen und Hermaringen, Gemeinde Giengen und Hermaringen.

Landratsamt

Dr. Würz

Landrat

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