1.35.079 Am Tiefen Weg

Rechtsverordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Am tiefen Weg" vom 01.03.1999.

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Herbrechtingen, Gemarkung Bolheim werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Am tiefen Weg".

§ 2 Schutzgegenstand

Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 80 ha.

(2) Das Landschaftsschutzgebiet wird östlich durch das bisherige Landschaftsschutzgebiet "Orstelhalde" (“Hasenloch mit Orstelhalde, Lindach, Stürzel und Heidental”)*), nördlich durch die Nordgrenze des Grundstücks 3513, westlich durch den Weg 3494 und südlich durch den Feldweg Flst.Nr. 3278, die Westgrenze des Grundstücks Flst.Nr. 3090, einem nicht nummerierten Weg, sowie dem Feldweg Flst.Nr. 2831 bis zum bestehenden Landschaftsschutzgebiet begrenzt.

Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000 mit einer durchgezogenen grünen Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Landratsamt Heidenheim ‑ Referat Baurecht u. Umweltschutz ‑ auf die Dauer von 3 Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

Die Verordnung mit Karten wird nach Ablauf der Auslegungsfrist beim Staatsarchiv Ludwigsburg, Schloß, 71640 Ludwigsburg, verwahrt und beim Landratsamt Heidenheim ‑ Referat Baurecht u. Umweltschutz ‑ niedergelegt und kann dort von jedermann während der Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

1. Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist es, die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts zu gewährleisten, da das betroffene Gebiet einer weitgehend intakten Kulturlandschaft entspricht.

2. Weiterhin ist die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur und Landschaft zu erhalten. In dem betreffenden Gebiet kommt eine Vielzahl verschiedener Nutzungsformen und Biotope vor. Diese sind zum größten Teil in einer kleinstrukturierten Weise miteinander verquickt. Einige genießen gemäß § 24 a (NatSchG) besonderen Schutz. Hierdurch stellt sich das Gebiet als Kulturlandschaft mit einem Landschaftsbild besonderer Schönheit und Eigenart dar, wie es in dieser Form regional selten anzutreffen ist.

3. Außerdem ist die Anzahl verschiedener Biotope auf kleinstem Raum mit entsprechenden Übergangszonen zu schützen und zu erhalten, da sie ein breites floristisches und faunistisches Artenspektrum beinhalten. Einige der vorgefundenen Arten gelten als gefährdete Arten.

4. Schließlich gilt es das Gebiet aufgrund seines besonderen Erholungswertes für die Allgemeinheit zu erhalten. Das Gebiet befindet sich in einem Verdichtungsbereich der Entwicklungsachse Heidenheim‑Herbrechtingen in einem regionalen Grünzug. Das Gebiet erfüllt somit für den Erholungswert der Allgemeinheit eine besondere Funktion.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3.            das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

 (1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebiets verändern

oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere,

5.            wesentliche Landschaftsteile, wie z.B. landschaftsprägende Bäume, Hecken, Gebüsche zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

6.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

7.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

8.            Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu ändern, bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz.

9.            Anlage von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen;

10.        fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

11.        Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

12.        die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen oder Abgrabungen;

13.        neu aufzuforsten oder Christbaum‑ und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

14.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzwerk zu ändern;

15.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

16.        Motorsport zu betreiben;

17.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

18.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind.

Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.

Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die

19.        ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
a) die Bodengestalt nicht verändert wird,
b) Dauergrünland oder Dauerbrache nicht gebrochen wird,
c) wesentliche Landschaftsteile, wie landschaftsprägende Bäume, Hecken, Gebüsche, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden, die sachgerechte Gehölzpflege bleibt davon unberührt.

20.        ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

21.        ordnungsgemäße Ausübung der Jagd.

22.        Pflegemaßnahmen, die von der Naturschutzbehörde angeordnet werden (vgl. § 7)

23.        ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege und Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Ziffer 1 und 3

24.        Vorhaben, die aufgrund des rechtskräftigen Bebauungsplans "Alte Neureutenen" zugelassen sind.

 (2) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßig bestehender Einrichtungen.

§ 7 Schutz‑ und Pflegemaßnahmen

Schutz‑ und Pflegemaßnahmen können durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 LNatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 (L)*)NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

25.        im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

26.        im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung in Kraft.

Heidenheim, den 03.05.1999

Landratsamt Heidenheim

Dr. Würz Landrat

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