1.35.080 Ur-Brenztal

Verordnung des Landratsamtes Heidenheim als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet Ur-Brenztal vom 27.06.2003

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 19. November 2002 (GBl. S. 428) wird verordnet:

 

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Königsbronn, Gemarkung Königsbronn, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Ur-Brenztal".

 

§ 2  Schutzgegenstand

(1)     Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 68,9 ha.

 

(2)     Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

Im Osten durch die B 19 (beginnend ca. 200 m nördlich des Ortsendes von  Königsbronn) einschließlich des Gaintales östlich der B 19;

 

im Norden durch eine Linie von der Einmündung des FW Nr. 17 in die B 19 zum Bahnübergang Birkach, dann in nördlicher Richtung durch den Gemeindeverbindungsweg Nr. 1142 bis zur Kreisgrenze, ab dort in westlicher Richtung durch die Kreisgrenze; ausgenommen ist der Seegartenhof;

im Westen durch die Kreisgrenze bis zur Ziegelhütte, ab der Ziegelhütte in Richtung Süden durch den Waldrand einschließlich des Feldweges 1158/1, durch die westlichen Grundstücksgrenzen der Flurstücke Nr. 918/15 bis 917; ausgenommen ist die Ziegelhütte;

 

im Süden durch den Gemeindeverbindungsweg Nr. 916/1 und den FW Nr. 918 bis zum Fußballplatz, dessen Westseite, nördlich davon vom Ziegelbach, von dessen Unterquerung der Bahnlinie geradlinig zur B 19.

 

(3)     Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte im Maßstab  1 : 5.000, gefertigt vom Landratsamt Heidenheim am 13.03.2003, mit einer durchgezogenen grünen Linie eingetragen. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Landratsamt Heidenheim - Fachbereich Bau und Umweltschutz - auf die Dauer von 3 Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündigung dieser Verordnung, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

          Die Verordnung mit Karten wird nach Ablauf der Auslegungsfrist beim Staatsarchiv Ludwigsburg, Schloß, 71640 Ludwigsburg, verwahrt und beim Landratsamt Heidenheim - Fachberich Bau und Umweltschutz - niedergelegt und kann dort von jedermann während der Sprechzeiten eingesehen werden.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist der Erhalt des im Schutzgebiet enthaltenen Grünlandes, im besonderen der vorhandenen Feuchtwiesen. Diese Feuchtflächen stellen einen wichtigen Trittstein für Wanderbewegungen der Vogelwelt dar. Sie bieten darüber hinaus Strichvögeln, wie z. B. dem Graureiher oder der Bekassine die Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme. Die Wiesen und  Weideflächen sind Lebensraum seltener Vogelarten, wie z. B. der Schafstelze, die in diesem Gebiet brütet und wichtiger Rastplatz für Wiesen- und Bergpieper, Steinschmätzer, Ringel- und Hohltauben und Jagdrevier von Kornweihen. An bedrohten Brutvogelarten finden sich außerdem Rotmilan, Neuntöter, Dorn- und Klappergrasmücke, sowie bedrohte Fledermausarten wie das Große Mausohr und die Zwergfledermaus.

Die weiten Grünflächen der Talaue gehören angesichts ständig steigender Siedlungs- und Gewerbegebieten auch in Tallagen zu den großen Besonder-heiten des Landkreises Heidenheim. Diese, zwischen dem interkommunalen Gewerbegebiet und der Gemeinde Königsbronn noch verbliebene offene Talaue unterbricht das nahezu durchgehende Siedlungsband, das sich von Aalen bis Gíengen/Brenz erstreckt und stellt eine ökologisch wichtige regionale Grünbrücke zwischen Albuch und Härtsfeld dar.

Der Talzug versinnbildlicht die Geschichte der Landschaftsentstehung, nachdem dieses Tal von der weiter im Norden entspringenden Urbrenz geschaffen wurde.

 

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter

des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn

dadurch

1.       der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.       die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3.       das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

4.       der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird;

5.       Insbesondere verboten ist der Umbruch von Grünland in Ackerland. Die Rückverwandlung von Ackerland in Grünland ist jedoch zulässig. Auffüllungen, auch soweit sie nach der Landesbauordnung genehmigungsfrei sind und die Neuanlage von Drainagen, sind nicht zulässig.

 

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

(1)     Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde.

 

(2)     Der Erlaubnis bedürfen insbesondere,

 

1.       die Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung (in der jeweils geltenden Fassung) oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

 

2.       die Errichtung von Einfriedigungen;

 

3.       das Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

 

4.       Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

 

5.       das Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

 

6.       die Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

 

7.       die Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel;

 

8.       die Anlage oder Veränderung von Flugplätzen für den Modellflug;

 

9.       der Betrieb von Motorsport sowie motorgetriebenen Schlitten mit Ausnahme motorgetriebene Schlitten für die Unterhaltung und Reparatur von Ver- oder Entsorgungseinrichtungen oder -leitungen und zu Anlage von Skilanglauf - Loipen.

 

10.     das Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

 

11.     die Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern sowie die Trockenlegung von Grünland oder Ackerflächen;

 

12.     das Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

 

13.     die Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

 

14.     die Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder wertvolle Biotope für Flora und Fauna darstellen, wie Hecken, landschaftsprägende Einzelbäume und Baumgruppen, Gehölzgruppen, Laubwaldtraufe, bachbegleitende Gehölz- und Krautvegetation, Verlandungsbereiche;

 

15.     das Umbrechen von Grünland;

 

16.     die Neuanlage von Drainagen;

 

17.     das Starten und Landen von Ultraleichtflugzeugen; Drachen- und Gleitschirmfliegern.

 

(3)     Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die Wirkung der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.

 

(4)     Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 

(5)     Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

(6)     Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 2 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

 

(7)     Die landwirtschaftlichen Anwesen Seegartenhof und Ziegelhütte genießen Bestandsschutz. Betriebsbezogene Erweiterungen sind im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zulässig.

 

§ 6  Zulässige Handlungen

(1)     Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes

 

1.       ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichend Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, dass

          a)    die Bodengestalt nicht verändert wird,

          b)    Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird,

          c)     wesentliche Landschaftsteile, wie landschaftsprägende Bäume,                      Hecken, Gebüsche, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden, die

                   sachgerechte Gehölzpflege bleibt davon unberührt;

 

        Unterhaltungsarbeiten am Ziegelbach sind rechtzeitig mit der Unteren   Naturschutzbehörde abzusprechen;

 

2.       ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

 

3.       ordnungsgemäße Ausübung der Jagd.

 

4.       Pflegemaßnahmen, die von der Naturschutzbehörde angeordnet werden
(vgl. § 7)

5.       ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Bahnlinie, Leitungstrassen, Wege und Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Ziffer 1 und 3

 

(2)     Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßig bestehender Einrichtungen.

 

(3)     Die durch das Schutzgebiet verlaufende Bahnlinie Aalen - Ulm genießt Bestandsschutz, die Erhaltung und Pflege einer gehölzfreien Zone im Abstand von 5 m beiderseits der Gleisachse wird gewährleistet.

 

 

 

§ 7  Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen können durch die Untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt werden, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

 

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die

Untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

 

1.       im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

 

2.       im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

 

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung in Kraft.

 

Heidenheim, den 27.06.2003

Landratsamt Heidenheim    

Dr. Würz

Landrat

Verkündigungshinweis:

Nach § 60 a NatschG ist eine Verletzung der in § 5 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Erlaß der Verordnung schriftlich beim Landratsamt Heidenheim geltend gemacht wird; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.