1.36.059 Kugeltal, Ebnater Tal, Teile des Heiligentals und angrenzende Gebiete

Verordnung des Landratsamts Ostalbkreis als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Kugeltal, Ebnater Tal, Teile des Heiligentals und angrenzende Gebiete" vom 26. Mai 1997 (Amtsblatt des Ostalbkreises vom 13.06.1997).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Aalen, Bopfingen, Lauchheim und Neresheim (Ostalbkreis) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Kugeltal, Ebnater Tal, Teile des Heiligentals und angrenzende Gebiete".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 554 ha.

Davon entfallen auf die Stadt Aalen ca. 261 ha, auf die Stadt Bopfingen ca. 3,5 ha, auf die Stadt Lauchheim ca. 156 ha und auf die Stadt Neresheim ca. 133,5 ha.

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet "Kugeltal, Ebnater Tal, Teile des Heiligentals und angrenzende Gebiete" schließt südlich an das unmittelbar nördlich der Ortschaft Hülen bereits bestehende Landschaftsschutzgebiet um die Kapfenburg an und umfaßt auf dem Härtsfeld, dem östlichen Teil der Schwäbischen Alb, einen für Karstlandschaften typischen Trockentalzug. Ins Schutzgebiet einbezogen wurde streckenweise nur der Talboden (Kugeltal, Ebnater Tal, Heiligental), an anderen Stellen auch die durch seitliche Zuflüsse entstandenen Talweitungen des ehemals der Donau tributären Gewässersystems (bei Hülen und Beuren) sowie sich markant vom sanft gewellten Relief der Albhochfläche abhebende kurze Seitentalabschnitte mit ihren Talflanken bzw. sonstige schutzwürdige Bereiche (NSG Dellenhäule und zahlreiche Naturdenkmale). Bei einer Gesamtlänge von rd. 11 km trifft das Schutzgebiet südwestlich Elchingen auf das den weiteren Talverlauf sichernde, in den Landkreis Heldenheim hinüberreichende Landschaftsschutzgebiet "Krätzental".

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Das Schutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 05.06.1996 im einzelnen die Gewanne bzw. Teile der Gewanne:

Auf dem Gebiet der Stadt Lauchheim:

·               Gemarkung Hülen:
Am Kirchenweg, Schielfweg, Geiselfeld, Buck, Lettenäcker, Gassenäcker, Krumme Äcker, Birkenheckenacker, Birkenhecke, Am Postweg, Sauschwanz, Weinberg, Stockhau, Brand, Eichäcker, Unteres Feld, Kugeltal, Brandhau, Badershäule, Nesselgrube, Heugrund, Reutershau.

·               Gemarkung Lauchheim:
Geisel, Kugelbuck

Auf dem Gebiet der Stadt Aalen:

·               Gemarkung Waldhausen:
Finsterhau, Kugeltal, Rübenäcker, Sandbuck, Heuwegteich, Schwalbenegert, Wanne, Schafschinde, Heuweggemeinde, Bunzenäcker, Steinmahd, Breite, Tellenbuck, Wiesenacker, Heuweg, Gemeinde, Heuwegplätzle, Teich, Häldelen, Spitalhau, Am breiten Rain, Kirschbaumacker, Oberes Feld, Halde, Brunnenwiese, Oberer Krautgarten, Gänsberg, Bei der Unteren Erzgrube, Bergacker, Eichäcker, Eichegert, Weinäcker, Buweg, Obere Gemeinde, Drechseläcker, Rommel, Wiesenaù, Barrein, Oberes Tal, Hohwiel, Das Ellwangsche Häule, Ghai, Tal, Märtlesberg, Bück, Bürgle, Gangwolfsäcker, Lehrfeld, Tellenhäule, Unteres Tal, Hühnerbühl.

·               Gemarkung Ebnat:
Heiligental.

Auf dem Gebiet der Stadt Neresheim:

·               Gemarkung Elchingen:
Herdbühl, Karrenhau, Finkenbuck, Salach, Bisserhart, Bisserharter Feld, Kohlweg, Rachenbuck, Brennhaide, Ebnater Tal, Brünsthoiz, Heiligentai, Loh.

·               Gemarkung Dorfmerkingen:
Barrein.

Auf dem Gebiet der Stadt Bopfingen:

·               Gemarkung Unterriffingen:
Hundsbühl.

Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Landratsamts Ostalbkreis vom 05. Juni 1996 im Maßstab 1 : 25 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert und in drei Flurkarten (Nummer 1 bis 3) des Landratsamts Ostalbkreis vom 05. Juni 1996 im Maßstab 1 : 5 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Ebenso ist die Anlage 1 zu § 7 ‑ Übersichtskarte des Landratsamts Ostalbkrei7s vom 27.01.1997 im Maßstab 1: 25 000 mit rot umrandeten Bereichen ‑ Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten und die Anlage 1 wird beim Landratsamt Ostalbkreis, Stuttgarter Straße 41 in 73430 Aalen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist der Erhalt und die Sicherung von Schönheit und natürlicher Eigenart des noch von Beeinträchtigungen weitestgehend freien Trockentalzugs als ökologischer Ausgleichsraum einerseits und als naturnaher Erholungsraum für die Allgemeinheit andererseits sowie als hervorragend ausgeprägte, landschaftstypische geomorphologische Erscheinung von Karstlandschaften. Weiterer Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung naturnaher und ökologisch vielfältig aufgebauter Waldränder als ökologisch und ästhetisch wertvolle Bereiche einer Kultur‑ und Erholungslandschaft.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

1.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

2.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Welse beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1 ) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober‑ oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Erholungseinrichtungen oder von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, sowie das Grasskifahren;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten, ausgenommen Loipenspurgeräte;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen in Feuchtgebieten, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        Anlegen von Feuerstellen;

16.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

17.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, die über eine bestandsschonende Pflege hinausgeht. Wesentliche Landschaftsbestandteile sind Bäume außerhalb von Waldflächen, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Schilf‑ und Rohrbestände, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

18.        Starten und Landen von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 (6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 2 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1 ) Die §§ 4 und 5 gelten nicht

1.            a) für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke; ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 17;
b) für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung mit der Maßgabe, daß im Rahmen der Waldrandgestaltung Naturnähe und ökologische Vielfalt angestrebt wird.

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, Gewässer und Fernmeldeanlagen, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 17;

4.             für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der Unteren Naturschutzbehörde angeordnet werden.

 (2) Zur ordnungsmäßigen land‑ und forstwirtschaftlichen Nutzung im Sinne von Abs. 1 Nr. 1 gehören insbesondere:

·               die Errichtung von Weidezäunen sowie von forstlichen Kulturzäunen;

·               Beregnungsanlagen;

·               die vorübergehende Lagerung land‑ und forstwirtschaftlicher Produkte und Hilfsmittel (Anlegen von unbefestigten Silos, wie z. B. Rüben‑ und Maismieten, sowie die Lagerung von Mist und Stroh) ;

·               einfache Drainageleitungen außerhalb von Feuchtgebieten;

·               genehmigungsfreie Kahlhiebe nach §15 Landeswaldgesetz;

·               die Anlage von einfachen land‑ und forstwirtschaftlichen Erschließungswegen. Soweit mit diesen wesentliche Eingriffe verbunden sind, erfolgt ihre Anlage im Benehmen mit der Naturschutzbehörde.

§ 7 Maßnahmen der Flurbereinigung

In den Gemarkungen Hülen und Waldhausen (Flur Beuren) sind Maßnahmen zur Flurneuordnung vorgesehen. Es gelten die gesetzlichen Bestimmungen. In den in der Übersichtskarte des Landratsamts Ostalbkreis vom 27.01.1997 im Maßstab 1: 25 000 (Anlage 1) rot umrandeten Bereichen haben Belange der Landwirtschaft besonderes Gewicht. Dies ist bei der Bildung von großflächigen Grundstücken mit entsprechender Wegeführung zu berücksichtigen. Ökologische Belange sind zu beachten.

§ 8 Befreiung

Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne die vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 100 000,‑‑ DM geahndet werden.

§ 10 Inkrafttreten

 (1 ) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung wird die Landschaftsschutzverordnung "Dellenhäule" des Landratsamts Aalen vom 05. Dezember 1968, veröffentlicht im Gemeinsamen Amtsblatt für den Landkreis Aalen, die Städte Aalen und Ellwangen vom 20. Dezember 1968, gelöscht.

Aalen, den 26. Mai 1997

Götz,

Erster Landesbeamter