1.36.060 Liastrauf zwischen Oberzell und der Landesgrenze

Verordnung des Landratsamts Ostalbkreis über das Landschaftsschutzgebiet "Liastrauf zwischen Oberzell und der Landesgrenze" auf dem Gebiet der Gemeinden Stödtlen und Tannhausen (Ostalbkreis) vom 25.05.1998 (Amtsbl. Ostalbkreis vom 29.05.1998).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) in der Fassung vom 29.03.1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf den Gemeindegebieten Stödtlen und Tannhausen (Ostalbkreis) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Liastrauf zwischen Oberzell und der Landesgrenze".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 323 ha. Davon entfallen ca. 222,5 ha auf die Gemeinde Stodtlen und ca. 100,5 ha auf die Gemeinde Tannhausen.

(2) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt im einzelnen die Gewanne bzw. Teile der Gewanne:

Auf dem Gebiet der Gemeinde Stödtlen, Gemarkung Stödtlen

·               Berg, Brühl, Bachegert, Reute, Bahngärten, Aucht, Berg, Ölberg, Kirchenweg, Wildenberg, Steinäcker, Heide, Sandgrubenhölzle, Weiherlesberg, Rutsche, Gaugenfeld, Zirpfel,  Pfahl, Holzberg, Vaasberg, Heiligenberg, Kröllenberg, Auchtberg, Berg, Brühl, Dabert, Kapellenfeld, Malesberg, Ecker Steige, Lettenfeld, Berg, Halde, Hattelberg, Braunbach

Auf dem Gebiet der Gemeinde Tannhausen, Gemarkung Tannhausen

·               Heidle, Klingen, Hinterer Gartenacker, Vorderer Steinacker, Auchtberg, Malesberg, Bronner Berg, Hattelberg, Klingenbuck, Drei Feldköpfe, Schanz, Moos, Birkfeld, Stiegelfeld, Brombach

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Landratsamts Ostalbkreis vom 21.02.1996 im Maßstab 1: 25 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert und in zwei Flurkarten (Teil I und 11) des Landratsamts Ostalbkreis vom 21.02.1996 jeweils im Maßstab 1: 5 000 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Übersichtskarte des Landratsamts Ostalbkreis vom 21.02.1996 und die zwei Flurkarten (Teil I und 11) des Landratsamts -Ostalbkreis vom 21.02.1996 sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit den vorgenannten Karten wird beim Landratsamt Ostalbkreis - Untere Naturschutzbehörde -, Stuttgarter Straße 41 in Aalen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

1.            Die Erhaltung und Sicherung der für die südwestdeutsche Schichtstufenlandschaft typischen Liaskante (Liastrauf) mit seinem Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten.

1.            Die Erhaltung und Sicherung der Wacholderheide bei der Wildenbergkapelle, der Streuobstwiesen sowie der ökologisch hochwertigen Feucht- und Trockenbiotope.

2.            Die Sicherung des reizvollen und vielfältigen Landschaftsbildes, das durch den Wechsel von Wald und Wiese geprägt ist; insbesondere soll die Landschaft außerhalb geschlossener Waldstücke von Aufforstungen freigehalten werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen.;

1.            Errichtung von Einfriedigungen;

2.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

3.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

4.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

5.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

6.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, sowie das Grasskifahren;

7.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen und der Betrieb von motorbetriebenen Modellflugzeugen und Modellbooten;

8.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten, ausgenommen Loipenspurgeräte;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

12.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 1 ha;

13.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

14.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, die über eine bestandsschonende Pflege hinausgeht. Wesentliche Landschaftsbestandteile sind Bäume außerhalb von Waldflächen, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Rohrbestände, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

15.        Beseitigung oder wesentliche Änderung von Streuobstwiesen.

16.        Anlegen von Feuerstellen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 2 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6  Zulässige Handlungen

 (1) Die §§ 4 und 5 gelten nicht

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15 und 16;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, Gewässer, Energieversorgungsanlagen und Fernmeldeanlagen, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15 und 16;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde angeordnet werden.

7.            für die Beseitigung von einzelnen abgängigen Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf demselben Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird.

(2) Zur ordnungsmäßigen Nutzung im Sinne von Abs. 1 Nr. 1 gehören insbesondere:

·               Die Errichtung von Weidezäunen sowie von forstlichen Kulturzäunen;

·               Einfriedigung bei Obstkulturen;

·               das Anbringen von Vogelschutznetzen im Obstbau;

·               Beregnungsanlagen;

·               einfache Drainageleitungen außerhalb von Feuchtgebieten

·               die vorübergehende Lagerung land- und forstwirtschaftlicher Produkte und Hilfsmittel (Anlegen von unbefestigten Silos, wie z. B. Rüben- und Maismieten, sowie die Lagerung von Mist und Stroh) ;

·               genehmigungsfreie Kahlhiebe nach §15 Landeswaldgesetz;

·               die Anlage von land- und forstwirtschaftlichen Erschließungswegen. Soweit mit diesen wesentliche Eingriffe verbunden sind, erfolgt ihre Anlage im Benehmen mit der Naturschutzbehörde.

§ 7 Befreiung

Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann das Landratsamt als untere Naturschutzbehörde, in dessen Bereich das von der Handlung betroffene Grundstück liegt, von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne die vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 100 000,-- DM geahndet werden.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Landschaftsschutzverordnung für den Landkreis Aalen des Landratsamts Aalen vom 05.12.1968 für den Bereich des Landschaftsschutzgebietes "Schafweide Wildenberg", veröffentlicht im Gemeinsamen Amtsblatt für den Landkreis Aalen, die Städte Aalen und Ellwangen vom 20.12.1968, außer Kraft.

Aalen, den 25.05.1998

Götz

Erster Landesbeamter