2.15.055 Hardtwald bei Ettlingen und Rheinstetten

Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Hardtwald bei Ettlingen und Rheinstetten" vom 6. Juni 1991.

Aufgrund von § 22 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG -) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz vom 19. März 1985, (GBl. S. 71), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Karlsruhe verordnet:

§ 1 Erklärung zum Landschaftsschutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinden Ettlingen und Rheinstetten mit Gemarkungen Forchheim und Mörsch wird zum Landschaftsschutzgebiet mit der Bezeichnung "Hardtwald bei Ettlingen und Rheinstetten" erklärt.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 1 276,18 ha. Es umfaßt auf dem Gebiet der Gemeinden Ettlingen und Rheinstetten die folgenden Gewanne oder Walddistrikte ganz oder teilweise. Diese werden dabei gemäß der Nummernreihenfolge der Detailkarten im Maßstab 1 : 5 000 Karte für Karte aufgeführt.

1.Gemarkung Ettlingen

·               Karte 2
Gemeindewald Distrikt IV Hardtwald

·               Karte 3
Gemeindewald Distrikt VI Hardtwald

·               Karte 5
Gemeindewald Distrikt IV Hardtwald

·               Karte 6
Rüppurrer Wiesen, Gemeindewald Distrikt IV Hardtwald, Seebruch

·               Karte 8
Hagbruch, Schmaler Haag

·               Karte 9
Hagbruch

2.Gemarkung Forchheim

·               Karte 1
Gemeindewald Distrikt II Forchheimer Hardt

·               Karte 2
Seewiesen und Gemeindewald Distrikt II Forchheimer Hardt

·               Karte 4
Gemeindewald Distrikt II Forchheimer Hardt

·               Karte 5
Bruchwiesen, Seewiesen, Gemeindewald Distrikt III Forchheimer Hardt

3.Gemarkung Mörsch

·               Karte 4
Gemeindewald Distrikt II Forchheimer Hardt, Gemeindewald Distrikt I Mörscher Hardt

·               Karte 5
Gemeindewald Distrikt I Mörscher Hardt

·               Karte 7
Gemeindewald Distrikt I Mörscher Hardt

·               Karte 8
Gemeindewald Distrikt I Mörscher Hardt

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 sowie in 9 Detailkarten im Maßstab 1 : 5 000 grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Karlsruhe sowie bei den Bürgermeisterämtern Ettlingen und Rheinstetten zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

1.            die Erhaltung des ausgedehnten Waldgebietes wegen seiner teils naturnahen Bestände des Buchen-Eichenwaldes und des Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchenwaldes, seiner Bedeutung als Lebensraum für teils bedrohte Tierarten, seinem hohen Wert als Erholungsgebiet für die Bevölkerung der angrenzenden Städte und Gemeinden, seiner besonderen Eignung als Wassergewinnungsgebiet und seiner positiven Wirkung auf das Klima des Verdichtungsraumes;

2.            der Schutz des Landschaftsbildes der ehemaligen Flußniederung am Malscher Landgraben;

3.            die Erhaltung der Wiesen mit dem Ziel, die Umwandlung von Acker- in Grünland zu fördern.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.             eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig verändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.             Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.             Errichtung von Einfriedungen, auch lebenden Zäunen;

3.             Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.             Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.             Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.             Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.             Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.             Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, einschließlich Modellflugplätzen;

9.             Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Neuaufforstungen, Anlegen von Baumschulen, Kleingärten, Schmuckreisig- und Christbaum­kulturen oder das wesentliche Ändern der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        Umwandlung von Dauergrünland in Ackerflächen;

16.        Beseitigen oder Ändern von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Feldgehölze, Hecken, Ufergehölze, Uferstaudenfluren, Röhrichte oder Seggenriede;

17.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen, unter Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke mit der Maßgabe, daß § 5 Abs. 2 Nrn. 14-16 beachtet werden;

2.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung forstwirtschaftlicher Grundstücke mit der Maßgabe, daß § 5 Abs. 2 Nr. 17 beachtet wird;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden von der unteren Naturschutzbehörde im Einzelfall festgelegt.

§ 8 Befreiung

 (1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 (2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde:

1.            Abbau von Bodenbestandteilen;

2.            Verlegung oder wesentliche Änderung oberirdischer Leitungen;

3.            Anlage und wesentliche Änderung von Verkehrsanlagen.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Karlsruhe zum Schutz von Landschaftsteilen im Landkreis Karlsruhe (Abschnitt I) vom 15.10.1962 sowie die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Stadtkreis Karlsruhe vom 08.01.1962 der Stadt Karlsruhe außer Kraft, soweit diese vom neuen Landschaftsschutzgebiet "Hardtwald bei Ettlingen und Rheinstetten" betroffen sind.

Karlsruhe, den 6. Juni 1991

Landratsamt Karlsruhe

- Umweltamt -

Dr. Ditteney, Landrat

Änderung:

Durch VO vom 17.08.1995 (NSG 2.197 " Sandgrube im Dreispitz-Mörsch") Fläche um 5 ha verkleinert.