2.25.001 Reisenbachtal

Verordnung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Reisenbachtal" vom 12. April 1988 (Rhein-NeckarZeitung und Fränkische Nachrichten vom 07./08.06.1988).

Auf Grund von §§ 22, 58 Abs. 3 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Karlsruhe verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Mudau, Gemarkungen Reisenbach und Scheidental, auf dem Gebiet der Gemeinde Waldbrunn, Gemarkung Mülben und auf dem Gebiet der Gemeinde Limbach, Gemarkungen Wagenschwend und Balsbach, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Reisenbachtal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 350 ha.

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

im Norden von der K 3921, vom Siedlungsrand Reisenbachs, von dem das Gewann Mühlfeld begrenzenden Feldweg, von dem den Reisenbach begleitenden Waldweg im Fürst v. Leiningenschen Wald Distrikt Mühlberg, vom Neubauernweg, von der L 524 und vom Neckarweg, im Westen von der Landkreisgrenze zum Rhein-Neckar-Kreis und vom Reisenbach selbst, im Süden vom Ortsweg, von der Gemarkungsgrenze zu Wagenschwend, vom Hessenweg und von der Linden-Ahornallee an der Pfeiffersheumatte und im Osten von der L 524 und vom Balsbacher Weg.

Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 30. September 1985 folgende Gemarkungsteile der Gemeinden Mudau, Waldbrunn und Limbach:

Gemeinde Mudau

·               Gemarkung Reisenbach:
die Gewanne Schleegrund, Untergrund, Mittelgrund, Im Erbelsgrund, In der Klinge, die Siedlung Reisenbacher Grund sowie Teile der Gewanne Dorfwiesen, Mühlfeld, Fürst v. Leiningenscher Wald Distrikt Hirschel und des Gemeindewaldes Distrikt XXX Mühlberg;

·               Gemarkung Scheidental:
die Gewanne Lausheumatte, Lenzenheumatte, Stockbrunnen, Außer dem Neckarweg am Stockbrunnen, Im Grund und Teile der Gewanne Adelsheumatte, Wald des Unterländer Evang. Kirchenfonds Distrikt VI Holzrain und des Fürst v. Leiningenschen Waldes Distrikt Mühlberg;

Gemeinde Waldbrunn

·               Gemarkung Mülben:
das Gewann Reisenbacher Grund und Teile des Markgräfl. Bad. Wald Distrikt IV Max-Wilhelm-Höhe;

Gemeinde Limbach

·               Gemarkung Balsbach:
Teile des Gewannes Evang. Kirchenwald Distrikt XIV Birkenwald;

·               Gemarkung Wagenschwend:
die Gewanne Im Grund, Heiligenwiesen, Pfeiffersheumatte und Teile der Gewanne Evang. Kirchenwald Distrikt XIV Birkenwald und Am Scheidentalerweg.

 (3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1 : 25 000 und auf 5 Blättern der Deutschen Grundkarte im Maßstab 1 : 5 000 grün eingetragen.

Sie verlaufen entlang den in der Deutschen Grundkarte verzeichneten Landes-, Kreis-, Gemarkungs- und Grundstücksgrenzen sowie entlang von außerhalb des Schutzgebietes liegenden Wegen und Straßen; soweit die Grenzen über Grundstücke verlaufen, bilden sie eine gerade Linie zwischen Grenzsteinen.

Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

1.Die Erhaltung und Sicherung des Reisenbachtales in seiner Schönheit und Eigenart und in seiner Gesamtheit als typischer Landschaftsraum des Buntsandstein-Odenwaldes.
Prägende Gestaltelemente dieser bandartigen Tallandschaft sind der tief eingeschnittene Reisenbach mit weitgehend unverbautem, mäandrierendem Bachlauf, die enge Talmulde zwischen Bach und ansteigendem Hang, die steilen, vielgestaltigen und völlig bewaldeten Talflanken und die weiten Feuchtwiesenflächen im Ursprungsgebiet des Reisenbaches;

2.die Bewahrung der die Vielfalt und Eigenart dieser Landschaft prägenden engen Wechselbeziehung zwischen Geländestruktur und Bodennutzung, insbesondere

·               der schmalen Auefläche des Reisenbaches mit einem weitgehend ungestörten, mehrstufigem Gehölz-, Strauch- und Staudensaum, geprägt durch periodisch wechselnde Überschwemmungsbereiche und daraus resultierender unterschiedlicher Vegetationsentwicklung,

·               der durch Geländeabsätze, Verebnungen und Neigungswechseln vielgestaltigen Hangwiesen mit charakteristischem Honiggrasaspekt,

·               der abwechslungsreichen Feld- und Waldgrenze, besonders im Bereich des Gewannes Lausheumatte, die in hohem Maße den ökologischen Wert bestimmt,

·               der geschlossenen Waldbestände der zu den Hochflächen aufsteigenden Talflanken;

3.den Landschaftscharakter des Schutzgebietes so zu erhalten und zu entwickeln, daß die natürliche Erholungseignung aufgrund der harmonischen Vielfalt nicht wesentlich geändert wird,

·               die Lebensstätten und Lebensgemeinschaften der heimischen Tier- und Pflanzenwelt nicht wesentlich beeinträchtigt werden,

·               bauliche Maßnahmen im Rahmen der Eigenentwicklung der Siedlung die Landschaft nicht verunstalten,

·               die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushaltes gesichert werden kann,

·               die positiven Auswirkungen des Kaltluftabflusses nicht beeinträchtigt werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.             Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.             Errichtung von Einfriedigungen;

3.             Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.             Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.             Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.             Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.             Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.             Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.             Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.        Herstellung, Beseitigung oder Umgestaltung fließender oder stehender Gewässer, auch wenn sie keiner wasserrechtlichen Entscheidung bedürfen;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anpflanzungen von Gehölzen jeglicher Art, einschließlich Anpflanzungen von Christbaumkulturen und Ballenware;

16.        Anlage von Kleingärten;

17.        Umbrechen von Grünland in Acker in den Bachauen;

18.        Beseitigung oder Änderung wesentlicher Landschaftsbestandteile, insbesondere von Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen sowie ähnlichen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt Erhaltung verdienen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Vorbehalte nach § 5 Abs. 2 Nrn. 14, 15, 17 und 18;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung von Gewässern im Rahmen einer naturnahen Behandlung, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung und Instandsetzung der im Schutzgebiet rechtmäßig bestehenden
a) Fernmeldeleitungen und Richtfunkanlagen der Deutschen Bundespost,
b) Energieversorgungsanlagen,
c) dem öffentlichen Schienenverkehr dienenden Einrichtungen,
d) Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen,
ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Die Schutz- und Pflegemaßnahmen werden je nach Erfordernis durch die untere Naturschutzbehörde festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig tritt die Verordnung des Bad. Ministeriums des Kultus und Unterrichts vom 10. November 1938 zum Schutze von Landschaftsteilen im Reisenbacher Grund außer Kraft.

Mosbach, den 12. April 1988

Neckar-Odenwald-Kreis

Landratsamt

- Untere Naturschutzbehörde -

In Vertretung:

Rooks, Erster Landesbeamter