2.25.012 Höllgrund mit Eisigklinge und Scheuerklinge

Verordnung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Höllgrund mit Eisigklinge und Scheuerklinge" vom 01.10.1987 (Amtsbl. Neckargerach/Waldbrunn vom 23.10.1987).

Auf Grund §§ 22, 58 Abs. 3 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des ba­den-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Karlsruhe verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Waldbrunn, Gemarkungen Waldkatzenbach, Strümpfelbrunn und Mülben, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Höllgrund mit Eisigklinge und Scheuerklinge".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 480 ha.

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

·               im Westen von der Landkreisgrenze zum Rhein-Neckar-Kreis, im Norden und Osten von dem Topfbrunnenweg, der Zähringer Straße und dem Mühlweg, im Süden vom Ebnetweg, dem Siedlungsrand Waldkatzenbach, dem Grenzweg, von dem die Gewanne Paradiesäcker und Dorfwiesen begrenzenden Feldweg, dem Siedlungsrand Strümpfelbrunn, dem Waldrand des Gemeindewaldes Distrikt I Eichwald, dem Markgräflich Bad. Wald Distrikt II Höllgrund und dem Siedlungsrand Mülben.

Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 30. September 1985 folgende Gemarkungsteile der Gemeinde Waldbrunn:

·               Gemarkung Waldkatzenbach
die Gewanne Neurott, Eisigklinge, Eiertswiese und die Siedlung Unterhöllgrund sowie Teile des Markgräflich Bad. Waldes Distrikt II Höllgrund und des Gemeindewaldes Distrikt I Eichwald;

·               Gemarkung Strümpfelbrunn
die Gewanne Eichwaldfeld, Paradiesäcker und die Siedlung Oberhöllgrund sowie Teile der Gewanne Dorfwiesen, Bräunlingsrot, des Margräflich Bad. Waldes Distrikt II Höllgrund und des Gemeindewaldes Distrikt I Eichwald;

·               Gemarkung Mülben
das Gewann Höllochwiesen sowie Teile der Gewanne Mühlfeld, Krappenwald und des Gemeindewaldes Distrikt II Hardenberg.

 (3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1 : 25000 und auf 5 Blättern der Deutschen Grundkarte im Maßstab 1 : 5000 grün eingetragen. Sie verlaufen entlang den in der Deutschen Grundkarte verzeichneten Landes-, Kreis-, Gemarkungs- und Grundstücksgrenzen sowie entlang von Wegen und Straßen, soweit die Grenzen über Grundstücke verlaufen, bilden sie eine gerade Linie zwischen Grenzsteinen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Bürgermeisteramt Waldbrunn zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

1.die Erhaltung und Sicherung des Höllgrundes, der Eisig- und der Scheuerklinge in ihrer Schönheit und in ihrer einzigartigen Vielgestaltigkeit als beispielhafter Landschaftsraum des Hinteren Odenwaldes. Prägende Gestaltelemente dieser Landschaft sind der Höllbach selbst, mit weitgehend naturbelassenem Bachlauf, der schmale Talwiesenbereich mit den steil ansteigenden Hangwiesen, die bewaldeten Talflanken mit den schluchtartigen Öffnungen der Eisig- und Scheuerklinge zur Hochfläche hin und die vielgestaltige Feldflur im Übergangsbereich vom Hang zur Hochfläche;

2.die Bewahrung der die Vielfalt und Eigenart dieser Landschaft prägenden engen Wechselbeziehungen zwischen Geländestruktur und der herkömmlichen Bodennutzung, insbesondere:

·               des engen Auebereichs mit gewässerbegleitendem Saum aus Hochstauden, Sträuchern und Bäumen, der Strömungsdynamik des Bachlaufes ausgesetzt mit unterschiedlichsten Vegetationsstadien;

·               der durch ein vielgestaltiges Relief gekennzeichneten Hangwiesen, mit Wasserrinnen durchzogen, mit abwechlungsreicher Vegetationsausbildung von trockener Glatthaferwiese bis zur Quellflur im Bereich von Quellaustritten im Hang;

·               der abwechslungsreichen Feld- und Waldgrenze und der engen Verzahnung mit der Feldflur;

·               der geschlossenen Waldbestände an den Talflanken mit naturnahen Vegetationsaspekten der Hainsimsenbuchenwälder;

3.den Landschaftscharakter des Schutzgebietes so zu erhalten und zu entwickeln, daß

·               die natürliche Erholungseignung aufgrund der harmonischen Vielfalt nicht wesentlich geändert wird,

·               die Lebensstätten und Lebensgemeinschaften der heimischen Tier- und Pflanzenwelt nicht wesentlich beeinträchtigt werden,

·               die baulichen Maßnahmen im Rahmen der Eigenentwicklung der Siedlung die Landschaft nicht verunstalten,

·               die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushaltes gesichert werden kann,

·               die positiven Auswirkungen des Kaltluftabflusses nicht beeinträchtigt werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.           der Naturhaushalt geschädigt,

2.           die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.           eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.           das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.           der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.      Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.      11Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.      Herstellung, Beseitigung oder Umgestaltung fließender oder stehender Gewässer, auch wenn sie keiner wasserrechtlichen Entscheidung bedürfen;

13.      Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.      Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.      Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anpflanzungen von Gehölzen jeglicher Art einschließlich Anpflanzungen von Christbaumkulturen und Ballenware;

16.      Anlage von Kleingärten;

17.      Umbrechen von Grünland in Acker in den Bachauen;

18.      Beseitigung oder Änderung wesentlicher Bestandteile, insbesondere von Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen sowie ähnlichen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt Erhaltung verdienen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat, oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.           für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Vorbehalte nach § 5 Abs. 2 Nr. 14, 15, 17 und 18;

2.           für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.           für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

4.           für die ordnungsmäßige Unterhaltung von Gewässern im Rahmen einer naturnahen Behandlung, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

5.           für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.           für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.           für die ordnungsmäßige Unterhaltung und Instandsetzung der im Schutzgebiet rechtmäßig bestehenden
a) Fernmeldeleitungen und Richtfunkanlagen der Deutschen Bundespost,
b) Energieversorgungsanlagen,
c) dem öffentlichen Schienenverkehr dienenden Einrichtungen,

ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Die Schutz- und Pflegemaßnahmen werden je nach Erfordernis durch die untere Naturschutzbehörde festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.           entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.           entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden vom 15. September 1956 zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Höllgrundes außer Kraft.

Mosbach, den 01. Oktober 1987

Neckar-Odenwald-Kreis

Landratsamt

- Untere Naturschutzbehörde -

i.V. Rooks, Erster Landesbeamter