2.25.022 Mudbachtal

Verordnung des Landratsamtes Neckar-Odenwald-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Mudbachtal" vom 12. April 1988 (Amtsbl. Mudau vom 20.05.1988).

Auf Grund §§ 22, 58 Abs. 3 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz -NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Karlsruhe verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Mudau, Gemarkungen Mudau, Steinbach und Donebach, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Mudbachtal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 620 ha.

 (2) Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

·               im Norden von der bayerischen Landesgrenze, im Osten von der Römerstraße, vom Buchweg und vom Arthur-Grimm-Weg, im Süden und Südwesten von der Dr.-Humpert-Straße, der Talstraße, dem Sportplatz und dem Siedlungsrand von Untermudau, im Westen von dem die Gewanne Höhfeld und Wäldlein begrenzenden Feldweg, der K 3918, vom Siedlungsrand Donebachs, von der Ünglertstraße, vom die Gewanne Eichholz und Birkäcker begrenzenden Feldweg, von den Waldgrenzsteinen 50 1/2 bis 44 und von dem die Fürst v. Leiningenschen Waldbezirke Hinterer Hüttenschlag und Ünglertsberg trennenden Waldweg.

Das Schutzgebiet umfaßt nach dem Stand vom 30. September 1985 folgende Gemarkungsteile der Gemeinde Mudau:

·               Gemarkung Steinbach:
Gewann Hardt, Teile der Gewanne Oberes Ünglertstal, Unteres Ünglertstal, Dicke Hecken und der Siedlung Ünglert;

·               Gemarkung Donebach:
Die Gewanne Ünglertsgrund, Birkäcker, Zange, Eichholz, Brügel, Hinseitenfeld, Röswiesen, Neuwiesen sowie Teile des Fürst v. Leiningenschen Waldes Distrikt Ünglertsberg, der Gewanne Oberes Ünglertstal, Unteres Ünglertstal und Teile der Siedlung Ünglert;

·               Gemarkung Mudau:
die Gewanne Hinteres Höhfeld, Himmelreich, Höhschlag, Römershecke, Unter der Chausee, Wäldlein und Unter dem Brunnen sowie Teilbereiche der Gewanne Höhfeld, Hardt, Buch, Unter Mudau, Heuröpfer, Unterer Sotteich und Teile der Siedlung Ünglert.

(3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Karte im Maßstab 1 : 25 000 und auf 5 Blättern der Deutschen Grundkarte im Maßstab 1 : 5 000 grün eingetragen. Sie verlaufen entlang den in der Deutschen Grundkarte verzeichneten Landes-, Kreis-, Gemarkungs- und Grundstücksgrenzen sowie entlang von außerhalb des Schutzgebietes liegenden Wegen und Straßen; soweit die Grenzen über Grundstücke verlaufen, bilden sie eine gerade Linie zwischen den Grenzsteinen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis in Mosbach und beim Bürgermeisteramt in Mudau zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

1.die Erhaltung und Sicherung des Mudbachtals in seiner Gesamtheit und in seiner charakteristischen Ausprägung als repräsentativer Landschaftsraum des Buntsandstein-Odenwaldes

Prägende Merkmale dieses Landschaftsraumes sind der Mudbach mit seinem noch weitgehend naturnahen Bachlauf und der Zufluß des Donebächleins, das von Westen kommend das enge Mudbachtal weitet und zur Hochfläche hin öffnet, die Talflanken der Gewässer, sowie der Sotteichgraben als orts- und landschaftsbildprägende, ökologisch hochwertige Grünzone;

2.die in enger Wechselbeziehung zu der landschaftlichen Grundstruktur stehende und an den naturgegebenen Voraussetzungen orientierte Bodennutzung, die die Vielfalt der Erscheinungsformen der Kulturlandschaft im typischen Wechsel von Wald, Wiese, Feldfluren und Auen prägt und gliedert, zu bewahren.

Markante, die landschaftliche Eigenart prägende Gestaltelemente dieses Teils der Kulturlandschaft sind:

·               die enge Mudbachaue in Wiesennutzung mit schmalem gewässerbegleitendem Saum aus Hochstauden, Sträuchern und Bäumen, gekennzeichnet durch einen hohen Geophytenreichtum,

·               die steilen, mit Mischwäldern bestockten und mit großen Sandsteinblöcken teilweise blockmeerartig übersäten Talflanken des Mudbachtales mit schluchtwaldartigen Vegetationskomplexen,

·               der sich nach Westen zur Hochfläche öffnende Zufluß des Donebachtals mit seiner geomorphologisch vielgestaltigen Ausprägung und den daraus entstandenen Vegetationsabfolgen von trockenen bis sehr feuchten Glatthaferwiesen, Hochstauden und kleinflächigen Feuchtflächen,

·               der durch großflächige Seggen- und Binsenbestände gekennzeichnete Talraum des Donebächleins,

·               die durch Feldhecken, Streuobstbau, Geländeabsätze und Steinriegel gegliederten Talhänge,

·               die abwechslungsreiche Feld- und Waldgrenze, besonders ausgeprägt im Übergangsbereich von den Talflanken zur Hochfläche,

·               der Talbereich des Sotteichgrabens mit standörtlich sinnvoller und ökologisch wirksamer Grünlandnutzung.

3.Den Landschaftscharakter des Schutzgebietes so zu erhalten und zu entwickeln, daß

·               die hohe natürliche Erholungseignung, die landschaftliche Vielfalt, die typischen Höhenunterschiede, die herkömmliche Bodennutzung und die Feld-Waldverteilung nicht wesentlich verändert werden,

·               die Lebensstätten und Lebensgemeinschaften der heimischen Tier- und Pflanzenwelt insgesamt und besonders in den durch Feldhecken, Streuobstbau und Raine gegliederten Fluren nicht wesentlich beeinträchtigt werden,

·               die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes nachhaltig gesichert wird,

·               die positiven klimatischen Auswirkungen, im Hinblick auf die Kaltluftströme, nicht beeinträchtigt werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.             Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.             Errichtung von Einfriedigungen;

3.             Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.             Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.             Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.             Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.             Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.             Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.             Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.        Herstellung, Beseitigung oder Umgestaltung fließender oder stehender Gewässer, auch wenn sie keiner wasserrechtlichen Entscheidung bedürfen;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anpflanzungen von Gehölzen jeglicher Art einschließlich Anpflanzungen von Christbaumkulturen und Ballenware;

16.        Anlage von Kleingärten;

17.        Umbrechen von Grünland in Acker in den Bachauen;

18.        Beseitigung oder Änderung wesentlicher Bestandteile, insbesondere von Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen sowie ähnlichen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt Erhaltung verdienen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Vorbehalte nach § 5 Abs. 2 Nr. 14, 15, 17 und 18;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung von Gewässern im Rahmen einer naturnahen Behandlung, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18;

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung und Instandsetzung der im Schutzgebiet rechtmäßig bestehenden
a) Fernmeldeleitungen und Richtfunkanlagen der Deutschen Bundespost,
b) Energieversorgungsanlagen,
c) dem öffentlichen Schienenverkehr dienenden Einrichtungen,
d) Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen

ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 18.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Die Schutz- und Pflegemaßnahmen werden je nach Erfordernis durch die untere Naturschutzbehörde festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Buchen vom 25. November 1957 zum Schutze von Landschaftsteilen im Mudbachtal außer Kraft.

Mosbach, den 12. April 1988

Neckar-Odenwald-Kreis

Landratsamt

- Untere Naturschutzbehörde -

i.V. Rooks, Erster Landesbeamter