2.26.041 Odenwald

Verordnung des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Odenwald" vom 26. Nov. 1996 (Rhein-Neckar-Ztg. v. 30.11.1996).

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. -3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Eberbach und Schönau, der Gemeinde Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach und Heddesbach sowie die Exklave Centwald der Stadt Weinheim, Rhein-Neckar-Kreis werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Odenwald".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat ein Größe von rund 6011 ha.

 (2)Das Schutzgebiet umfaßt auf dem Gebiet der Stadt Eberbach die Gemarkung Brombach, der Stadt Weinheim die Exklave Centwald sowie die gesamten Gemarkungen der Stadt Schönau, der Gemeinde Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach und Heddesbach.

Von der Schutzverordnung sind folgende Flächen ausgenommen:

·               a)  In der Gemarkung Brombach, Ortsteil Brombach: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen sowie Teile der Gewanne Äußer Feld, Ober Äußer Feld, Viehweg, Thörnswiese Unterm Bußkopf, Wettern, Allmend,

·               b)  In der Gemarkung Schönau, Ortsteil Lindenbach: Der Ortsetter und die bebauten ortsnahen Lagen.

·               c)  In der Gemarkung Schönau, Stadt: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen sowie Teile der Gewanne beim Alten Altneudörfer Weg, Oberes Tal, Pflegwald Distrikt Buchwald, Schäfersbuckel, Trieb, Am Greiner Weg, Am Darsberger Weg, Jägerpfad, Hanfwiese, Vorderes Unteres Tal, Unteres Tal, Am Neckarsteinacher Weg, Pfaffenkeller, Fuchsloch, Oberes Schafbachtal, Schafbuck, Steigacker, Ringmauer, Allmendhohl, Ostheimer Grund.

·               d)  In der Gemarkung Schönau, Ortsteil Altneudorf: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen, sowie Teile der Gewanne Übelsacker, Hintere Äcker.

·               e)  In der Gemarkung Wilhelmsfeld, Gemeinde: Die Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen, die Siedlungssplitter an der Josö-Rizal-Straße, und bei der Neuen Mühle, das Mitteldorf, sowie Teile der Gewanne Schriesheimer Hof, Gemeindewald Distrikt Köhlerswald, Oberer Langerain, Unterm Hirtenhaus, Am Hühnerberg, Am Brunnentrog, Alt- und Welsch-Wiesenbrunnen.

·               f)  In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Gemeinde: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen sowie Teile der Gewanne Altwiese, Gassenacker, Leisbühl, Sorgsacker.

·               g)  In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Eiterbachtal: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen, der Campingplatz Heißenfeld, die Siedlungssplitter bei den Gewannen Im Grasrain, Kurze Buckel/Obere Hofwiesen, Stangenacker/Steinwald, Hungerberg. Im Zweiten Brunnen.

·               h)  In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach: Die bebauten Lagen Waldeck/Schafhof.

·               j) In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Ortsteil Vorderheubach: Der Ortsetter und die bebauten ortsnahen Lagen, sowie Teile der Gewanne Neuenacker, Schleifäcker.

·               i)  In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Ortsteil Hinterheubach:Die bebauten Ortslagen.

·               k) In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Ortsteil Lampenhain: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen und Teile des Gewannes Oberm Wald.

·               l) In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Ortseil Bärsbach: Die bebauten Ortslagen sowie Teile des Gewannes in der Dell.

·               m)  In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach, Ortsteil Hilsenhain: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen sowie Teile des Gewannes Im Loh.

·               n) In der Gemarkung Heiligkreuzsteinach: Die im Zusammenhang bebauten Lagen in den Gewannen Galgenbusch und Steinacker.

·               o) In der Gemarkung Heddesbach: Der Ortsetter, die bebauten ortsnahen Lagen sowie Teile der Gewanne In der Heddesbach, Bubert, Dürre Magd, Mühlacker Mühlwiese, Brückenwiese, Im Knoos, Kandelwiese, Benzenberg, Am gähen Acker, Winterhelle.

 (3)Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg im Maßstab 1 : 50000 sowie in Detailkarten im Maßstab 1 : 5000 mit durchgezogener flächig schwarz punktierter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis zur kostenlosen Einsicht durch Jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist:

1 .Die Odenwaldlandschaft in ihren Grundzügen und in ihrer charakteristischen Ausprägung zu erhalten.

·               Wesensmerkmale dieser Landschaft sind tief eingeschnittene Haupt- und Seitentäler mit schmalen Talauen, Talkessel, Klingen, ausgeprägte Höhenrücken, Kuppen, reich bewegte, langgezogene Hänge und formenreiche Geländekleinstrukturen wie Mulden, Rinnen, Einschnitte, Verebnungen und Geländeböschungen.

2.Das natürliche Gewässersystem sowie die natürliche Verbreitung und Gestalt der von Grund- und Oberflächenwasser bestimmten Areale einschließlich ihres standorttypischen Bewuchses zu erhalten. Das sind im wesentlichen Feuchtgebiete, Quellen, Fließgewässer und deren Überflutungsbereiche sowie gewässernahe Auen.

3.Die Feld-Wald-Verteilung nicht wesentlich zu verändern und vor allem die Täler und gliedernden Grünlandhänge als waldfreie Zonen zu erhalten bzw. weitgehend wiederherzustellen.

4.Die an den naturgegebenen Voraussetzungen orientierte Bodennutzung, welche die Vielfalt der Erscheinungsformen der Kulturlandschaft bedingt, zu bewahren und wiederherzustellen. Charakteristische, die Kulturlandschaft des Odenwaldes bestimmende Gestaltungselemente sind:

·               die Täler der Steinach, des Laxbaches, des Brombaches und des Finkenbaches einschließlich der Seitentäler wie Eiterbachtal, Hilsbachtal, Schafbachtal mit Wiesennutzung und naturnahen Ufergehölzen;

·               Flurgehölze an Böschungen, Wege- und Straßenrändern, Streuobstwiesen, Steinriegel, Feldsteinmauern und Felsblockfelder;

·               langgezogene, vor- und zurückspringende Feld-Waldgrenzen mit stufig aufgebauten Waldrändern aus Laubgehölzen;

·               große, geschlossene Waldgebiete beidseitig des Eiterbaches und der Steinach südlich Heiligkreuzsteinach sowie um Brombach;

·               kleinflächige Wälder auf Kuppen der Gemarkung Heiligkreuzsteinach;

·               die Grünlandnutzung der Hänge wie in der Umgebung von Brombach, Heddesbach, Wilhelmsfeld, Bärsbach, Heiligkreuzsteinach, Vorderheubach, Hinterheubach, im Schafbachtal und im Eiterbachtal.

5.Eine wesentliche Beeinträchtigung der Lebensstätten und Lebensgemeinschaften der heimischen Tier- und Pflanzenwelt insbesondere in den feuchten Talauen und sickerwasserfeuchten Hängen nach ihrer typischen Ausformung sowie nach Individuen- und Artenzahl zu vermeiden.

6.Die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes insbesondere zur Regeneration vorwiegend mit Mitteln der ökologisch orientierten Landnutzung im vollen Umfang aufrecht zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

7.Die hohe natürliche Erholungseignung unter Berücksichtigung der Nr. 1-6 zu erhalten bzw. wiederherzustellen.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder den Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere, wenn dadurch

1.            Der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.            Die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört wird;

3.            Eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert wird.

4.            Das Landschaftsbild nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt wird;

5.            Der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

 (1)Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere,

1.            wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Flurgehölze, Streuobstbestände, naturnahe Ufergehölze, Feldsteinmauern und Felsblockfeldern sowie ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt Erhaltung verdienen, zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu ändern;

4.            Stätten für Sport und Spiel, anzulegen oder zu verändern;

5.            Flugplätze, Gelände für das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie Gelände für den Aufstieg von Flugmodellen, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen anzulegen oder zu verändern;

6.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen, oder zu verändern, einschließlich das Gewässerbett oder die Uferzone betreffende Veränderungen sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

7.            7-Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Aufschüttungen und Abgrabungen;

9.            neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

10.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.        Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

12.        Motorsport zu betreiben;

13.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

14.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind.

 (3)Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der im § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4)Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde erteilt wird

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1)Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes

1.            1 .ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
a)  die Bodengestalt nicht verändert wird,
b)  Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird,
c)  wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Flurgehölzen, Streuobstbeständen, naturnahen Ufergehölzen, Feldsteinmauern und Felsblockfeldern, sowie ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tier- und Pflanzenwelt Erhaltung verdienen, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden,
d) Eine im Sinne von § 3 geschützte Flächennutzung nicht geändert wird;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei.

 (2)Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die untere Naturschutzbehörde in einem Pflegeplan oder durch Einzelanordnung festgelegt soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. Die §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2)Gleichzeitig treten außer Kraft:

1.            Die Verordnung des Regierungspräsidiums Nordbaden über das Landschaftsschutzgebiet in "Odenwald I", Landkreis Heidelberg und "Centwald", Gemarkung Lützelsachsen Landkreis Mannheim vom 08. April 1965 (GBI. S. 83) in der Fassung der Verordnung des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreises vom 20. März 1973 außer für die Gemarkung Altenbach.

2.            2 .Die Verordnung zum Schutz des Landschaftsteiles "Schafbachtal" Gemarkung Schönau im Landkreis Heidelberg vom 08.05.1958.

Heidelberg, den 26.Nov.1996

Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Dr. Jürgen Schütz