2.35.027 Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern

Verordnung des Landratsamtes Calw als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern" vom 24. Mai 1978 (GBl. 1978, S. 388).

Auf Grund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Karlsruhe als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf den Gemarkungen Agenbach, Aichhalden, Calmbach, Enzklösterle, Neuweiler, Oberkollwangen, Oberreichenbach, Simmersfeld, Wildbad und Würzbach im Landkreis Calw werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 14 200 ha.

 (2) Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

·               Talbereiche der Großen und Kleinen Enz mit Seitentälern vom Ursprung an bis zu ihrem Zusammenfluß in Calmbach mit angrenzenden Hochflächen.

 (3) Im einzelnen werden folgende Gemeinden und deren Ortsteile erfaßt:

·               a) Agenbach
die gesamte Gemarkungsfläche mit Ausnahme des Ortsetters und den ortsnahen Lagen und den Gewannen Untere Wiesen, Eichen, Stocknüsse, Spitzäcker, Unteres Feld, Hausäcker, Alte Heuäcker, Brand und Hammansäcker;

·               b) Aichhalden
die nördlichen Teile der Gemarkungsfläche, nämlich die Gewanne Härle, Kohläcker, Sohnkopf und Lachter;

·               c) Calmbach
die südlichen Teile der Gemarkung, nämlich den Meisterkopf und den Heimenhart sowie das Kleinenz- und Würzbachtal;

·               d) Enzklösterle
die gesamte Markung Enzklösterle mit den Landschaftsteilen Dietersberg, Langenhart, die Ostflanke des Hirschkopfes sowie die westlich der Gemarkungsgrenze gelegenen Teile des Enzwaldes;
Ausgenommen sind:
die Ortsetter und die unmittelbar angrenzenden Flächen der Ortsteile Enzklösterle, Poppeltal, Gompelscheuer sowie Süßbächle und Rohnbachtal und die auf Gemarkung Enzklösterle südlich von Nonnenmiß gelegenen Gewanne Dietersberg und Dieterswäldle.

·               e) Neuweiler
die nordwestlich der Weinstraße gelegenen Gemarkungsteile sowie der nordwestlich der K 4325 gelegene Gemarkungsteil;

·               f) Oberkollwangen
der westliche Teil der Großen Hardt sowie der nördliche über der Naislacher Straße gelegene Gemarkungsteil Brand;

·               g) Oberreichenbach
den auf der Gemarkung liegenden Talauenbereich des Würzbacher Tales;

·               h) Simmersfeld
der nördlich der Bundesstraße 294 gelegene Gemarkungsteil;

·               i) Wildbad
a) die westlich der Großen Enz gelegenen Landschaftsteile Oberer Eiberg, Linienhang, Heidenberg, Sommerberg, Mittelberg, Gütersberg, Wanne, Wannenebene, Kegeltal, Schöngarn, im Westen begrenzt durch das Eyachtal und der ehemaligen Regierungsbezirksgrenze Südbaden-Südwürttemberg, im Norden durch die Gemarkungsgrenze nach Calmbach, im Süden durch die Gemarkungsgrenze nach Enzklösterle,
b) die östlich der Großen Enz gelegenen Landschaftsteile Meistern mit dem Leonhardswald, Oberer Wald, Kälbertal, begrenzt im Osten durch das Kleine Enztal entlang der Gemarkungsgrenze, ebenso im Süden und Norden.
Ausgenommen sind die Ortsetter sowie die ortsnahen Lagen der Stadtteile Sommerberg, Laufenhof, Christophshof, Sprollenhaus, Meistern, Hühnerberg, Aichelberg und Nonnenmiß.

 (4) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in Karten im Maßstab 1 : 2 500 (und Übersichtskarten M 1 : 50 000, M 1 : 25 000) grün eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt Calw) verwahrt und kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

 (5) Duplikate der Karten, soweit sie die Gemeinden betreffen, sowie des Verordnungstextes liegen ferner bei den Bürgermeisterämtern zur Einsichtnahme aus.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

 (1) Landschaftsökologischer Aspekt:

·               Die Erhaltung der im wesentlichen unbebauten Landschaft, die mit ihrer naturnahen Ausstattung den Typus des Nordschwarzwaldes repräsentiert. Insbesondere aufgrund der großflächigen Waldgebiete und der Wiesentäler dient das Landschaftsschutzgebiet den Siedlungsschwerpunkten als bedeutsamer ökologischer Ausgleichsraum und als Erholungsgebiet mit überregionalem Einzugsbereich.

 (2) Landschaftsästhetischer Aspekt:

·               a) die Erhaltung der für den nördlichen Schwarzwald typisch engen Tallandschaft als naturnahe Kulturlandschaft;

·               b) die Erhaltung der mäandrierenden Bäche mit ihren standortgerechten Ufergehölzen;

·               c) die Erhaltung aller Wiesen als wertvolle Grün- und Naherholungsflächen;

·               d) die Erhaltung der Waldränder als naturnahe Abgrenzungen der Freiräume.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.             Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen;

2.             Errichtung von Einfriedigungen;

3.             Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.             Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.             Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.             Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.             Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.             Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.             Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

16.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen, Felsen und sonstigen Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

17.        Der Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen angewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 16;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Bei Inkrafttreten dieser Verordnung bereits vorhandene Verunstaltungen sind auf Verlangen der unteren Naturschutzbehörde (Landratsamt Calw) ganz oder teilweise zu beseitigen, wenn dies den Betroffenen zuzumuten und ohne größere Aufwendungen möglich ist.

§ 8 Befreiungen

1.            Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

2.            Diese kann mit Auflagen und Bedingungen versehen sowie widerruflich oder befristet erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Gleichzeitig treten außer Kraft - soweit die betreffenden Schutzgebiete innerhalb des Geltungsbereiches dieser Verordnung liegen -:

·               a) § 1 Nr. 1 der Verordnung zum Schutze von Landschaftsteilen im Landkreis Calw vom 23. April 1957 - Eyachtal - (Gesellschafter Nr. 97 vom 26. April 1957);

·               b) § 1 lfd. Nr. 435 der Verordnung über die Neueintragung von geschützten Landschaftsteilen vom 15. April 1953 - Kleinenz- und Würzbachtal (Amtsblatt des Kreises Calw Nr. 17 vom 25. April 1953);

·               c) lfd. Nr. 425 der Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen und Landschaftsbestandteilen gegen Verunstaltungen vom 4. September 1953 (Amtsblatt Nr. 36 für den Kreis Calw);

·               d) § 1 Ziffer 5 der Verordnung zur einstweiligen Sicherstellung von Landschaftsteilen im Landkreis Calw vom 28. April 1959 - Sommerberg und das Tal der Großen Enz - (Gesellschafter vom 30. April 1959).

 (3) Unberührt von dieser Verordnung bleibt die Verordnung des Badischen Ministers des Kultus und Unterrichts vom 4. April 1939 über das Naturschutzgebiet "Wildseemoor bei Wildbad-Kaltenbronn" in den Gemarkungen Reichental, Landkreis Rastatt und Wildbad, Landkreis Calw.

Calw, den 24. Mai 1978

In Vertretung

Dr. Amberger

Änderungen:

Verordnung des Landratsamts Calw vom 04.12.1992 zur Änderung der Verordnung des Landratsamts Calw als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern" vom 24.05.1978 (Kreisnachrichten vom 17.12.1992).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 59 Abs. 6 des Naturschutzgesetzes vom 21.10.1975, geändert durch das Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes (Biotopschutzgesetz) vom 19.11.1991 (GBl. S. 701 ff), wird verordnet:

§ 1

Ein Teil des Flst.Nr. 227/1, Gemarkung Würzbach, auf Detailkarte NW 2128, künftig Flst.Nr. 227/59 und 227/58 (teilweise), wird vom Landschaftsschutzgebiet herausgenommen. Die Änderung ist in Form eines Deckblattes zur Karte NW 2128 dargestellt.

§ 2

Die Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Calw, den 04.12.1992

Dr. Zerr

Landrat

Änderungen:

·               Durch VO vom 10.12.1993 (NSG 2.169 "Hesel-, Brand- und Kohlmisse")Fläche um 196 ha verkleinert.

·               Durch VO vom 04.12.1992 (Änderung, VO s.o.) und vom 27.05.1997 (Änderung, VO s.u.) Fläche um 3 ha verkleinert.

·               Durch VO vom 18.12.2002 (NSG 2.224 " Eyach- und Rotenbachtal") Fläche um 69 ha verkleinert.

Verordnung des Landratsamtes Calw vom 27.05.1997 zur Änderung der Verordnung des Landratsamtes Calw als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern" vom 24.05.1978, geändert am 04.12.1992 ("Der Enztäler" v. 31.05.1997).

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 59 Abs. 6 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.03.1995 (GBl. S. 386) wird verordnet:

§ 1

Das Flst.Nr. 447 und ein Teil des Flst.Nr. 448/1, Gemarkung Enzklösterle auf der Detailkarte NW 1438, und Teile der Flst.Nr. 987, 997, 998, 1002, 1003 und 1004 sowie das Flst.Nr. 1008, Gemarkung Enzklösterle auf der Detailkarte NW 1439 werden vom Landschaftsschutzgebiet herausgenommen. Die Änderung ist in Form eines Deckblattes zur Detailkarte NW 1438 und NW 1439, das Bestandteil dieser Verordnung ist, dargestellt.

Die Verordnung mit Deckblatt wird beim Landratsamt Calw und beim Bürgermeisteramt Enzklösterle zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 2

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Calw, den 27.05.1997

Landratsamt Calw

Hans-Werner Köblitz

Landrat