2.35.050 Steinachtal (3 Teilgebiete)

Verordnung des Landratsamtes Calw als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Steinachtal" auf dem Gebiet der Stadt Nagold vom 21.07.1993 (Schwarzwälder Bote vom 30.07.1993).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3, 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21.10.1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19.11.1991 (GBl. S. 701) und das Gesetz zur Umweltverträglichkeitsprüfung vom 12.12.1991 (GBl. S. 848) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Nagold (Gemarkungen Gündringen, Hochdorf, Nagold, Schietingen) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Steinachtal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von rd. 121 ha.

 (2) Folgende Gewanne und Waldflächen liegen vollständig oder teilweise innerhalb des Landschaftsschutzgebietes:

Die Gewanne und Waldflächen werden dabei gemäß der Nummernreihenfolge der Detailkarten (M 1 : 2 500) im Verordnungsatlas Karte für Karte von Westen nach Osten und von Norden nach Süden aufgeführt:

-Detailkarte Nr. 1

·               Gemarkung Gündringen
Gewann: Brunnenteich
Waldflächen: Teilflächen des Gewanns Schwellenthal im Norden

-Detailkarte Nr. 2

·               Gemarkung Gündringen
Gewann: Waiblesäcker, Leimental
Waldflächen: Mühlschuppen, Steig

-Detailkarte Nr. 3

·               Gemarkung Nagold
Gewann: Hanfäcker, Vorderes Schalkental, Gündringer Tal, Hinteres Schalkental, Tiergarten

·               Gemarkung Gündringen
Gewann: Große Wiesen

-Detailkarte Nr. 4

·               Gemarkung Gündringen
Gewann: Steig, Steigäcker, Pfaffensteig, Wiesen, Oberes Tal
Waldflächen: Brennhalde, Galgenberg, Teilflächen des Gewanns Weinberghalde

-Detailkarte Nr. 5

·               Gemarkung Gündringen
Gewann: Große Wiesen, Unter Renze, Mittlere Stahläcker, Immenstall
Waldflächen: Teilfläche des Gewanns Weinberghalde im Osten

-Detailkarte Nr. 6

·               Gemarkung Schietingen
Gewann: Oberes Tal

-Detailkarte Nr. 7

·               Gemarkung Schietingen
Gewann: Unteres Tal, Oberes Tal
Waldflächen: Teilflächen des Gewanns Mühlhalde im Bahnbereich

-Detailkarte Nr. 8

·               Gemarkung Schietingen
Waldflächen: Teilfläche des Gewanns Brechenweg unterhalb der K 4342

·               Gemarkung Hochdorf
Gewann: Oberes Tal
Waldflächen: Teilfläche des Gewanns Winterhalde am Unterhang

-Detailkarte Nr. 9

·               Gemarkung Schietingen
Gewann: Oberes Tal

·               Gemarkung Hochdorf
Gewann: Oberes Tal
Waldflächen: Teilflächen der Gewanne Sommerhalde und Winterhalde im Bahnbereich und am Unterhang.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in 9 Detailkarten im Maßstab 1 : 2 500 grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung wird bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Calw in Calw und beim Bürgermeisteramt Nagold in Nagold zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck ist:

1.            Erhaltung des Wiesentales der Steinach mit dem weitgehend naturnahen, mäandrierenden Bachverlauf und seinen Gehölzstreifen entlang der Bachufer;

2.            Erhaltung der Talaue in landeskultureller Hinsicht mit ihrer besonderen Funktion als Retentionsfläche;

3.            Erhaltung der kulturhistorisch bedeutsamen und landschaftstypischen Vegetationselemente wie Halbtrockenrasen, Magerweiden, Steinriegel und Feldhecken;

4.            Erhaltung des für die verkarsteten Gäuflächen typischen Trockentales westlich von Gündringen mit seinen Streuobstbeständen, Halbtrockenrasen und Wacholderheiden;

5.            Erhaltung der für die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt notwendigen zahlreichen, unterschiedlich strukturierten Kleinlebensräume;

6.            Erhaltung der Waldflächen in den Hanglagen als prägendes Landschaftselement, ökologischer Ausgleichsraum und als Erosionsschutz.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.             Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn keine Genehmigungspflicht nach der Landesbauordnung besteht;

2.             Errichtung von lebenden und toten Einfriedigungen;

3.             Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.             Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm, Bauschutt und Aushub, Abfällen aller Art oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.             Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.             Anlegen oder Verändern von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.             Anlegen oder Verändern von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.             Anlegen oder Verändern von Flugplätzen, einschließlich Modellfluggeländen;

9.             Betreiben von Motorsport, von motorgetriebenen Schlitten, von motorgetriebenen Fluggeräten aller Art sowie Mountain-Bike-Veranstaltungen;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

13.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

14.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Schmuckreisig- und Christbaumkulturen, Anlage von Vorratspflanzungen (Baumschulen), Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie der Obstbäume und sonstigen Baumbestände, Einzelbäume, Ufergehölze, Hecken und Heckenraine, Stufenraine und Steinriegel;

16.        Das Umbrechen der nachfolgenden Grundstücke von Wiese zu Acker im Gewann:
-Gündringer Tal, Gemarkung Nagold
124 (teilw.), 123
-Hinteres Schalkental, Gemarkung Nagold
174 (teilw.), 108 (teilw.), 107 (teilw.)
-Große Wiesen, Gemarkung Gündringen
1658, 1657, 1656, 1655, 1654, 1653, 1652, 1640, 1639, 1633, 1632, 1631/2, 1631/1, 1630/2, 1629, 1628/2, 1628/1, 1626/1, 1625/2, 1616
-Unter Renz, Gemarkung Gündringen
1623, 1622, 1621, 1619/4 (teilw.)
-Oberes Tal, Gemarkung Gündringen
1409, 1412/1, 1411, 1412 (teilw.), 1413 (teilw.), 1414 (teilw.), 1415 (teilw.), 1416/1, 1416/2 (teilw.), 1417 (teilw.), 1418 (teilw.), 1419 (teilw.), 1420
-Unteres Tal, Gemarkung Schietingen
106 (teilw.), 108 (teilw.), 109 (teilw.), 117/1
-Oberes Tal, Gemarkung Schietingen
1104 (teilw.), 1103/2 (teilw.), 1103/1 (teilw.), 1102 (teilw.), 1100, 1101 (teilw.), 1099, 1098, 1097, 1096, 1095, 1094, 1093/2, 1093/1, 1092, 1090. 1089, 1088, 1087/1, 1086, 1085, 1084/2, 1084/1, 1083, 1082/2, 1082/1, 1081, 1080, 1079, 1078, 1077, 1076, 1075, 1074/2, 1074/1, 1073, 1072, 1071
-Oberes Tal, Gemarkung Hochdorf
3968, 3967, 3966, 3965, 3964, 3970, 3971, 3972 (teilw.), 3973, 3961/3, 3976, 3977, 3978/1, 3978/2, 3979, 3980, 3981/1, 3981/2, 3981/3, 3982/1, 3982/2, 3983, 3986, 3985, 3993/2, 3988, 3989/1, 3989/2, 3993/1, 3992/2, 3992/1, 3991/2

17.        Verlegung von neuen Drainagen sowie die Erneuerung alter, nicht mehr funktionstüchtiger Drainagen (die Unterhaltung bestehender, funktionsfähiger Drainagen bedarf keiner Erlaubnis) oder wichtigen Entwässerungsmaßnahmen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungs- und standortgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Ziffer 11, 13-17;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete und zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

·               Erhaltung und Pflege der Wiesen.

·               Großflächiges Ausstocken der Kiefern auf den Halbtrockenrasen- und Magerweidenstandorten, insbesondere in den Bereichen Ölberg und Weinberghalde.

·               Erhaltung der Streuobstwiesen; Ersatz abgängiger Obstbäume durch Neupflanzungen.

·               Ausstockung der nicht standortgemäßen Nadelholz-Neuaufforstungen in der Talaue.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Calw, den 21.07.1993

Dr. Zerr

Landrat