2.36.015 Enztalschlingen

Verordnung zum Schutze von Landschaftsteilen im Kreise Vaihingen/Enz (Amtsblatt des Kreises Vaihingen/Enz vom 22. Januar 1949).

Auf Grund der §§ 5 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.6.35 (RGBl. I S. 821) in der Fassung des Dritten Änderungsgesetzes vom 20.1.1938 (RGBl. I S. 36) sowie des § 13 der Durchführungsverordnung vom 31.10.1935 (RGBl. I S. 1275) in der Fassung der Ergänzungsverordnung vom 16.9.1938 (RGBl. I S. 1184) wird mit Ermächtigung des Kultusministeriums als höhere Naturschutzbehörde in Stuttgart folgendes verordnet:

§ 1

Der in der Landschaftsschutzkarte beim Landratsamt - untere Naturschutzbehörde - Vaihingen/Enz mit grüner Farbe eingetragene und in einem besonderen Verzeichnis unter Nr. 1 aufgeführte Landschaftsteil "Enztalschlingen" im Bereich der Gemarkungen Lomersheim, Mühlhausen-Enz, Illingen und Rosswag Kreis Vaihingen/Enz wird in dem Umfang, der sich aus dieser Verordnung und aus der Eintragung in der Landschaftsschutzkarte ergibt, mit dem Tage der Bekanntmachung dieser Verordnung dem Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes unterstellt.

§ 2

 (1) Um das einzigartige Landschaftsbild der Tallandschaft zwischen Lomersheim und Rosswag mit den engen Flußschlingen der Enz und den mit Weinbergen bestandenen Prallhängen zu erhalten, ist verboten, innerhalb des in der Landschaftsschutzkarte durch grüne Umrahmung kenntlich gemachten Landschaftsteile Veränderungen vorzunehmen, die geeignet sind, die Natur zu schädigen, den Naturgenuß zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu verunstalten.

 (2) Im besonderen fallen unter das Verbot:

·               a) Die Anlage oder Weiterbenützung von Steinbrüchen, Sand- und Kiesgruben, sowie sonstige wesentliche Veränderungen der natürlichen Geländeform durch Sprengungen, Abgrabungen und Aufschüttungen,

·               b) die Erstellung von Drahtleitungen, sowie von Bauwerken jeglicher Art, auch von Schuppen, Verkaufsbuden und Wochenendhäusern, das Anbringen fester Fahnenstangen, die Anbringung störender Zäune, Betonmauern usw.,

·               c) die Ablagerung von Müll, Schutt und Bodenbestandteilen an anderen als den hierfür vorgesehenen Plätzen,

·               d) das Zelten an anderen als den hierfür bezeichneten Plätzen,

·               e) das Anbringen von Automaten, Inschriften und Schildern, soweit dies nicht im öffentlichen Interesse geschieht,

·               f) die Rodung, das Abbrennen und der Kahlschlag von Gehölzen, Bäumen und Hecken, insbesondere innerhalb der Heidegebiete und an der Enz,

·               g) das Landschaftsbild störende forstliche Maßnahmen wie Aufforstungen von Einzelparzellen oder Allmendflächen außerhalb des heutigen Waldes oder Ausführung von Kahlschlägen nach geraden Grenzlinien oder reine Nadelholzpflanzungen innerhalb des Waldes usw.,

·               h) die Verwendung von Beton für Stützmauern, Treppen und Pfähle in den Weinbergen.

§ 3

Unberührt bleibt:

·               a) Die ordnungsmäßige land- und forstwirtschaftliche Nutzung nach bisheriger Art und Ausdehnung, sofern sie dem Zweck dieser Verordnung nicht widerspricht,

·               b) die Erstellung von Weinberghäuschen nach den vom Landratsamt festgesetzten Richtlinien und Plänen,

·               c) die Gewinnung von Steinen für die Weinbergmauern innerhalb des eigenen Grundstücks oder an den hierfür freigegebenen Plätzen,

·               d) der Betrieb von je einem Gemeindesteinbruch für den eigenen Bedarf sowie des Steinbruchs der Kalk- und Schotterwerke Rosswag (Gebr. Zimmermann) nach den vom Landratsamt zu erlassenden besonderen Vorschriften,

·               e) die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd,

·               f) die Erstellung von Fernmeldeanlagen der Post, falls ihr Bau im Einvernehmen mit dem Landratsamt erfolgt.

§ 4

 (1) Die am Ende des geschützten Landschaftsteils verlaufenden Teile der Landstraße II. Ordnung Nr. 489 Lomersheim-Rosswag Vaihingen/E., der Landstraße II. Ordnung Nr. 492 Illingen-Mühlhausen/Enz und der Landstraße II. Ordnung Nr. 495 Rosswag-Aurich, sowie die neue Enzbrücke bei Rosswag werden als außerhalb des geschützten Landschaftsteils liegend betrachtet. An der Steige der Landstraße II. Ordnung Nr. 489 können jederzeit ohne besondere Genehmigung die notwendigen Straßenbauten und verkehrstechnischen Arbeiten durchgeführt werden.

(2) Die Beseitigung von Pflanzen aller Art, insbesondere von Bäumen und Sträuchern im alten, trocken gelegten Bett der Enzschleife bei Mühlhausen/Enz vom Wehr des Kraftwerks Mühlhausen an bis zum Werksunterkanal kann zur Sicherung des Hochwasserabflusses nach vorheriger Anzeige an das Landratsamt jederzeit erfolgen.

 (3) Weitere Ausnahmen können vom Landratsamt in besonderen Fällen zugelassen werden.

§ 5

Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26.6.1935 und dem § 16 der Durchführungsverordnung vom 31.10.1935 bestraft.

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntmachung im Amtsblatt des Kreises Vaihingen/Enz in Kraft.

Vaihingen/Enz, den 15. Januar 1949

Landratsamt

- als untere Naturschutzbehörde -

gez. Dr. Kuhnle

Landrat