3.11.009 Brombergkopf, Lorettoberg, Schlierberg

 

Verordnung der Stadt Freiburg im Breisgau als untere Naturschutzbehörde

über das Landschaftsschutzgebiet  "Brombergkopf, Lorettoberg, Schlierberg"

vom 24. April 2006

 

Auf Grund der §§ 29, 73 Abs. 4 und § 80 des Naturschutzgesetzes (NatSchG)

in der Fassung vom 13. Dezember 2005 (GBl. S.745) wird verordnet:

 

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

(1) Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt

      Freiburg i. Br., Gemarkung Freiburg werden zum Landschaftsschutz-

      gebiet erklärt.

(2)  Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Brombergkopf,

      Lorettoberg, Schlierberg".

§ 2

Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Fläche von rd. 1220 ha.

(2) Das Landschaftsschutzgebiet umfasst folgende Teilgebiete:

1.   Schlierberg mit dem Feuchtbiotop Schlierbergweiher

2.   Lorettoberg

3.   Illenberg

4.   Günterstäler Wiesen

5.   Bohrerbach-Niederung

6.   Siedlungsrand Günterstal

7.   Stadtrand Waldsee / Mösle; Konrad-Günther-Park

8.   Stadtwald Schauinsland, nördlicher Teil

9.   Hangbereich Littenweiler

jeweils nach näherer Maßgabe der Abgrenzung in den Schutzgebietskarten.

Grobbeschreibung:

Ausgehend vom Schlierberg im Westen umschließt das Landschaftsschutz-

gebiet den Bergwald südlich von Freiburg mit dem Illenberg, den beiden

Kämmen “Horbener Rücken” und “Kybfelsenkamm” im Osten und die

dazwischen liegende Talung des Bohrer- / Hölderlebachsystems, wobei der

Siedlungsbereich von Günterstal parzellenscharf ausgegrenzt ist. Die Grenze

quert den Horbener Rücken entlang der Stadt-kreisgrenze, südlich von

Günterstal - einen Teil der Bohrerbach-Niederung mit einbeziehend– und

zieht an der Kappler Gemarkungsgrenze über den Horbener Felsen und über

den Kybfelsenkamm an der Ostgrenze des Schutzgebietes nach Süden. Im

Bereich Littenweiler, Waldsee und Wiehre grenzt das Landschaftsschutzge-

bet wiederum parzellenscharf an die bebauten Grundstücke, wobei baupla-

nungsrechtlich gesicherte Nutzungen im Bereich der Gewanne “Moosmatten”

und “Wasseracker” ausgespart sind. Es schließt die Wald – Parkareale "Mösle"-

und "Konrad-Guenther-Park" mit ein. Des weiteren umfasst das Schutzgebiet

die Günterstäler Wiesen ohne die Kleingartenanlage nördlich der Wonnhaldestraße.

Verbunden über den Hölderlebach schließt das Landschaftsschutzgebiet

im nordwestlichen Bereich die bewaldeten Flächen des Lorettobergs mit ein.

Am Schlierberg sind die reich strukturierten Freiflächen (Lebensraummosaik)

sowie der Schlierbergweiher in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen. Im

Süden des Schlierbergs findet das Landschaftsschutzgebiet an der Gemeindegrenze

von Merzhausen seinen Abschluss.

(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte

im Maßstab 1 : 20.000 sowie in zwei Detailkarten im Maßstab 1 : 5.000 mit

durchgezogener grüner, flächig schwarz punktierter Linie dargestellt, wobei

die Grenze des Landschaftsschutzgebietes durch die äußere Strichgrenze

festgelegt wird.

(4) Die Schutzgebietsgrenze wird ergänzend zur Kartendarstellung in Anlage 1

im Detail beschrieben. Bei einer Abweichung oder einem Widerspruch zwischen

textlicher Beschreibung und Kartendarstellung gelten die in den Karten getroffenen

Festlegungen und zeichnerischen Darstellungen.

(5) Die drei Karten und die Anlage 1 sind Bestandteile dieser Verordnung.

(6) Die Verordnung mit Karten wird beim Bürgermeisteramt der Stadt

Freiburg i. Br., sowie bei der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Freiburg, zur

kostenlosen Einsicht während der Sprechzeiten öffentlich niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck ist es,

1. den Charakter und die Vielfalt, Schönheit und Eigenart der Landschaft mit ihren

zum Teil in das bebaute Stadtgebiet hineinragenden, meist bewaldeten Bergrücken,

markanten Baumbeständen sowie mit den durch Grünlandnutzung geprägten

Talniederungen und offenen Hangflächen,

2. das Gebiet als stadtnahes Erholungsgebiet mit seinem abwechslungsreichen

Landschaftsbild, seiner Strukturvielfalt und hohem Erlebniswert,

3. die stadtnahen Freiflächen zum Schutz und zur qualitativen Verbesserung der

Naturgüter Klima, Boden, Grundwasser,

4. die natürlichen und naturnahen Lebensräume von zahlreichen Tier-

arten insbesondere Amphibienarten, wie beispielsweise Gelbbauchunke und

Erdkröte; Vogelarten, wie beispielsweise verschiedene Spechtarten, Hohltaube,

Waldkauz; Insekten, wie Hirschkäfer und Libellenarten; Fledermausarten,

wie Großer und Kleiner Abendsegler - und Pflanzengesellschaften innerhalb

des Waldes sowie die Grünlandbereiche, vorrangig die Nass- und Feuchtwiesen zur

Schaffung eines Biotopverbundes und die besonderen Baumbestände,

5. die natürlichen Sonderbildungen, wie Felsformationen, Blockhalden sowie

stehende und fließende Gewässer als Landschaftsbild prägende Elemente und als

Lebensraum von Tier- und Pflanzengesellschaften in unterschiedlicher

Ausgestaltung,

6. die kulturhistorisch bedeutsamen Flächen, z. B. den vorderen Lorettoberg, der

wegen seines Buntsandsteinvorkommens für den Bau das Freiburger Münsters

von Bedeutung war oder die stadtnahen, offenen Hangbereiche bei Littenweiler

und Günterstal aufgrund ihrer traditionellen Grünland-Nutzung,

zu erhalten, zu pflegen und zu entwickeln.

(2) Zusätzlich sind mit dem Schutzzweck besondere Schutzziele für folgende

Zonen verbunden:

1. Schlierbergweiher

Wiederherstellung und Erhaltung eines unter Lebensraumaspekten funktionsfähigen

Stillgewässers.

2. Günterstäler Wiesen, vor allem die “Wonnhaldewiesen” (mit den Gewan-

nen Breitmatte, Mathiasmatte, Silberbach) und die Wiesen der Bohrerbach-

Niederung südlich Günterstal

a) langfristig: Entwicklung von Magerwiesen,

b) standorttypische Entwicklung der nach § 32 Naturschutzgesetz (NatSchG)

     besonders geschützten Biotope (Grünbestände),

c)  Erhalt und Entwicklung der Breitmatte als Retentionsfläche.

3. Konrad-Guenther-Park, Möslepark, Bereich Waldsee und Deicheleweiher,

Sternwald, St. Valentin und St. Barbara

a)  Erhalt und Entwicklung einer naturverträglichen Erholungsnutzung,

b)  Erhalt des Baumbestandes (v. a.) Eichen und der Stillgewässer als Lebensraum

     für bes. geschützte Tierarten (z. B. Fledermäuse, Amphibien).

4. Eichenhain „Hinterer Schlierberg“

Erhalt des landschafts- und stadtbildprägenden und ökologisch besonders wertvollen

Baumbestandes (v. a. Stieleichen).

§ 4

Verbote

Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter

des Gebiets verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere

wenn dadurch

1.  der Naturhaushalt geschädigt,

2.  die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.  eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.  das Landschaftsbild nachhaltig verändert oder die natürliche Eigenart

    der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt,

5. der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträch-

     tigt oder

6. die Qualität der in § 3 Abs. 2 aufgeführten Lebensstätten nachhaltig verän-

    dert wird.

§ 5

Erlaubnisvorbehalte

(1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern

     oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der Erlaubnis der

     unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

     1. die Beseitigung, Zerstörung oder Veränderung wesentlicher Bestandteile

         der Landschaft, wie z. B. Feucht- und Nasswiesen, Uferbegleitvegetation,

         Felsen, Hecken, Baumbestände, Feldgehölze oder markante Einzelbäume und

         Baumgruppen der Wald-Park-Landschaft sowie Obstbaumbestände,

     2. die Errichtung baulicher Anlagen im Sinne der Landesbauordnung oder

         die Durchführung gleichgestellter Maßnahmen,

     3. die Errichtung von Einfriedigungen,

     4. die Anlage oder Veränderung von Straßen (auch Waldfahrstraßen), Wegen,

         Plätzen oder sonstigen Verkehrsanlagen,

     5. die Verlegung oder Änderung ober- und unterirdischer Leitungen aller Art,

     6.  die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen

         und Aufschüttungen,

     7. die Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel,

     8. die Ausübung von Motorsport,

     9. die Errichtung oder Veränderung von Start- und Landeplätzen

         für Flugsportgeräte, wie z. B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge oder

         Gleitfallschirme,

   10. der Betrieb von Modellfluggeräten, die der luftverkehrsrechtlichen Erlaub-

         nis bedürfen,

   11. die Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehen-

         den Gewässern sowie die Durchführung von Entwässerungs- oder anderen

         Maßnahmen, die den Wasserhaushalt verändern,

   12. die Neuaufforstung und Anlage von Christbaum- und Schmuckreisigkul-

         turen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen,

   13. die Änderung von Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnut-

         zung entgegen dem Schutzzweck,

   14. der Umbruch von Dauergrünland,

   15. die Anlage von Kleingärten,

   16. das Zelten, Lagern, das Aufstellen von Wohnwagen und Verkaufs-

         ständen sowie das Aufstellen sonstiger mobiler Behausungen,

   17. die Lagerung von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des

        Grundstückes erforderlich sind,

   18. das Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln,

         mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4

 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen

 oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen und

 Bedingungen befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht

 werden kann, dass die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesen-

 tlich zuwiderlaufen. 

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestat-

tung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde

erteilt wird.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschrif-

ten keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen

mit der unteren Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen,

die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6

Zulässige Handlungen

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für

      1. die landwirtschaftliche Bodennutzung im Rahmen der guten fachlichen

           Praxis mit der Maßgabe, dass

      a) Dauergrünland nicht umgebrochen werden darf und bei Beweidung

           eine geschlossene Grasnarbe erhalten bleibt,

      b) besonders geschützte Biotope zu erhalten sind,

      c) wesentliche Landschaftsbestandteile, wie Bäume, Hecken, Feldge-

           hölze, markante Einzelbäume und Baumgruppen der Wald- Park-

           Landschaft oder Obstbaumbestände oder die Ufervegetation von Bächen und

           Gräben nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden;

      2. die forstwirtschaftliche Bodennutzung sowie die Anlage von Rückegassen und

           Maschinenwegen im Rahmen der anerkannten forstlichen Grundsätze mit der

           Maßgabe, dass

a) sich das waldbauliche Leitbild an den im Gebiet vorkommenden standort-

     typischen Waldgesellschaften orientiert,

b) ausreichend Höhlen durch Belassen alter Einzelbäume ( z.B. angelehnt an

     die FSC-Zertifizierung) als wichtige Habitatstrukturen für Höhlenbrüter und

     andere Höhlenbewohner zur Verfügung stehen;

      3. Unterhaltungsmaßnahmen an Gewässern, wobei standortgemäße,

           einheimische Ufergehölze nachhaltig zu pflegen und zu entwickeln sind;

      4. die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd unter besonderer Rücksicht-

           nahme auf die Erholungsnutzung des Gebietes;

5. die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe,

       dass Besatzmaßnahmen mit nicht im rhenanischen Flusssystem heimischen

       Tierarten zu unterlassen sind;

   6. die weinbauliche Nutzung des Staatlichen Weinbauinstituts inkl.

          Erweiterungsflächen.

(2) Unberührt bleiben auch die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßiger-

weise bestehender Einrichtungen wie Bahnanlagen einschließlich der

Sicherheitsbereiche, Ver- und Entsorgungsanlagen, Bergbauberechtigungen,

Telekommunikationseinrichtungen sowie die ordnungsmäßige Gewässerunter-

haltung. Unberührt bleibt auch die unterirdische (Neu-) Verlegung von

Telekommunikationsleitungen in Verkehrswegen.

§ 7

Schutz- , Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen können durch die untere

Naturschutzbehörde durch einen Pflegeplan oder durch Einzelanordnung

festgelegt werden, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk

beinhaltet sind. Die §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

Maßnahmen sind insbesondere im Rahmen des Biotopverbundkonzeptes

erforderlich, wo sie der Zurückdrängung von Sukzessionen und Schaffung von

Offenland-Bereichen im Übergangsbereich des Bergwaldes zu den Tal-

und Niederungsflächen dienen.

§ 8

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 79 NatSchG durch die

untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 80 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer

im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1. nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2. entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen

vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutz-

zweck zuwiderlaufen können.

§ 10

In-Kraft-Treten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

(2) Gleichzeitig treten die Anordnung zum Schutz von Landschaftsteilen

zwischen dem Südrand des Stadtbezirks und dem Schauinsland im

Stadtkreis Freiburg i. Br. (Lorettoberg, Günterstal, Littenweiler) vom 16.02.1957,

zuletzt geändert am 04.05.2005 sowie die Anordnung zum Schutz von Land-

schaftsteilen im Bereich des Schlierbergs im Stadtkreis Freiburg vom 30.03.1954

außer Kraft.

Freiburg i. Br., den 24. April 2006 Stadt Freiburg i. Br.

Untere Naturschutzbehörde

gez.

Dr. Dieter Salomon

(Oberbürgermeister) beglaubigt

 

Verkündungshinweis:

Nach § 76 des NatSchG ist eine Verletzung der in §74 NatSchG genann-

ten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines

Jahres nach Erlass der Verordnung schriftlich beim Bürgermeisteramt der

Stadt Freiburg i. Br. geltend gemacht wird; der Sachverhalt, der die Verletzung

begründen soll, ist darzulegen.

Bürgermeisteramt der Stadt Freiburg im Breisgau