3.15.016 Dreisamniederung

Verordnung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, Freiburg, als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Dreisamniederung" vom 10. September 1982.

Auf Grund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz-NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 30. Mai 1978 (GBl. S. 286), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinden Bötzingen, Eichstetten, Gottenheim, March und Umkirch werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Dreisamniederung".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 1 680 ha.

(2) Das Schutzgebiet umfaßt hauptsächlich Teile des nördlichen Schotterfächers der Dreisamniederterrasse westlich von Freiburg und die westlich anschließenden Freiflächen bis zu dem am Ostrand des Tunibergs und des Kaiserstuhls verlaufenden Mühlbaches. Östlich des Nimberges sind kleine Teile des Schwemmfächers der Glotter auf Gemarkung March-Holzhausen und außerdem Teile der südlichen Ausläufer dieses Vorgebirges selbst einbezogen. Im wesentlichen wird es wie folgt begrenzt, wobei die Grenze bildenden Straßen und Wege nicht Bestandteil des Schutzgebietes sind; die Grenze bildende Gewässer gehören aber mit beiden Ufern zum Schutzgebiet. Genannte Flurstücke liegen innerhalb des Schutzgebietes.

Gemarkung Eichstetten:
Die Abgrenzung verläuft im Norden an der Gemarkungsgrenze March-Neuershausen von Grenzstein Nr. 1 bis kurz vor Grenzstein Nr. 33, kreuzt hier das Gewann Steegmatten nach Westen bis zur L 116 und folgt dieser ca. 140 m nach Süden. Von hier werden die Gewanne Unternort und Innere Mühlmatten bis zum Mühlbach nach Westen gekreuzt. Die weitere Grenze bildet der Mühlbach bis zur L 114 b auf Gemarkung Bötzingen.

Gemarkung Bötzingen:
Die Grenze geht vom Mühlbach längs der L 114 b ca. 330 m nach Osten bis zum Krebsenbächle, welches die Grenze bis zum Feldweg Flst.Nr. 6135/2 bildet. Diesem Weg folgt die Grenze ca. 270 m nach Westen bis zum Mühlbach, welcher wie die L 115 bis zur Höhe des Gewanns Langmatten auf Gemarkung Gottenheim die weitere Grenze bildet.

Gemarkung Gottenheim:
Im Gewann Langmatten bilden der Feldweg Flst.Nr. 2983 und Flst.Nr. 3556 die Grenze. Die Gewanne Zwischen Bach und Petersjuchert werden entlang der Trasse der geplanten B 31 - West nach Osten durchquert, wo im Gemeindewald Distr. I Unter- und Oberwald Flst.Nr. 5082 die L 115 a erreicht wird.
Vom Waldgrenzstein Nr. 26 verläuft die Grenze nach Süden zum Waldgrenzstein Nr. 27, quert hier die Bahnlinie und verläuft weiter nach Süden bis zum Waldgrenzstein Nr. 34 an der L 115, die bis zum Waldgrenzstein Nr. 16 auf Gemarkung Umkirch die Grenze bildet.

Gemarkung Umkirch:
Der Rohrmattenwald, Flst.Nr. 1667/1, nördlich der L 115 und das Laidhölzle, Flst.Nr. 333, sind in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen, wobei das Gewann Stöckmatten im Bereich der Flst.Nr. 338 und 439 durchquert wird. Das Gewann Laitermatten wird nach Norden gekreuzt bis bei Waldgrenzstein Nr. 23 der Gemeindewald Distr. I Krittschachen, Flst. Nr. 2479 erreicht wird. Die Trasse der geplanten B 31 - West bildet von hier bis zum Zubringer Mitte der BAB 5, wo die Stadtgrenze Freiburg erreicht wird, die weitere Grenze.
Die Abgrenzung verläuft von hier nach Norden längs der Kreisgrenze auf Gemarkung Umkirch und March-Hugstetten.

Gemarkung March-Hugstetten/Buchheim:
Längs der Kreisgrenze verläuft die Abgrenzung bis zur K 4921 und folgt dieser ca. 50 m nach Nordwesten. Einbezogen sind hier die Gewanne Riedacker, Großacker, Obere Riedel, Riesele, Mühleberg, Scheibenbuck und der Schloßpark in Hugstetten, wobei die Wege Flst.Nr. 313, 9/2, 107/1, 120, 9, die L 116 und die K 4921 bis zur Überbrückung des Mühlbachs die Grenze bilden.
Dem Mühlbach wird nach Südwesten bis zur Einmündung des Mühlebachs Flst. Nr. 1425 gefolgt. Der Mühlebach bildet die Grenze, die dann bis zur Bahnlinie nach Süden verläuft.
Südlich der Bahnlinie ist der Gemeindewald Distr. I Allmendschachen, Flst.Nr. 1451 und 1455 in das Schutzgebiet einbezogen. Die Flst.Nr. 1255, 1224, 1223, 1207/1, 1207 und 1205/2 bilden die Grenze bis zur L 116 a. Der Gemeindewald Distr. III Untergrün ist eingeschlossen. Bei Waldgrenzstein Nr. 36 wird die Dreisam nach Südwesten gekreuzt. Die hier nicht mehr einbezogene Dreisam bildet die weitere Grenze bis zur Kreuzung der L 114 b auf Gemarkung March-Neuershausen.

Gemarkung March-Neuershausen:
Die Grenze folgt der L 114 b bis zur L 116 und dieser ca. 200 m nach Nordwesten bis Flst. Nr. 1847. Hier werden die Gewanne Oberer Steinenweg und Sauwasen bis zum Weg Flst.Nr. 1877 durchquert und diesem Weg nach Südwesten bis Flst.Nr. 1944 gefolgt, das mit den Flst.Nr. 1934-1925, Wege Flst.Nr. 1899, 1468 (teilweise), 1468/1, 1467, 1466, 1472 (teilweise), 1477-1480 und Wege Flst.Nr. 1501 die Grenze nördlich der Ortslage von Neuershausen bilden. Die Grenze folgt dann nördlich den Wegen Flst.Nr. 107, 804, 267 und 268 bis zur Kreisgrenze Emmendingen. Der Kreisgrenze wird nach Westen gefolgt bis Flst.Nr. 539, wo die Grenze des bestehenden Natur- und Landschaftsschutzgebietes "Neuershausener Mooswald" erreicht wird. Die Gewanne Äußeres Sigristenäckerle, Äußerer Kriechacker, Blachen, Oberer Eißenfuß, Brunnacker, Kirchmatt, Roßmatten, Krummatt, Untere Pfadmatt, Oberes Wäldele, Unteres Wäldele, Storchennest und Kleine Viehweid sind, soweit sie nicht schon in das vorgenannte Schutzgebiet einbezogen sind, im Landschaftsschutzgebiet enthalten.

Gemarkung March-Holzhausen:
Die Grenze bildet im Osten die BAB 5, im Norden die Kreisgrenze Emmendingen und im Westen die Grenze der Gemeindewälder Distr. III Untere Stauden und Distr. IV Feldwinkel. Außerdem das Wege Flst.Nr. 28 und das Wasserschutzgebiet im Gewann Seygeler. Im Süden wird die Grenze von dem Flst.Nr. 429, 421/1, dem Gemeindewald Distr. V Hofmatten Wald, den Flst.Nrn. 257, 255, 254, 253, dem Wege Flst.Nr. 225, dem Mühlbach Flst.Nr. 275 und dem Flst.Nr. 237/9 gebildet.

(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte Maßstab 1 : 25 000 und in 4 Karten Maßstab 1 : 5 000 mit durchgezogener grüner Linie eingetragen. Der äußere Rand der grünen Linie bildet die Grenze des Schutzgebietes. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald in Freiburg i.Br. verwahrt. Die Verordnung mit Karten kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

(4) Mehrfertigungen der Karten und der Verordnung liegen ferner bei den Bürgermeisterämtern Bötzingen, Eichstetten, Gottenheim, March und Umkirch zur Einsichtnahme aus.

§ 3 Schutzzweck

Wesentliche Schutzzwecke sind:

1.            Die Erhaltung und Sicherung eines leistungsfähigen Naturhaushalts in der Dreisam- und Glotterniederung und ihrer angrenzenden Freiflächen als zusammenhängender einheitlicher ökologischer Ausgleichsraum und

2.            die Erhaltung des charakteristischen Landschaftsbildes mit einer vielfältigen Gliederung von Wald- und Feldfluren als Lebensraum artenreicher Tier- und Pflanzengemeinschaften und als Erholungsraum für die Allgemeinheit.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt werden.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes in der in § 4 beschriebenen Weise verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art außerhalb öffentlicher Verkehrsanlagen;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Neuherstellung oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen, oder der anderen Verkehrsanlagen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Betrieb von Motorsport, Modellflugzeugen sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen, Zelten oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze oder Abstellen von Kraftfahrzeugen außerhalb öffentlicher Verkehrsanlagen;

11.        Verankern von Wohnbooten, Bojen oder anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

12.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

15.        .Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise und

16.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, wie Bäume, Hecken, Gebüsche oder der Ufervegetation von Bächen und Gräben.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;
Zur ordnungsmäßigen Nutzung im vorgenannten Sinne gehören u.a.
a) die Errichtung transportabler Weidezäune,
b) die Errichtung fester Weidezäune aus Spanndraht oder Sechseck-Maschendraht an Holzpfosten oder Eisenstäben ohne Fundamente und Sockel bis zu einer Höhe von 1,50 m,
c) die Errichtung forstlicher Kulturzäune aus Knotengitter oder Sechseck-Maschendraht an Holzpfosten ohne Fundamente und Sockel im oder am Wald und
d) der Bau forstlicher Wirtschaftswege im Wald;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze, Bahnanlagen, Ver- und Entsorgungsleitungen und Gewässer;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

Diese Vorhaben sind jedoch so auszuführen, daß der Schutzzweck der Verordnung möglichst wenig beeinträchtigt wird.

§ 7 Befreiungen

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die untere Naturschutzbehörde nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde:

1.            der Abbau von Bodenbestandteilen;

2.            die Errichtung oder wesentliche Änderung von Gebäuden;

3.            die Verlegung oder wesentliche Änderung von oberirdischen Leitungen;

4.            die Anlage oder wesentliche Änderung von Verkehrsanlagen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Freiburg i.Br., den 10. September 1982

Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald

Dr. Schill, Landrat