3.26.018 Achdorfer Tal, Buchberg und Mundelfinger Viehweide

Verordnung des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Achdorfer Tal, Buchberg und Mundelfinger Viehweide" vom 01. April 1987 (Schwarzwälder Bote vom 08.05.1987).

Auf Grund von § 22, 58 Abs. 3 und 4 sowie § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitenrechts vom 06. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Städte Blumberg und Hüfingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Achdorfer Tal, Buchberg und Mundelfinger Viehweide".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 2 155 ha. (2) Es umfaßt im wesentlichen die ehemalige Gemarkung Achdorf der Gemeinde Blumberg, Taleinhänge und Randbereiche des Achdorfer Tales auf den Gemarkungen Behla, Hausen vor Wald und Mundelfingen, Gemeinde Hüfingen, die Viehweide und Einhänge in das Aubachtal auf Gemarkung Mundelfingen, Gemeinde Hüfingen, sowie den Buchberg-Südhang auf der Gemarkung Blumberg und den Gemarkungen Epfenhofen und Fützen, Gemeinde Blumberg. Die Orte Achdorf, Aselfingen, Eschach, Opferdingen und Überachen, wie in den unten angegebenen Karten dargestellt, bleiben außerhalb des geschützten Gebietes.

(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 5 000 grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis in Villingen-Schwenningen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt. Mehrfertigungen der Verordnung mit Karten können auch bei den Bürgermeisterämtern Blumberg und Hüfingen während der Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist, das noch weitgehend naturnahe Gebiet zur Sicherung eines ausgewogenen Naturhaushaltes und eines wichtigen ökologischen Ausgleichsraumes zu erhalten; die derzeitige Nutzung, zumeist Grünland, Mischwald, Feldhecken und Halbtrockenrasen als vielfältige Lebensstätten der Pflanzen- und Tierwelt zu sichern; das Gebiet mit seiner landschaftlichen Eigenart und Vielfalt des Reliefs und der extensiven Nutzung als Naherholungs- und Urlaubsgebiet mit hohem Eignungsgrad für die Bevölkerung der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und zahlreiche auswärtige Feriengäste zu erhalten.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört, insbesondere durch Abbau von fossilienhaltigem stehendem Gestein,

3.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt werden.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichten von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motor- und Flugsportanlagen;

7.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

8.            Betrieb von Motor- und Flugsport einschließlich Drachenfliegen sowie von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Fahrzeugen;

10.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

12.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

13.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäume, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Pflanzen- und Tierwelt Erhaltung verdienen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht wird, daß die Wirkung der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderläuft. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann eine Sicherheitsleistung verlangt werden.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke (siehe Anhang zu dieser Verordnung);

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 13;

4.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

5.            für die Hobbygeologie an den zugelassenen und besonders gekennzeichneten Klopfplätzen im Wutachtal oberhalb der K 5743, Gewann "Auf Mühle" (Schwarzer Jura);

6.            für den Betrieb und eine mögliche Erweiterung der Sammelkläranlage der Stadt Blumberg im Stadtteil Achdorf.

§ 7 Befreiungen

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Maßnahmen der Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg als höhere Naturschutzbehörde:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Verlegen oder Ändern von oberirdischen Leitungen aller Art;

3.            Abbau, Entnahme, Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Anhang zu § 6 Nr. 1:

Der Begriff der "ordnungsgemäßen Landwirtschaft" ist unter Nr. 6.2 des Verordnungsmustererlasses des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten vom 04.05.1977 (GABl. S. 656), geändert am 22.12.1983, näher umschrieben.

Hiernach ist insbesondere auch zulässig

die Einzäunung von Weideflächen,

die Nutzungsänderung von Grünland in Ackerland und umgekehrt,

ein schonender Rückschnitt von Hecken auch in der Zeit vom 01.03. bis 30.09.,

die Wiederherstellung des ursprünglichen Geländezustandes nach Rutschungen,

die Anlage von land- und forstwirtschaftlichen Erschließungswegen nach dem jeweils erforderlichen Ausbaustandard.

Villingen-Schwenningen, 01. April 1987

Landratsamt

Schwarzwald-Baar-Kreis

- Untere Naturschutzbehörde -

Dr. Gutknecht