4.16.020 Rappenberg

 Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Rappenberg" vom 15. Sep. 1995 (GBl. v. 24.11.1995, S. 768).

- A u s z u g -

 Aufgrund von §§ 21, 58 Abs.2 und § 64 Abs.1 Nr.2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz
-NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 386) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz i.d.F. vom 20.12.1978 (GBl. 1979, S.12) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 (1) Die in § 2 Abs. 1 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Rottenburg, Gemarkungen Dettingen und Weiler, Landkreis Tübingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt.

 (2) Die in § 2 Abs. 2 näher bezeichneten Flächen auf demselben Gebiet, jedoch ohne Gemarkung Weiler, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

 (3) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Rappenberg".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 40,12 ha; Das Naturschutzgebiet ist 15,76 ha, das Landschaftsschutzgebiet ist 24,36 ha groß.

 (3) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt nach näherer Maßgabe der Karte im wesentlichen folgende Grundstücke:

Gemarkung Dettingen:
Flurstücke Nr. 1472-1474, 1519-1535; 1537-1573/1, 1575-1.579; ferner 1610-1611/2 sowie 1808-1998; ferner 1950 und 1951 sowie 1991-1998 und 2001-2012 sowie die Feldwege Nr. 7 teilweise (Flst.Nr. 2061/1), Nr. 20 teilweise (Flst.Nr. 1895/1), Nr. 21/2 teilweise (Flst.Nr. 1577/1, Nr. 22 (Flst.Nr. 1884/3), Nr. 23 (Flst.Nr. 1867/1) und Nr. 24 teilweise (Flst.Nr. 1857/1).

 (4) Die Grenzen des Natur- und Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 24. März 1995 im Maßstab 1:2 500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25 000 dargestellt. Die Grenzen des Naturschutzgebiets sind rot, die des Landschaftsschutzgebiets grün angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen den in der Karte, eingetragenen Grundstücksflächen des Naturschutzgebiets mit der textlichen Beschreibung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Tübingen in Tübingen und beim Bürgermeisteramt Rottenburg auf die Dauer von zwei Wochen beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt (Ersatzverkündung der Karte).

 (5) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 5 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

 (1) Wesentlicher Schutzzweck ist im gesamten Natur- und Landschaftsschutzgebiet der Erhalt und die Pflege eines durch extensive Nutzungen entstandenen reich strukturierten Mosaiks von Pflanzengesellschaften der Halbtrockenrasen, der Saumgesellschaften und der Waldränder, die Lebensraum für zahlreiche seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten bieten.

Schutzzweck ist insbesondere:

der Erhalt und die Pflege der Halbtrockenrasen mit ihren reichhaltigen Orchideenbeständen,

der Erhalt und die Pflege der Saumgesellschaften und der historischen und naturnahen Waldränder,

der Erhalt von Gebüschstrukturen (Schlehen-Liguster),

der Erhalt und die Pflege der Streuobstwiesen und der offenen Wiesenflächen, insbesondere der Salbei-Glatthaferwiesen,

der Erhalt einer historisch überkommenen Kulturlandschaft,

der Erhalt und die Pflege eines vielfältigen Lebensraumes aus offenen Flächen, Streuobstwiesen, Gebüschen und Waldsäumen, der unter anderem zahlreiche Insekten (Tagfalter, Wildbienen) und Vogelarten beheimatet.

 (2) Im Landschaftsschutzgebiet soll für einen Zeitraum von ungefähr 5 Jahren erprobt werden, ob sich dieser Schutzzweck weitgehend auch mit weniger oder weniger strengen Verboten erreichen läßt, als sie § 4 für das Naturschutzgebiet anordnet, wenn ihre Einhaltung für den besonderen Schutz von Natur und Landschaft notwendig ist, um die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten oder wieder herzustellen, um die Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbilds aufrecht zu erhalten oder wegen der besonderen Bedeutung, die Natur und Landschaft in diesem Gebietsteil für die Erholung haben (vgl. § 15 Abs. 1 BNatSchG).

Landschaftsschutzgebiet

§ 6 Verbote im Landschaftsschutzgebiet

 (1) In dem unter Landschaftsschutz stehenden Schutzgebietsteil gelten mit den Privilegierungen des § 5 die Verbote des § 4 Abs. 2-6, jedoch beschränkt auf die . in § 3 Abs. 2 genannten Schutzziele des § 15 Abs. 1 BNatSchG.

 (2) § 4 Abs. 5 Nr. 1 entfällt. Anstelle von § 4 Abs. 4 Nr. 7 und Nr. 8 sowie § 4 Abs. 5 Nr. 3 treten folgende Bestimmungen:

1.            Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten, Grundstücke mit anderen Tieren als Pferden zu beweiden, dabei darf die Nutzungsdichte 8 Islandpferde pro 5 ha nicht überschreiten.

2.            Es ist verboten, außerhalb von Wegen zu reiten; zwischen dem 2. Wiesenschnitt und dem 15. März ist das Reiten außerhalb von Wegen durch diese Verordnung jedoch nicht beschränkt.

§ 7 Befreiungen

 (1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 (2) In dem unter Landschaftsschutz stehenden Gebietsteil ist die Befreiung zu erteilen, wenn die Handlung mit den in § 3 Abs. 2 genannten Schutzzielen vereinbar ist oder wenn durch Nebenbestimmungen erreicht werden kann, daß sie ihnen nur unwesentlich zuwiderläuft.

 (3) Für Befreiungen in dem unter Landschaftsschutz stehenden Gebietsteil ist die untere Naturschutzbehörde zuständig (vgl. § 63 Abs. 1 Satz 1 NatSchG).

 (4) Die Befreiung wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs.1 Nr.2 NatSchG handelt, wer in einem oder mehreren der unter Natur- oder Landschaftsschutz stehenden Gebietsteile und i.S.v. § 33 Abs. 2 Nr. 4 LJagdG vorsätzlich oder fahrlässig eine nach § 4 oder 6 dieser Verordnung verbotene Handlung vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist (§ 2 Abs. 4 Satz 5) in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Tübingen über das Landschaftsschutzgebiet "Rammert" im Landkreis Tübingen vom 25.08.1967 (Schwäbisches Tagblatt vom 29.08.1967) soweit sie sich auf den Geltungsbereich dieser Verordnung bezieht, außer Kraft.

Tübingen, den 15.09.1995

Dr. Gögler