4.16.024 Unteres Ammertal

Verordnung des Landratsamtes Tübingen über das Landschaftsschutzgebiet ”Unteres Ammertal" vom 06.10.1999.

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385) geändert durch Gesetz vom 18. Dezember 1995 (GBI. 1996 S. 29) und durch Verordnung vom 17. Juni 1997 (GBI. S. 278), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Tübingen (Gemarkungen Tübingen und Unterjesingen) und der Stadt Rottenburg (Gemarkung Wurmlingen) werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Unteres Ammertal".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 345 ha.

 (2) Das Schutzgebiet umfaßt nach näherer Maßgabe der Karten im wesentlichen folgende Flächen:

Gemarkung Tübingen
Alte Wiesen, Ammeracker, Brühlwiesen teilweise, Bühl, Bühlacker, Eichacker, Hühnerbühl, Kreuzacker, Kuhrain teilweise, Neuacker, Neue Ammerhofer Wiesen, Roßwiese, Schwärzlocher Täle teilweise, Schweigbrühl teilweise, Waldacker, Wasserfalläcker.

Gemarkung Unterjesingen:
Aischbach, Am Himbachgraben teilweise, Bug, Dörnle teilweise, Eisenhärte, Hägle, Halden teilweise, Lager, Landgraben, Lederlesmann, Mühläcker teilweise, Oberes Gengental, Rohrwiesen, Stäffelesspitz, Steig teilweise, Trappäcker, Unteres Gengental, Unterwässerwiesen, Wiesbrunnen, Wiesweg.

Gemarkung Wurmlingen:
Am Jesinger Wegle, Bei der Schießmauer, Bei der Kreuzlinger Wiese, Brachwiesen, Eselwiesen, Fleckenländer, Fußäcker, Gengental, Kirschbaum, Krottenbühl teilweise, Lager, Lange Fleckenäcker, Lauxen, Maierwiesen, Mittlerer Platz, Mühlweg, Rottenburger Wiesen, Wachswiesen, Weckholderäcker, Wiesbrunnen, Winkele, Wüste.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind ‑ grün angelegt ‑ in einer Flurkarte im Maßstab 1 : 2 500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 dargestellt. Diese Karten sind Bestandteil der Verordnung. Im Falle eines Widerspruchs zwischen den in den Karten eingetragenen Grenzen des Landschaftsschutzgebietes mit der textlichen Beschreibung gelten die in den Karten getroffenen Festlegungen.

 (4) Die Verordnung mit Karten ist nach der Verkündung beim Landratsamt Tübingen ‑ Naturschutz‑ und Planungsamt ‑ Bismarckstraße 110, 72072 Tübingen, bei der Stadtverwaltung Tübingen, Brunnenstraße 3, 72074 Tübingen und bei der Stadtverwaltung Rottenburg, Marktplatz 18, 72108 Rottenburg auf Dauer zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit des offenen Ammertales mit Randbereichen als Zeugnis einer durch die Landbewirtschafter geschaffenen Kulturlandschaft. Diese Kulturlandschaft mit ihren verschiedenen Elementen insbesondere den Äckern, Wiesen und Weiden, der Ammer mit ihrem Grabensystem und der begleitenden Vegetation, der Feuchtwiesen und Schilfröhrichte, der Hecken, Feldgehölze und Streuobstwiesen soll erhalten werden. Das Gebiet soll als Wirtschaftsraum für die Landwirtschaft, Erholungsgebiet für die Allgemeinheit und als Lebensraum einer artenreichen Pflanzen‑ und Tierwelt bewahrt werden.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            das Landschaftsbild nachteilig und nachhaltig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober‑ oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen (z. B. Modellflug);

9.            Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze oder das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Veränderung von fließenden oder stehenden Gewässern, einschließlich der Ufervegetation;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln;

13.        Neuanlage von Aufforstungen, Christbaum‑ und Schmuckreisigkulturen;

14.        Umbruch von Dauergrünland in Ackerland. Dauergrünland im Sinne der Verordnung ist Grünland, Wechselgrünland und Ackerfutter ab Beginn des sechsten Nutzungsjahres ohne Anrechnung des Ansaatjahres auf grundwassernahen Standorten;

15.        Beseitigung von Streuobstwiesen, Neuanlage von Kleingärten.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlungen Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge haben oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch solche Wirkungen auf ein mit dem Schutzzweck vereinbar(t)es Maß gemildert werden.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergeht.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht für

1.            Handlungen der ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Bodennutzung der Landwirte und Landbewirtschafter sowie für landwirtschaftliche Schutzeinfriedungen, die dieser Bodennutzung dienen;

2.            die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen (z.B. Segelfluggelände) in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang, sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

3.            die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

5.            die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Wege, Gewässer und Gräben, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen;

6.            behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            die Abhaltung des traditionellen Pfingstrittes der Gemeinde Wurmlingen;

8.            eine Ortsumgehung von Unterjesingen;

9.            die Grabenunterhaltung, wie sie im Grabenpflegekonzept der Stadt Tübingen festgelegt ist.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne von § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt;

2.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Landratsamt Tübingen, den 06.10.1999

Hans‑Erich Messner

Erster Landesbeamter