4.21.001 Jungingen

 Verordnung des Bürgermeisteramts Ulm über das Landschaftsschutzgebiet "Jungingen" vom 01. Februar 1985 (Amtsbl. Stadt Ulm u. Alb-Donau-Kreis vom 14.03.1985).

 Auf Grund von § 22, § 58 Abs. 3 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz
- NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Gesetz zur Bereinigung des baden-württembergischen Ordnungswidrigkeitsrechts vom 06. Juni 1983 (GBl. S. 199), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet des Stadtkreises Ulm, Gemarkung Jungingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Jungingen".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Schutzgebiet hat eine Größe von ca. 272, 18 ha.

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet umfaßt folgende Landschaftsteile:

Landschaftsteil Nr. 1:
"Füßleshau" (ca. 16,48 ha) mit dem Gewann: Füßleshau.

Landschaftsteil Nr. 2:
"Großer Gehrn" (ca. 223,45 ha) mit den Gewannen: Beim Gehrn, Gehrn, Hörvelsinger Weg, Greutäcker, Großer Gehrn, Vor dem Gehrn, Hörderäcker und Hinter dem kleinen Gehrn.

Landschaftsteil Nr. 3:
"Kleiner Gehrn" (ca. 9,03 ha) mit den Gewannen: Kleiner Gehrn, Am Kleinen Gehrn und Gemeindeäcker.

Landschaftsteil Nr. 4:
"Lehle" (ca. 15,67 ha) mit dem Gewann: Lehle.

Landschaftsteil Nr. 5:
"Letten" (ca. 7,55 ha) mit dem Gewann: Letten.

 Die einzelnen Landschaftsteile umfassen folgende Grundstücke bzw. sie werden durch folgende in das Schutzgebiet einbezogene Grundstücke sowie außerhalb des Schutzgebiets liegende Straßen, Wege, Bahnlinien und sonstige Grenzlinien begrenzt:

Landschaftsteil Nr. 1:
"Füßleshau" Flurstücke Nr. 523 und 525.

Landschaftsteil Nr. 2: "Großer Gehrn"
Grenzverlauf: Bundesautobahn A 8, Flst. 2555/2 (Autobahnabfahrt), Bundesstraße B 19, Kreisstraße K 9914 (früher Landesstraße L 1166), Flst. 4000 (Bundesbahnlinie Ulm-Stuttgart-Waldbereich ab der Gemarkungsgrenze Jungingen-Ulm, Flur Ulm innerhalb des Schutzgebietes), F.W. 72, 74, Flst. 402, 408, 416 (teilweise innerhalb des Schutzgebietes), F.W. 71, Bundesautobahn A 8.

Landschaftsteil Nr. 3: "Kleiner Gehrn"
Flst. 1514, 1515, 1516, 1517, 1518, 1519, 1520, 1521, 1522/1, 1522/2, 1531, 1609, 1610, 1611, 1612, F.W. 26 (von Flst. 1517 bis 1612), F.W. 44 (südlicher Teil).

Landschaftsteil Nr. 4:
"Lehle" Flurstücke 2507/1, 2544 und 2551/1 (teils).

Landschaftsteil Nr. 5:
"Letten" Flurstück 2522 (teils).

 (3) Das Schutzgebiet ist in einer Übersichtskarte des Stadtmessungsamtes Ulm vom 01.02.1985 i.M. 1 : 12 500 mit senkrechter Schraffierung eingetragen. Die Grenzen des Schutzgebietes sind in den in Absatz 5 genannten Flurkarten des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg i.M. 1 : 2 500 durch eine schwarz gestrichelte Linie dargestellt und zur Verdeutlichung im Original noch zusätzlich grün markiert.

 (4) Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird bei der Stadt Ulm - Baurechtsamt als untere Naturschutzbehörde - zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

 (5) Das Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich auf die Flurkarten mit Stand vom 01.02.1985 mit folgenden SO-Nrn.: 560, 561, 660, 662, 663, 762, 763, 764, 862, 863 und 86465.

§ 3 Schutzzweck

 Schutzzweck, Charakteristik und Schutzziel werden im folgenden für die einzelnen Landschaftsteile entsprechend ihrer Bedeutung, Ausstattung und Funktionsbestimmung erläutert:

Schutzzweck ist die nachhaltige Sicherung und Verbesserung

- der Funktionstüchtigkeit des Naturhaushalts,

- der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter im Stadtkreis Ulm,

- der Vielfalt und Eigenart der Wälder und der offenen Landschaft des Alb-Randes.

Landschaftsteil Nr. 1:
"Füßleshau"
Erhaltenswerter Waldbereich mit Doppelfunktion als ökologisch wertvoller Bereich in einer weitgehend ausgeräumten Feldflur sowie als Naherholungsgebiet für Jungingen.

Landschaftsteil Nr. 2:
"Großer Gehrn"
Reichgegliederte Mischwaldbestände mit vorrangiger Naherholungsfunktion für den Siedlungsbereich Jungingen. Die erholungswirksame Vielfalt der Waldbilder ist bedingt durch eine gute Mischung und Altersstruktur von Laub- und Nadelhölzern wie auch durch eine vielerorts hohe Waldrandqualität. Die an den Waldrand unmittelbar anschließenden landwirtschaftlich genutzten Flächen weisen noch einen hohen und erhaltenswerten Grünlandanteil auf, wodurch ein relativ naturnaher Gesamteindruck vermittelt wird. Das Nutzungsmuster von Wald- und Grünland ergibt eine gute Kulissenwirkung. Auch als Naherholungsgebiet für den gesamten Verdichtungsbereich Ulm ist dieser Landschaftsteil von übergeordneter Bedeutung und deshalb schützenswert.

Landschaftsteil Nr. 3:
"Kleiner Gehrn"
Der besondere Wert dieser Fläche als schützenswerter Waldbestand liegt wesentlich begründet in der ökologischen Verarmung der umgebenden Landwirtschaftsflächen. Für Zwecke der Naherholung ist dieser Bestand besonders geeignet, weil er nahe bei den Wohnbereichen von Jungingen liegt und nicht durch Verkehrsriegel von diesen getrennt ist.

Landschaftsteil Nr. 4:
"Lehle"
Schutzwürdiger Mischwaldbestand mit überwiegendem Laubholzanteil in ökologisch verarmter Umgebung. Diese Laubwaldinsel hat eine wichtige Funktion für den Naturhaushalt und das Landschaftsbild.

Landschaftsteil Nr. 5:
"Letten"
Schutzwürdiger Waldbereich, in erster Linie für Zwecke der Naherholung. Aus der Nähe zum verdichteten Siedlungsgebiet Böfingen resultiert für dieses Waldgebiet eine Bedeutung mit hohem Erholungswert. Es handelt sich überwiegend um mittelalten Laubmischwald mit einer artenreichen Krautschicht. Die Beeinträchtigungen durch die nahen Siedlungen können durch eine gut durchdachte Wegeführung vermindert werden.

§ 4 Verbote

 (1) In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 (2) Insbesondere ist verboten:

1.            die Verursachung schädlicher Umwelteinwirkungen, vor allem schädlicher Lärm und Luft-, Wasser- und Bodenverunreinigungen;

2.            die Einrichtung von Feuer- und Grillstätten außerhalb der dafür vorgesehenen und ausgewiesenen Plätze.

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§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Befahren des Gebietes mit Kraftfahrzeugen, sofern dies nicht zur zulässigen Nutzung erforderlich ist;

10.        Betrieb von Motorsport, sowie von motorgetriebenen Schlitten;

11.        Freizeitaktivitäten, welche die natürliche Vegetation beeinträchtigen können;

12.        Bootfahren, Segeln, Surfen und ähnliche Aktivitäten außerhalb des Flußlaufes der Donau;

13.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

14.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

15.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

16.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen sowie sonstige Erschließungsmaßnahmen im Randbereich der Gewässer;

17.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

18.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

19.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, wie z.B. einzeln stehenden Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen, Felsen und ähnliche Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

 (1) Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 19;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden.

 (2) Die §§ 4 und 5 gelten im Landschaftsteil "Oberer Eselsberg" nicht für Handlungen, Nutzungen, Maßnahmen u.ä. für Zwecke der Universität und der mit der Universität kooperierenden Institutionen und Einrichtungen, wobei der Charakter und der besondere Schutzzweck dieses Gebietes grundsätzlich nicht verändert werden darf.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 Die untere Naturschutzbehörde kann die erforderlichen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durch Einzelanordnungen festlegen.

§ 8 Befreiungen

 Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Abs. 1 Naturschutzgesetz mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Aufhebung bestehender Verordnungen

 Alle bestehenden Landschaftsschutzverordnungen des Bürgermeisteramts der Stadt Ulm - als untere Naturschutzbehörde - werden insoweit aufgehoben, als sie den Bereich der Gemarkung Jungingen in ihrer jetzigen Abgrenzung betreffen, insbesondere:

1.            Die I. Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Bereich des Stadtkreises Ulm vom 01. Oktober 1941 (bekanntgegeben am 24.10.1941 im Ulmer Tagblatt Nr. 252).

2.            Die II. Verordnung zum Schutz von Landschaftsbestandteilen im Bereich des Stadtkreises Ulm vom 01. Oktober 1941 (bekanntgegeben am 24.10.1941 im Ulmer Tagblatt Nr. 252).

3.            Die Verordnung des Landratsamtes Ulm zum Schutze der Landschaft des Blautals und seiner Seitentäler vom 15. Januar 1954 (bekanntgegeben im Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Ulm Nr. 465, am 28.01.1954), soweit sie den Bereich des Stadtkreises Ulm berührt, jedoch nur insoweit, als sie Bereiche südlich der Kreisstraße K 9912 (früher Landesstraße L 1166), westlich der Alte Straße/Kiesentalstraße, südlich der Kreisstraße K 9902 und westlich der Landesstraße L 1239 auf der Gemarkung Mähringen betrifft. Sie besteht unverändert fort für den weiteren Bereich des Tobeltales mit den Gewannen: Tobel, Wanne, Holderäcker, Lerchenfeld, Kugelberg, Brühl, am Kugelberg und Weingärtle mit der Kreisstraße K 9912 (früher Landesstraße L 1166) als südliche Grenze.

4.            Die Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Stadtkreis Ulm vom 31. Mai 1966 (bekanntgegeben im Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Ulm Nr. 23, 22. Jahrgang, am 10.06.1966).

5.            Die Dritte Verordnung zum Schutz von Landschaftsteilen im Stadtkreis Ulm vom 20. Januar 1971 (bekanntgegeben im Amtsblatt für den Stadt- und Landkreis Ulm Nr. 4, 27. Jahrgang, am 28.01.1971).

§ 11 Inkrafttreten

 Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Ulm, den 01. März 1985

Bürgermeisteramt Ulm

- untere Naturschutzbehörde -

Ludwig, Oberbürgermeister

 



. 1. Ergänzungslieferung 1986 4.2