4.25.108 Blaubeuren

 

Verordnung des Landratsamts Alb‑Donau‑Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Blaubeuren" vom 17. Dezember 1993 (Mitteilungsbl. Blaubeuren "Blaumännle" v. 14. 01.1994).

 

Aufgrund von § 22, 29 Abs. 7, 30 Abs. 5, 58 Abs. 3, 63 Abs. 1 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz NatSchG) vom 21.10.1975 (GBI. S. 654, berichtigt 1976, S. 96), geändert durch das Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes (Biotopschutzgesetz) vom 19.11.1991 (GBI. S. 701) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Blaubeuren wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Blaubeuren".

 

§ 2 Schutzgegenstand

 

1. Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 3 400 ha.

2. Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt: Es umfaßt nach dem Kartenstand vom 05.05.1992 die Gemarkungen Blaubeuren, Asch, Beiningen, Gerhausen mit der Flur Altental, Pappelau mit dem Weiler Sotzenhausen, Seißen, Sonderbuch und Weiler. Es umfaßt folgende Landschaftsteile:

Landschaftsteil Nr. 1:

Ach‑ und Blautal mit Seitentälern

Seitentäler:
Katzental, Schindertal, Altental, Galgentäle, Tiefental, Riedental, Höllental, Schmähental, Eseltal, Rauhes Täle

Landschaftsteil Nr. 2:

Lautertal mit Seitentälern

Seitental:
Tobelhalde

3. Ausgenommen von dem Landschaftsschutzgebiet sind insbesondere die im Zusammenhang bebauten Ortsteile der Stadt Blaubeuren mit den Stadtteilen Asch, Beiningen, Gerhausen, Pappelau, Seißen, Sonderbuch und Weiler.
Das im Landschaftsschutzgebiet befindliche Naturschutzgebiet "Rabensteig, Gemarkung Seißen (Verordnung über das Naturschutzgebiet "Rabensteig" vom 01.10.1937 mit Erweiterungsverordnung vom 31.03.1959), bleibt unberührt.

4. Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in 5 Flurkarten des Landratsamts Alb-Donau-Kreis im Maßstab 1 : 5 000 (Stand 05.05.1992) und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 (Stand 05.05.1992) grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm und beim Bürgermeisteramt in Blaubeuren zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Wesentlicher Schutzzweck ist beim Landschaftsteil Nr. 1 Ach‑ und Blautal mit Seitentälern:

1.            Die Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Tallandschaft des tertiären Donau‑ und heutigen Ach‑ und Blautales mit seinen Seitentälern und angrenzenden Hochflächen der Schwäbischen Alb und des Hochsträß.

2.            Die Bewahrung der Gewässerläufe mit ihren weiten Schlingen und Ufergehölzen zur Belebung der Landschaft und Förderung von Lebensräumen der heimischen Tier‑ und Pflanzenwelt.

3.            Das Freihalten des unverbauten Talgrundes als stadtnahe Erholungsflur.

4.            Die Erhaltung der landschaftsprägenden Talhänge mit ihren typischen Kalkbuchenwäldern. Besondere Bedeutung kommt den naturnahen Waldrändern mit den vorgelagerten Wiesenflächen als Lebensraum einer Reihe selten gewordener Tier‑ und Pflanzenarten zu.

5.            Die Erhaltung von Heideflächen als Dokumentation der früher landschaftstypischen Nutzung als Sommerschafweide sowie als Lebensraum einer Vielzahl seltener Tier‑ und Pflanzenarten.

6.            Die Erhaltung der freistehenden landschaftstypischen Kalkfelsen sowie der Halbtrockenrasen an südlich exponierten Hängen und Böschungen. Sie sind Lebensraum für eine Vielzahl selten gewordener trockenheitsliebender Tier‑ und Pflanzenarten.

 

Wesentlicher Schutzzweck beim Landschaftsteil Nr. 2 Lautertal mit Seitentälern:

1.            Die Erhaltung der Talhänge mit ihren typischen Kalkbuchenwäldern. Besondere Bedeutung kommt den naturnahen Waldrändern mit ihren vorgelagerten Wiesenflächen, die eine Reihe selten gewordener Tiere und Pflanzen beherbergen, zu.

2.            Die Erhaltung der ortsnahen Erholungsflur.

 

§ 4 Verbote

 

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere Wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

 

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung, insbesondere Feldhäuschen und Geschirrhütten, oder der Errichtung gleichgestellter Maßnahmen, auch wenn sie keiner Baugenehmigung oder wasserrechtlichen Gestattung bedürfen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober‑ oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringung von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen oder Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel einschl. Motorsportanlagen sowie das Ausüben von Motor‑ und Segelsport (einschließlich Hängegleiter und Gleitschirme) sowie von motorgetriebenen Schlitten sowie das Befahren der Ach und Blau durch Wasserfahrzeuge mit Antriebskraft;

8.            Anlegen oder Veränderung von Flugplätzen einschließlich von Modellflugplätzen;

9.            Aufstellen von Wohnwagen, Wohnmobilen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze oder das mehrtägige Zeiten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        Verankern von Wohnbooten, Bojen und anderen schwimmenden Anlagen und die Errichtung von Stegen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild‑ oder Schrifttafeln, Werbeanlagen;

13.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

14.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Laubwald in Nadelholzbestockung, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        die Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen, wie Feld‑ und Ufergehölze, Halbtrockenrasen, Feldraine und Altwasserreste, Obstbaumwiesen, Streuobstgürtel, Wacholderheiden, Felsgebilden, Erdaufschlüsse (Dolinen);

16.        das Befahren des Gebiets mit Kraftfahrzeugen, soweit der Einsatz von Kraftfahrzeugen nicht zur Nutzung und Bewirtschaftung von Grundstücken unbedingt notwendig ist;

17.        Freizeitaktivitäten, die möglicherweise die natürliche Vegetation und Oberbodenschicht beeinträchtigen können;

18.        a) das Befahren der Ach und Blau mit Wasserfahrzeugen ohne Antriebskraft während der Nistplatzsuche und Vogelbrutzeit in der Zeit vom 01.03. bis 30.06.;
b) des weiteren Bootsveranstaltungen, organisierte Touren, Regatten während der ganzen Jahreszeit;

19.        Beseitigung oder Veränderung von Bäumen, Sträuchern und Gehölzgruppen außerhalb des geschlossenen Waldes;

20.        die Anlage von Baumschulen und Gärtnereien;

21.        die Pferchhaltung auf Heideflächen und Trockenrasen sowie die Lagerung von Dung und Langholz;

22.        der Umbruch von Dauergrünland in Ackerflächen;

23.        Das Lagern und Feuermachen in Höhlen und Grotten;

24.        Entnahme von Wasser aus Hülen.

 

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Sei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 

§ 6 Zulässige Handlungen

 

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land‑ und forstwirtschaftlicher Grundstücke in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, sonstiger Ver‑ oder Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Leitungen, Straßen, Wege, Betriebsanlagen der öffentlichen Wasserversorgung sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung; ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15, 18, 19, 20, 21 und 22,

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle angeordnet werden.

 

 

§ 7 Befreiung

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Zustimmungsvorbehalt

 

Bei großflächigen und anderen schwerwiegenden Eingriffen bedarf die Erteilung der Befreiung der vorherigen Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde.

 

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 

Ordnungswidrig i.S. des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG i.V.m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 

§ 10 Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung im Gemeindemitteilungsblatt der Stadt Blaubeuren (Blaumännle) in Kraft.

2. Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamts Ulm zum Schutze der Landschaft des Blautals und seiner Seitentäler vom 15.01.1954 (veröffentlicht im Amtsblatt für den Stadt‑ und Landkreis Ulm Nr. 465 vom 28.01.1954) für das Gebiet der Stadt Blaubeuren außer Kraft.

 

Landratsamt Alb-Donau-Kreis
Untere Naturschutzbehörde
Dr. Wolfgang Schürle
Landrat