4.25.114 Schnürpflingen

Verordnung des Landratsamts Alb‑Donau‑Kreis über das Landschaftsschutzgebiet "Schnürpflingen" vom 8. Juni 1999 (Mitteilungsbl. Schnürpflingen v. 02.07.1999).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 Naturschutzgesetz (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (Gesetzblatt Seite 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Schnürpflingen, Alb-Donau-Kreis, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Schnürpflingen".

§ 2 Schutzgegenstand

1.            Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 139,5 ha und umfaßt folgende Landschaftsteile:
Landschaftsteil Nr. 1: Weihungstal mit Seitental des Steinenbaches mit rund 126 ha.
Der Landschaftsteil "Weihungstal" umfaßt hauptsächlich den Talgrund, den westexponierten Hangbereich sowie zwei Seitentäler westlich der Weihung. Der Landschaftsteil gliedert sich in einen nördlichen und in einen südlichen Abschnitt.
Der nördliche Abschnitt beginnt an den Gemeindegrenzen zu Staig und Illerrieden‑Dorndorf. Auf der Ostseite verläuft die Abgrenzung des Landschaftsschutzgebietes entlang der Gemeindegrenze zu Illerrieden‑Dorndorf bis zum Gewann "Untere Wiesen" nördlich von Beuren. Ab hier verläuft die Grenze in der Hangmitte entlang der Flurstücksgrenzen zur Weihung und weiter nach Süden bis zum Schnittpunkt mit der Kreisstraße K 7365.
Auf der Westseite bildet in den Gewannen "Kangletwiesen", "Kangletholz" und "Steinberger Loch" die Gemeindegrenze zu Staig die nördliche Begrenzung des Landschaftsschutzgebietes bis zum Schnittpunkt mit der Kreisstraße K 7371. Die südliche Begrenzung verläuft ab der Kreisstraße entlang des Feldweges Nr. 1332 und den Flurstücksgrenzen entlang der Hangkante bis zum Feldweg Nr. 1351. Die Grenze verläuft dann in südliche Richtung entlang des Feldweges bis zum Schnittpunkt mit der Weihung. Ab hier verläuft sie nach Süden entlang der Weihung bis zum nordöstlichen Ortsrand von Schnürpflingen. Im weiteren Verlauf nach Süden bildet der südliche und südöstliche Ortsrand sowie die Kreisstraße K 7365 die Begrenzung des Landschaftsschutzgebietes.
Der südliche Abschnitt beginnt bei Beuren. Hier bilden die Kreisstraße K 7365 und die Ortsränder die nördliche Begrenzung. Auf der Westseite verläuft die Grenze des Landschaftsschutzgebietes entlang des Hauptwirtschaftsweges Nr. 1549 beziehungsweise 1675, der sich südlich des Gewannes "Hum­langer Mahd" im Wald als Forstwirtschaftsweg fortsetzt. Im südlichen Teil des Gewannes "Weihungs­wiesen" werden die Flächen der Gewanne "Humlanger Mahd" und "Reutmähder" mit in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen. Die Gemeindegrenze zu Schwendi‑Weihungszell begrenzt im Süden das Landschaftsschutzgebiet. Auf der Ostseite bildet der Ortsrand von Beuren sowie die Hangkante zwischen den Gewannen "Hagenberg" und "Stelleäcker", entlang des Wirtschaftsweges Nr. 1582, die Grenze des Landschaftsschutzgebietes. Im Gewann "Weihungswiesen" bildet wiederum die Nutzungsgrenze zwischen Wald und Grünland die Abgrenzung.
Südlich von Schnürpflingen wird das Landschaftsschutzgebiet in südwestlicher Richtung im Steinenbachtal fortgesetzt. Hier ist der Talgrund und der nordwestexponierte Hangbereich Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes. Auf der Nordseite des Steinenbachtales bildet der Hauptwirtschaftsweg Nr. 1422 beziehungsweise 1460 die Grenze. Auf der Südseite wird das Landschaftsschutzgebiet entlang der Hangkante durch die. Feldwege Nr. 1435, Nr. 1494 und Nr. 1490 begrenzt..
Landschaftsteil 2 : Reichenbachtal mit rund 13,5 ha.
Der Landschaftsteil "Reichenbachtal" umfaßt den Talgrund und hauptsächlich den westexponierten Hangbereich bis zur Hangkante. Der Landschaftsteil gliedert sich in zwei Abschnitte.
Der nördliche Abschnitt verläuft von der Gemeindegrenze zu Staig bis zum nördlichen Ortsrand von Ammerstetten. Auf der Ostseite wird der Landschaftsteil durch die Hangkante entlang des Weges Nr. 1263 beziehungsweise 1265 und auf der Westseite durch die Wege Nr. 1242 und 1256 begrenzt.
Der südliche Abschnitt beginnt südlich von Ammerstetten und wird durch den Ortsrand und die Kreis­straße K 7368 begrenzt. Das Gewann "Haldenberg" ist in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen. Auf der Westseite verläuft die Grenze des Landschaftsschutzgebietes entlang des Weges mit den Nr. 1126 und 1117 bis zum Weg Nr. 1110 südlich des Gewannes "Hintere Mähder". Auf der Ostseite verläuft die Abgrenzung des Landschaftsschutzgebietes an der Hangkante entlang der Wege Nr. 1300, 1302 und 1113 bis zum Gewann "Hintere Mähder".

2.            Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in zwei Flurkarten im Maßstab 1 : 5 000 vom 8. Juni 1999 und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 vom 8. Juni 1999 mit grüner Farbe eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Alb‑Donau‑Kreis in Ulm und beim Bürgermeisteramt in Schnürpflingen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

beim Landschaftsteil Nr. 1 ”Weihungstal mit Seitental des Steinenbaches":

die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Weihungstales mit Seitental zu erhalten;

die charakteristischen, landschaftsbildprägenden und ökologisch wertvollen Kulturlandschaftselemente, wie Feldraine, Feldhecken und Feldgehölze, Streuobstwiesen, Einzelbäume, Ufergehölze, Bachrinnen mit Röhrichtstreifen sowie Feucht‑ und Naßwiesen zu erhalten;

unverbaute und landschaftsästhetisch ansprechende Teile der Kulturlandschaft als regional und lokal bedeutsamen Erholungsraum zu erhalten;

beim Landschaftsteil Nr. 2 "Reichenbachtal":

die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Reichenbachtales zu erhalten;

die charakteristischen, landschaftsbildprägenden und ökologisch wertvollen Kulturlandschaftselemente, wie Feldraine, Feldhecken und Feldgehölze, Streuobstwiesen, Einzelbäume, Ufergehölze, Bachrinnen mit Röhrichtstreifen sowie Feucht- und Naßwiesen zu erhalten;

unverbaute und landschaftsästhetisch ansprechende Teile der Kulturlandschaft als regional und lokal bedeutsamen Erholungsraum zu erhalten.

§ 4 Verbote

Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck entgegenstehen, sind verboten. Dies gilt besonders, wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.            die Naturgüter nicht mehr ausreichend und nachhaltig genutzt werden können;

3.            das Landschaftsbild erheblich nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise erheblich beeinträchtigt wird;

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft erheblich beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

1.            Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck entgegenstehen können, müssen von der unteren Naturschutzbehörde erlaubt werden.

2.            Der Erlaubnis bedarf es insbesondere, um:
2.1 bauliche Anlagen nach der Landesbauordnung ‑ in der jeweils geltenden Fassung ‑ zu errichten, zum Beispiel Feldhäuschen, Geschirrhütten, Fahrsilos, Dunglegen mit Bodenplatte oder dem Errichten gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, auch wenn diese nicht baurechtlich oder wasserrechtlich genehmigt werden müssen.
Im Landschaftsschutzgebiet ist es grundsätzlich möglich, neue landwirtschaftliche Betriebsaussiedlungen zu errichten beziehungsweise landwirtschaftliche Anwesen zu erweitern;
2.2 Einfriedigungen zu errichten, auch wenn diese baurechtlich nicht genehmigt werden müssen.
Weidezäune und forstliche Kulturzäune, die einem land‑ oder forstwirtschaftlichen Zweck dienen, sind erlaubnisfrei;
2.3 ober‑ oder unterirdische Leitungen aller Art zu verlegen oder zu ändern;
2.4 Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu ändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen.
Erlaubnisfrei sind Auffüllungen zur Bodenverbesserung auf Ackerflächen bis zu maximal 20 cm Auffüllhöhe, wenn die Auffüllung innerhalb der genehmigungsfreien Flächenbegrenzung nach der Landesbauordnung beziehungsweise dem Naturschutzgesetz ‑ in der jeweils geltenden Fassung‑ liegt. Beim Inkrafttreten dieser Landschaftsschutzgebietsverordnung sind nach § 50 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 67 des Anhangs zu § 50 Abs. 1 der Landesbauordnung ‑ in der Fassung vom 8. August 1995 ‑Auffüllungen mit nicht mehr als 300 m2 Fläche genehmigungsfrei;
2.5 Gegenstände zu lagern, wenn sie nicht für die zulässige Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;
2.6 Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen oder zu verändern;
2.7 Spiel‑, Sport‑ oder Motorsportanlagen, Freizeitflächen oder Freizeiteinrichtungen, wie zum Beispiel Grillstellen oder Spielgeräte, anzulegen oder zu verändern;
2.8 Start‑ und Landeplätze, Gelände für Fluggeräte aller Art, wie zum Beispiel Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme, Flugmodelle anzulegen oder zu verändern;
2.9 Motorsport sowie motorbetriebene Sportgeräte aller Art zu betreiben;
2.10 Wohnwagen, Wohnmobile oder andere Kraftfahrzeuge sowie Verkaufsstände außerhalb der zugelassenen Plätze auf‑ oder abzustellen oder mehrtägig zu zelten;
2.11 fließende oder stehende Gewässer, wie zum Beispiel Fischteiche, anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungsmaßnahmen oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern. Bestehende Drainagen dürfen instandgehalten beziehungsweise instandgesetzt werden;
Boote, Flöße oder andere schwimmende Anlagen zu verankern oder Stege zu errichten;
2.12 neu aufzuforsten;
2.13 wesentliche Landschaftsbestandteile wie Feldraine, Feldgehölze, Feldhecken, Ufergehölze, Gebüsche, Streuobstwiesen, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtbeständen oder Röhrichte zu beseitigen oder zu verändern;
Bäume, Sträucher oder Gehölzgruppen außerhalb des geschlossenen Waldes zu beseitigen oder zu verändern. Der ordnungsgemäße Pflegeschnitt von Obstbäumen sowie das abschnittsweise auf den Stock setzen von Feldhecken, Feldgehölzen und Gebüschen sind erlaubnisfrei;
2.14 das Gebiet mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern zu befahren. Fahrzeuge, die zur Bewirtschaftung und zulässigen Nutzung des Grundstückes notwendig sind, sind hiervon ausgenommen;
2.15 Plakate‑, Bild‑ oder Schrifttafeln, Werbeanlagen aufzustellen oder anzubringen;
2.16 Freizeitaktivitäten durchzuführen, wenn sie die natürliche Vegetation oder Oberbodenschicht beeinträchtigen können;
2.17 Kleingärten, Baumschulen oder Gärtnereien anzulegen oder die Bodennutzung auf andere Weise wesentlich zu ändern;
2.18 Dauerbrache ‑ nicht genutztes, offen gehaltenes Grünland ‑ umzubrechen. Im Zuge der Agrarreform von 1993 vorübergehend stillgelegte Flächen sind von der Dauerbrache nicht umfaßt;
2.19 Pflanzenschutzmittel außerhalb land‑ und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden.

3.            Handlungen sind zu erlauben, wenn sie keine der in § 4 genannten Wirkungen zur Folge haben. Dasselbe gilt, wenn solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Die Erlaubnis kann mit Auflagen oder Bedingungen sowie befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich entgegenstehen.

4.            Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erteilt wird.

§ 6 Zulässige Handlungen

1.            Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes:
1.1 ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung nach den jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen. Zu einer ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Bodennutzung gehört es insbesondere nicht,
a) die Bodengestalt durch Auffüllungen oder Abgrabungen zu verändern,
b) Dauerbrache ‑ nicht genutztes, offen gehaltenes Grünland ‑ umzubrechen. Im Zuge der Agrarreform von 1993 vorübergehend stillgelegte Flächen sind von der Dauerbrache nicht umfaßt,
c) wesentliche Landschaftsbestandteile wie Feldraine, Feldgehölze, Feldhecken, Ufergehölze, Gebüsche, Streuobstwiesen, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtbeständen oder Röhrichte zu beseitigen, zu zerstören oder zu verändern. Ausgenommen sind der ordnungsgemäße Pflegeschnitt von Obstbäumen sowie der Rückschnitt und das abschnittsweise auf den Stock setzen von Feldhecken, Feldgehölzen und Gebüschen.
1.2 ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bewirtschaftung gemäß Landeswaldgesetz. Bauliche Maßnahmen sind hiervon nicht umfaßt;
1.3 ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei.

2.            Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten ferner nicht:
2.1 für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;
2.2 für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle oder im Wald im Einvernehmen mit der Landesforstverwaltung zugelassen werden;
2.3 für die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen wie Straßen und Wege, Betriebsanlagen der öffentlichen Wasserversorgung, sonstige Versorgungs‑ und Entsorgungsanlagen, Fernmeldeanlagen sowie Schutzzäune an Verkehrswegen;
2.4 für die ordnungsgemäße Unterhaltung von Gewässern. Die Maßnahmen sind jedoch mit der unteren Naturschutzbehörde abzustimmen;
2.5 für die ordnungsgemäße Nutzung des im Steinenbachtal auf Grundstück Flurstück Nr. 1484 aufgestauten Weihers und der angrenzenden Erholungsanlagen auf Grundstück Flurstück Nr. 1483 im bisherigen Umfang.

§ 7 Befreiung

Die untere Naturschutzbehörde kann Antragsteller nach § 63 NatSchG von den Vorschriften dieser Verordnung befreien.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG verhält sich, wer im Landschaftsschutzgebiet

1.            vorsätzlich oder fahrlässig Handlungen vornimmt, die nach § 4 dieser Verordnung verboten sind;

2.            ohne Erlaubnis Handlungen vornimmt, die nach § 5 dieser Verordnung durch die untere Naturschutzbehörde erlaubt werden müssen.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung im Mitteilungsblatt der Gemeinde Schnürpflingen in Kraft.

Ulm, 8. Juni 1999

Landratsamt Alb‑Donau‑Kreis

Untere Naturschutzbehörde

Dr. Wolfgang Schürle

Landrat

 



. 6. Ergänzungslieferung 1999 5.49