4.25.115 Staig

Verordnung des Landratsamts Alb-Donau-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet  "Staig"  vom 2. Juli 1999 (Mitteilungsblatt Staig v. 16.07.1999).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 Naturschutzgesetz (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (Gesetzblatt Seite 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Staig, Alb-Donau-Kreis, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Staig".

§ 2 Schutzgegenstand

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 244 ha und umfaßt folgende Landschaftsteile:

Landschaftsteil Nr. 1: Weihungstal mit rund 190,5 ha
Das Landschaftsschutzgebiet beginnt im Norden an der Gemeindegrenze zu Illerkirchberg und endet im Süden an den Gemeindegrenzen zu Schnürpflingen und Illerrieden-Dorndorf. Die Abgrenzung beruht auf den Vorgaben des Flächennutzungsplanes und den Bebauungsplänen. Die Ortslagen von Essendorf, Harthausen, Staig und Steinberg sowie große zusammenhängende Waldgebiete sind nicht Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes.
Auf seiner Ostseite wird das Landschaftsschutzgebiet durch die Kreisstraße K 7371 und in den Gewannen "Mühlwiesen", "Espan" und "Essental" durch die Hangkante beziehungsweise den Ortsverbindungsweg zwischen Buch und Steinberg begrenzt.
Bei Steinberg bilden die Hangkante beziehungsweise der westliche und südliche Ortsrand die Grenze.
Im weiteren Verlauf Richtung Süden wird das Landschaftsschutzgebiet in den Gewannen "Ölsberg" und "Pfarrbühl" durch die Hangkante beziehungsweise den Waldrand begrenzt. Im Wald bildet der Forstwirtschaftsweg die Grenze.
Auf der Westseite sind die Gewanne "Weiherwiesen" und "Unterer Brühl" Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes. Sie werden durch die Gemeindegrenze zu Illerkirchberg, den Wegen Nr. 61, 67/1 und 895/6 sowie durch die Kreisstraße K 7371 begrenzt..
Im weiteren Verlauf bildet die Kreisstraße K 7371 beziehungsweise der östliche Ortsrand von Staig die Grenze des Landschaftsschutzgebietes.
Ab dem südlichen Ortsrand von Staig verläuft die Grenze des Landschaftsschutzgebietes westlich des Gewannes "Hessental" entlang des Hauptwirtschaftsweges Nr. 1807 zum Waldrand westlich des Gewannes "Reutäcker". Ab dem Gewann "Reutäcker" wird das Landschaftsschutzgebiet durch den Waldrand begrenzt. Nördlich der Gemeindegrenze zu Schnürpflingen werden die Gewanne "Kangletwiesen" und "Berg" mit in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen. Hier bilden der Waldwirtschaftsweg, die Kreisstraße K 7371 und die Gemeindegrenze die Grenze des Landschaftsschutzgebietes.

Landschaftsteil Nr. 2: Reichenbachtal mit rund 53,5 ha
Dieser Landschaftsteil umfaßt den Talgrund und den hauptsächlich nach Nordwesten exponierten Hangbereich. Die Hangkante bildet die südöstliche Grenze des Landschaftsschutzgebietes.
Im Norden beginnt das Landschaftsschutzgebiet am westlichen Ortsrand von Staig. Zwischen Staig und Weinstetten verläuft die Grenze entlang der Landesstraße L 1261. Im Bereich der Gewanne "Mühlhalden" und "Gernäcker" wird bis zur Landesstraße L 1242 ein kleines Seitental mit in das Landschaftsschutzgebiet einbezogen.
In seinem weiteren Verlauf findet das Landschaftsschutzgebiet seine Abgrenzung im Westen durch den östlichen Ortsrand von Weinstetten, den Wegen Nr. 1554 und 1539 sowie durch die Gemeindegrenze zu Schnürpflingen. Im Süden erfolgt die Abgrenzung durch den Weg Nr. 1853.

 (2) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in zwei Flurkarten im Maßstab 1 : 5 000 vom 2. Juli 1999 und in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 vom 2. Juli 1999 mit grüner Farbe eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm und beim Bürgermeisteramt in Staig zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

beim Landschaftsteil Nr. 1 "Weihungstal":
die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Weihungstales zu erhalten;
die charakteristischen, landschaftsbildprägenden und ökologisch wertvollen Kulturlandschaftselemente, wie Feldraine, Feldgehölze und Feldhecken, Streuobstwiesen, Einzelbäume, Ufergehölze, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtstreifen, Röhrichte, Erlen-/Weiden-Bruchwald sowie Feucht- und Naßwiesen zu erhalten; unverbaute und landschaftsästhetisch ansprechende Teile der Kulturlandschaft als regional und lokal bedeutsamen Erholungsraum zu erhalten;

beim Landschaftsteil Nr. 2 "Reichenbachtal":
die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Reichenbachtales zu erhalten;
die charakteristischen, landschaftsbildprägenden und ökologisch wertvollen Kulturlandschaftselemente, wie Feldraine, Feldgehölze und Feldhecken, Streuobstwiesen, Einzelbäume, Ufergehölze, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtstreifen sowie Feucht- und Naßwiesen zu erhalten;
unverbaute und landschaftsästhetisch ansprechende Teile der Kulturlandschaft als regional und lokal bedeutsamen Erholungsraum zu erhalten.

§ 4 Verbote

Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem Schutzzweck entgegenstehen, sind verboten. Dies gilt besonders, wenn dadurch:

1.            der Naturhaushalt geschädigt wird;

2.            die Naturgüter nicht mehr ausreichend und nachhaltig genutzt werden können;

3.            das Landschaftsbild erheblich nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise erheblich beeinträchtigt wird;

4.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft erheblich beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

1.            Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck entgegenstehen können, müssen von der unteren Naturschutzbehörde erlaubt werden.

2.            Der Erlaubnis bedarf es insbesondere, um:
2.1 bauliche Anlagen nach der Landesbauordnung - in der jeweils geltenden Fassung - zu errichten, zum Beispiel Feldhäuschen, Geschirrhütten, Fahrsilos, Dunglegen mit Bodenplatte oder dem Errichten gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, auch wenn diese nicht baurechtlich oder wasserrechtlich genehmigt werden müssen.
Im Landschaftsschutzgebiet ist es grundsätzlich möglich, neue landwirtschaftliche Betriebsaussiedlungen zu errichten beziehungsweise landwirtschaftliche Anwesen zu erweitern;
2.2 Einfriedigungen zu errichten, auch wenn diese baurechtlich nicht genehmigt werden müssen. Weidezäune und forstliche Kulturzäune, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Zweck dienen, sind erlaubnisfrei;
2.3 ober- oder unterirdische Leitungen aller Art zu verlegen oder zu ändern;
2.4 Steine, Kies, Sand, Lehm oder andere Bodenbestandteile abzubauen, zu entnehmen oder einzubringen oder die Bodengestalt auf andere Weise zu ändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen. Erlaubnisfrei sind Auffüllungen zur Bodenverbesserung auf Ackerflächen bis zu maximal 20 cm Auffüllhöhe, wenn die Auffüllung innerhalb der genehmigungsfreien Flächenbegrenzung nach der Landesbauordnung beziehungsweise dem Naturschutzgesetz - in der jeweils geltenden Fassung liegt. Beim Inkrafttreten dieser Landschaftsschutzgebietsverordnung sind nach § 50 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 67 des Anhangs zu § 50 Abs. 1 der Landesbauordnung - in der Fassung vom 8.August 1995 Auffüllungen mit nicht mehr als 300 m 2 Fläche genehmigungsfrei;
2.5 Gegenstände zu lagern, wenn sie nicht für die zulässige Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;
2.6 Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen oder zu verändern;
2.7 Spiel-, Sport- oder Motorsportanlagen, Freizeitflächen oder Freizeiteinrichtungen, wie zum Beispiel Grillstellen oder Spielgeräte, anzulegen oder zu verändern;
2.8 Start- und Landeplätze, Gelände für Fluggeräte aller Art, wie zum Beispiel Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme, Flugmodelle anzulegen oder zu verändern;
2.9 Motorsport sowie motorbetriebene Sportgeräte aller Art zu betreiben;
2.10 Wohnwagen, Wohnmobile oder andere Kraftfahrzeuge oder Verkaufsstände außerhalb der zugelassenen Plätze auf- oder abzustellen oder mehrtägig zu zelten;
2.11 fließende oder stehende Gewässer, wie zum Beispiel Fischteiche, anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungsmaßnahmen oder andere Maßnahmen durchzuführen, die den Wasserhaushalt des Gebietes verändern. Bestehende Drainagen dürfen instandgehalten beziehungsweise instandgesetzt werden;
Boote, Flöße oder andere schwimmende Anlagen zu verankern oder Stege zu errichten;
2.12 neu aufzuforsten;
2.13 wesentliche Landschaftsbestandteile wie Feldraine, Feldgehölze, Feldhecken, Ufergehölze, Gebüsche, Streuobstwiesen, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtbeständen, Röhrichte oder Naßwiesen zu beseitigen oder zu verändern;
Bäume, Sträucher oder Gehölzgruppen außerhalb des geschlossenen Waldes zu beseitigen oder zu verändern. Der ordnungsgemäße Pflegeschnitt von Obstbäumen sowie das abschnittsweise auf den Stock setzen von Feldhecken, Feldgehölzen und Gebüschen sind erlaubnisfrei;
2.14 das Gebiet mit Kraftfahrzeugen und Krafträdern zu befahren. Fahrzeuge, die zur Bewirtschaftung und zulässigen Nutzung des Grundstückes notwendig sind, sind hiervon ausgenommen;
2.15 Plakate-, Bild- oder Schrifttafeln, Werbeanlagen aufzustellen oder anzubringen;
2.16 Freizeitaktivitäten durchzuführen, wenn sie die natürliche Vegetation oder Oberbodenschicht beeinträchtigen können;
2.17 Kleingärten, Baumschulen oder Gärtnereien anzulegen oder die Bodennutzung auf andere Weise wesentlich zu ändern;.
2.18 Dauerbrache - nicht genutztes, offen gehaltenes Grünland - umzubrechen. Im Zuge der Agrarreform von 1993 vorübergehend stillgelegte Flächen sind von der Dauerbrache nicht umfaßt;
2.19 Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

3.            Handlungen sind zu erlauben, wenn sie keine der in § 4 genannten Wirkungen zur Folge haben. Dasselbe gilt, wenn solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Die Erlaubnis kann mit Auflagen oder Bedingungen oder befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich entgegenstehen.

4.            Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erteilt wird.

§ 6 Zulässige Handlungen

1.            Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes:
1.1 ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung nach den jeweils geltenden rechtlichen Bestimmungen. Zu einer ordnungsgemäßen landwirtschaftlichen Bodennutzung gehört es insbesondere nicht,
a) die Bodengestalt durch Auffüllungen oder Abgrabungen zu verändern,
b) Dauerbrache - nicht genutztes, offen gehaltenes Grünland - umzubrechen. Im Zuge der Agrarreform von 1993 vorübergehend stillgelegte Flächen sind von der Dauerbrache nicht umfaßt,
wesentliche Landschaftsbestandteile wie Feldraine, Feldgehölze, Feldhecken, Ufergehölze, Gebüsche, Streuobstwiesen, Tümpel, Bachrinnen mit Röhrichtbeständen, Röhrichte oder Naßwiesen zu beseitigen, zu zerstören oder zu verändern. Ausgenommen sind der ordnungsgemäße Pflegeschnitt von Obstbäumen sowie der Rückschnitt und das abschnittsweise auf den Stock setzen von Feldhecken, Feldgehölzen und Gebüschen.
1.2 ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bewirtschaftung gemäß Landeswaldgesetz. Bauliche Maßnahmen sind hiervon nicht umfaßt;
1.3 ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei.

2.            Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten ferner nicht:
2.1 für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;
2.2 für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle oder im Wald im Einvernehmen mit der Landesforstverwaltung zugelassen werden;
2.3 für die Unterhaltung und Instandsetzung rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen wie Straßen und Wege, Betriebsanlagen der öffentlichen Wasserversorgung, sonstige Versorgungs- und Entsorgungsanlagen, Fernmeldeanlagen sowie Schutzzäune an Verkehrswegen;
2.4 für die ordnungsgemäße Unterhaltung von Gewässern. Die Maßnahmen sind jedoch mit der unteren Naturschutzbehörde abzustimmen.

§ 7 Befreiung

Die untere Naturschutzbehörde kann Antragsteller nach § 63 NatSchG von den Vorschriften dieser Verordnung befreien.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG verhält sich, wer im Landschaftsschutzgebiet:

1.            vorsätzlich oder fahrlässig Handlungen vornimmt, die nach § 4 dieser Verordnung verboten sind;

2.            ohne Erlaubnis Handlungen vornimmt, die nach § 5 dieser Verordnung durch die untere Naturschutzbehörde erlaubt werden müssen.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung im Mitteilungsblatt der Gemeinde Staig in Kraft.

Ulm, 2. Juli 1999

Landratsamt Alb-Donau-Kreis

Untere Naturschutzbehörde

Dr. Wolfgang Schürle ; Landrat

 



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