4.26.043 Bellamonter Rottum mit Krummbachhang

 Verordnung des Landratsamtes Biberach als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Bellamonter Rottum mit Krummbachhang" vom 19.März 1999.

Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher beschriebenen Flächen auf dem Gebiet der Stadt Ochsenhausen und der Gemeinde Steinhausen an der Rottum, Landkreis Biberach, werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Bellamonter Rottum mit Krummbachhang".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Schutzgebiet "Bellamonter Rottum mit Krummbachhang" hat eine Größe von ca. 183 ha.

(2) Das Schutzgebiet umfasst im wesentlichen auf Gemarkung Ochsenhausen von der südlichen Stadtgrenze in Richtung Südwesten den Talbereich der Bellamonter Rottum mit seitlichen Tobeln und Hanglagen sowie dem Krummbachhang bis zur Gemarkungsgrenze Rottum, auf der anschließenden Gemarkung Rottum den Talbereich der Bellamonter Rottum bis zur nördlich der Ortslage gelegenen Kehre der K 7570.

(3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Landratsamtes Biberach vom Oktober 1998 im Maßstab 1 : 5 000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000, gekennzeichnet und grün angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Landratsamt Biberach in Biberach und bei den Bürgermeisterämtern Ochsenhausen und Steinhausen an der Rottum zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Das Tal der Bellamonter Rottum mit Krummbachhang ist Dank der Topografie und des überreichen Wasserhaushalts ein noch relativ naturnahes Wiesentälchen mit Feucht‑ und Nasswiesen, mäandrierendem Bachlauf und daran angrenzenden Auewald, sowie trockenwarme Steilhangbereiche. Die Ausweisung verfolgt den Zweck, dieses schöne Landschaftsbild, aber auch die dortige Artenvielfalt von Flora und Fauna zu erhalten oder gar noch zu verbessern.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalte

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebiets verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere,

1.            wesentliche Landschaftsbestandteile, wie landschaftsprägende Bäume, Streuobstbestände, Hecken, Gebüsche, Feld‑ und Ufergehölze, Schilf‑ und Röhrichtbestände, Böschungen und Hohlwege, zu beseitigen, zu zerstören oder zu ändern;

2.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.            Stätten für Sport und Spiel einschließlich Motorsportanlagen anzulegen oder zu verändern, sowie Motorsport zu betreiben;

5.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen;

8.            neu aufzuforsten oder Christbaum‑ und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen oder Umwandlung von Laub‑ in Nadelwald;

9.            Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

10.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen und Bedingungen befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese im Einvernehmen (mit)*) der unteren Naturschutzbehörde erteilt wird.

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*) eingefügt: LfU

§ 6 Zulässige Handlungen

(1) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 4 und 5 gelten nicht für die im Sinne des Naturschutzgesetzes

1.            ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung, die den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Dies gilt insbesondere mit der Maßgabe, daß
a)
die Bodengestalt nicht verändert wird,
b)
Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird,
c) wesentliche Landschaftsbestandteile, wie landschaftsprägende Bäume, Streuobstbestände, Hecken, Gebüsche, Feld‑ und Ufergehölze, Schilf‑ und Röhrichtbestände, Böschungen und Hohlwege, nicht beseitigt, zerstört oder geändert werden;

2.            ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bodennutzung, mit der Maßgabe, daß der bestehende Wald zur standortgerechten Bestockung hin gepflegt und umgebaut wird;

3.            ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

(2) Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte dieser Verordnung gelten nicht für den Betrieb, die Erneuerung, die Ergänzung, die Erweiterung, den Neubau, die Neuanlage und den Abbruch von Anlagen, die der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung dienen.

(3) Unberührt bleibt auch die Unterhaltung und Instandsetzung sonstiger rechtmäßigerweise bestehender Einrichtungen.

§ 7 Schlussvorschriften

Notwendige Schutz‑ und Pflegemaßnahmen für die Sicherung und Entwicklung des Schutzgebietes werden durch die untere Naturschutzbehörde festgelegt, soweit sie nicht für Waldflächen im Forsteinrichtungswerk integriert sind. §§ 4 und 5 dieser Verordnung sind insoweit nicht anzuwenden.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 Naturschutzgesetz durch die untere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 5 Abs. 2 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

§ 10 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündigung in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Biberach vom 22.08.1967 über das Landschaftsschutzgebiet "Krummbachhang" außer Kraft.

Biberach/Riß, den 19. März 1999

Landratsamt

Schneider,

Landrat