4.35.038 Eisrandformen zwischen Rebholz und Knellesberg

 Verordnung des Landratsamtes Bodenseekreis über das Landschaftsschutzgebiet "Eisrand­formen zwischen Rebholz und Knellesberg" vom 19. Juli 1996 (Gemeindenachrichten Meckenbeuren vom 31.08.1996).

 Aufgrund von §§ 22 und 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Meckenbeuren, Gemarkung Meckenbeuren, wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Eisrandformen zwischen Rebholz und Knellesberg".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 279 ha.

 (2) Das Schutzgebiet wird im wesentlichen wie folgt begrenzt:

 Die Grenze des Landschaftsschutzgebietes erstreckt sich am östlichen Waldrand des Schussen­waldes nordwestlich von Rebholz beginnend, entlang der Kreisgrenze zwischen den Landkreisen Bodenseekreis und Ravensburg in südöstliche und südliche Richtung. Dabei weicht die Schutzgebietsgrenze bei den Ortschaften Furt und Untertennenmoos von der Kreisgrenze ab und wird um diese Ortschaften herumgeführt. Südlich von Untertennenmoos, im Gewann "Einöde von Tennenmoos", verläßt die Schutzgebietsgrenze die Kreisgrenze in westliche Richtung und verläuft durch die Gewanne "Tennenmooser Esch" und "Knellesberger Wiesen" nach Knellesberg. Der östliche Teilbereich der Ortschaft Knellesberg wird entlang des nördlichen Ortsrandes von der Grenze umfahren. Sie erstreckt sich dann weiter in südliche Richtung bis zur Gemeindegrenze zwischen Meckenbeuren und Tettnang, welche zunächst das Schutzgebiet begrenzt, bevor die Schutzgebietsgrenze dann nördlich des Hofes Marschall (Baldeshäusle) nach Westen abschwenkt und dort im Bereich der K 7719 erneut auf die genannte Gemeindegrenze stößt. Diese bildet von dort, den westlichen Teilbereich von Knellesberg ausgenommen, bis zum Gewann "Weiherwiesen" die Grenze des Schutzgebietes. Weiter erstreckt sich die Schutzgebietsgrenze durch die Gewanne "Weiherwiesen" und "Einöde von Mühlebach" in nördliche Richtung, im weiteren Verlauf entlang eines Weges, bis zur Ortslage Mühlebach, wo sie nach deren östlichen Umfahrung auf die Siggenweiler Straße (K 7719) trifft. Zunächst bildet nach Süden hin die Kreisstraße, danach der südliche Bereich des Flst. Nr. 2419 und dann der östliche Ortsrand von Liebenau in nordwestlicher Richtung die Grenze des Schutzgebietes. Ab dem nördlichen Ortsende von Liebenau erstreckt sich die Grenze entlang der B 467 und dem östlichen Ortsrand von Langentrog bis zum Krebsbach, dessen südliche Böschungsoberkante zunächst in westlicher Richtung die Grenze darstellt. Im weiteren Verlauf bildet der Fußweg zwischen Langentrog und Schwarzenbach und der nordöstliche, nördliche und westliche Ortsrand von Schwarzenbach die Grenze des Schutzgebietes. Vom südwestlichen Ortsrand verläuft die Grenze durch das Gewann "Krumme Äcker" in westliche Richtung zur B 30 und weiter entlang der B 30 und der Gemeindeverbindungsstraße zum Bucherhof bis zum Waldrand im Gewann "Stockwiesen". Bis zur Kreisgrenze im Nordwesten des Schutzgebietes stellt nun der Waldrand des Schussenwaldes die Grenze dar.

Die Ortschaften Senglingen, Hegenberg, Straß/Sandgrub, Berg und Madenreute sind von dieser Verordnung ausgenommen.

(3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in drei Teilkarten im Maßstab 1 : 2 500 des Landratsamtes Bodenseekreis vom 25. März 1996 gekennzeichnet und grün angelegt. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Bodenseekreis - Umweltschutzamt -, Glärnischstraße 1-3, Friedrichshafen und bei der Gemeindeverwaltung, Theodor-Heuss-Platz 1, Meckenbeuren, zur kostenlosen Einsicht für jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist:

 Die Erhaltung der in der Würmeiszeit vom Rheinvorlandgletscher in einer Rückzugs- und Stillstandsphase ausgebildeten Eisrandformen mit den Seitenmoränen, Endmoränen, und dem Auslauf in die Schussenniederung in ihrer vielgestaltigen natürlichen Geomorphologie. Dabei gilt es, die vielfältige Jungmoränenlandschaft mit ihren unterschiedlichen, in den Hangbereichen häufig extensiven strukturreichen Nutzungen, in ihrer Eigenart zu bewahren.

 Die Geländeform der in der Karte schwarz schraffierten Bereiche nach einem planmäßigen Kiesabbau, in Anlehnung an die ursprüngliche Topographie zeitnah zum Abbau zu rekonstruieren. Dabei sind die vom Kiesabbau beanspruchten Flächen durch geeignete Maßnahmen in ein Gebiet mit sowohl ortstypischer landwirtschaftlicher Nutzung, mit Lebensräumen für eine vielfältige Flora und Fauna als auch mit Bereichen für naturverträgliche Erholung wiederherzustellen und auszubilden.

 Die Wiedereingliederung der durch den Kiesabbau beeinträchtigten Landschaftsteile durch Rekonstruierung der ursprünglichen Geländeform in Anlehnung an deren früheren Verlauf und die Entwicklung der Flächen für Zwecke der Erholung, des Biotop- und Artenschutzes sowie der Land- und Forstwirtschaft.

 Die charakteristische Landschaft mit ihren Gehöften, Streuobstwiesen, kleinen Waldflächen, Wiesen oder Weiden und den in Tallagen und Hochflächen regionaltypisch intensiveren landwirtschaftlichen Nutzungen wie Hopfenanbau, Ackerbau und Obstanlagen, soll in ihrer Vielgestaltigkeit und Schönheit gesichert und vor landschaftsfremden Nutzungen verschont werden.

 Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft mit ihren im Zuge der Renaturierungsmaßnahmen noch zu erweiternden Spazier- und Wanderwegen und ihren Ausblickmöglichkeiten in das Schussental, zum Bodensee und den Alpen stellt ein hohes Erholungspotential dar. Diese Landschaft ist deshalb für die erholungssuchende Allgemeinheit zur naturbezogenen Erholung offenzuhalten und zu sichern.

 Die Erhaltung des im Westen typisch dörflich geprägten Ortsbildes von Schwarzenbach und der Blickbeziehungen auf die historischen Gebäude des ehemaligen Klosters Liebenau.

 Die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, insbesondere der naturnahe Verlauf der Schwarzach mit ihrer Ufervegetation und den teils wertvollen Biotopen sowie den an Böschungen und Abbruchkanten vorhandenen Hecken, Feldgehölzen und Ruderalgesellschaften, soll erhalten werden. Des weiteren ist es Ziel, die Entwicklung des Krebsbaches als wichtiges biotopvernetzendes Element zu unterstützen. Im südlichen Bereich dient das Landschaftsschutzgebiet als Puffer zu den wertvollen Biotopflächen des geplanten Naturschutzgebietes "Knellesberger Moos".

 Die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter und die Erhaltung der natürlichen Ressourcen, sowohl der extensiv als auch der intensiv genutzten Flächen, soll durch die Offenhaltung der Kulturlandschaft für künftige Generationen gesichert werden.

§ 4 Verbote

 In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig verändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie keiner Baugenehmigung oder wasserrechtlichen Gestattung bedürfen;

2.            Errichtung von Geschirrhütten und ähnlichen Kleinbauten;

3.            Errichtung von Einfriedungen, Zäunen und lebenden Hecken, sofern es sich nicht um einheimische, frei wachsende ungeschnittene Hecken mit Laubgehölzen handelt, auch wenn sie keiner Baugenehmigung bedürfen;

4.            Verlegen und Ändern ober- oder unterirdischer Leitungen aller Art;

5.            Abbau, Entnahme oder Einbringung von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

6.            Planmäßiger Kiesabbau in dem in der Karte schwarz schraffierten Gebiet, bei Beachtung des Schutzzwecks;

7.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

8.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen,

9.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschl. Motorsportanlagen;

10.        Anlage oder Veränderung von Flugplätzen, von Geländen für das Starten und Landen von Luft­sportgeräten (z. B. Hängegleiter, Gleitflugzeuge, Gleitfallschirme) sowie von Geländen für den Aufstieg von Flugmodellen, - die der luftverkehrsrechtlichen Erlaubnis bedürfen;

11.        Betrieb von Bootsmodellen, motorgetriebenen Flugmodellen und Modellfahrzeugen aller Art;

12.        Betrieb von Motorsport sowie von motorgetriebenen Schlitten;

13.        Fahren mit Fahrzeugen aller Art außerhalb von Straßen und befestigten Wegen;

14.        aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen sowie das Zelten und das Abstellen von Kraftfahrzeugen außerhalb der zugelassenen Plätze;

15.        Entzünden oder Unterhalten von Feuer außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen;

16.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern und die Errichtung von Stegen;

17.        Aufstellung und Anbringung von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

18.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha;

19.        Anlage von Kleingartenanlagen, Neuaufforstungen, Umwandlung von Wald oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

20.        Beseitigung oder Veränderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäumen, Hecken, Gebüsch, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Rohrbestände, Felsen und ähnlichen Naturerscheinungen, soweit diese zum Bild und zur Belebung der Landschaft beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Genehmigung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Genehmigung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Grundstücke, einschließlich der Sonderkulturen, sowie forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            für die sonstige, bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 20;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

5.            für Schutzzäune an Verkehrswegen.

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

 Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 Naturschutzgesetz handelt, wer im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die "Verordnung des Landratsamtes Tettnang zum Schutze von Landschaftsteilen bei Liebenau, Furth, Langentrog, Schwarzenbach, Senglingen und Rebholz" vom 28. Oktober 1957 (Schwäbische Zeitung - Ausgabe Tettnang Nr. 253 vom 31. Oktober 1957) außer Kraft.

Landratsamt Bodenseekreis

- Umweltschutzamt -

Friedrichshafen, den 19. Juli 1996

Tann,

Landrat