4.35.039 Knellesberger Moos

 VO gilt für die LSG 4.35.039 und 4.36.073.

 Verordnung des Regierungspräsidiurns Tübingen über das Natur- und Landschaftsschutzgebiet “Knellesberger Moos” vom 28. August 1996 (GBl. v. 27.09.1996, S. 609).

- A u s z u g -

 Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und von § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemarkung und Gemeinde Meckenbeuren, Gemarkung Tannau der Stadt Tettnang, Landkreis Bodenseekreis und Gemarkung Eschach der Stadt Ravensburg, Landkreis Ravensburg, wird zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung “Knellesberger Moos”.

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rund 61 ha. Davon entfallen auf das Naturschutzgebiet rund 39 ha, auf das Landschaftsschutzgebiet rund 22 ha. Von der gesamten Schutzgebietsfläche liegen rund 46,5 ha im Landkreis Bodenseekreis und rund 14,5 ha im Landkreis Ravensburg.

 Das Schutzgebiet umfaßt in einer Talerweiterung im Talzug der Schwarzach im wesentlichen auf Gemarkung Meckenbeuren östlich des Weilers Knellesberg die Gewanne Knellesberger Wiesen und Knellesberger Moos, auf Gemarkung Tannau nordwestlich des Weilers Wiedenbach das Gewann Siggenbrühl sowie auf Gemarkung Eschach südlich des Weilers Tennenmoos das Gewann Eichhölzle.

 (2) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 12. August 1996 im Maßstab 1:2 500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25 000, gekennzeichnet und für das Naturschutzgebiet rot, das Landschaftsschutzgebiet grün angelegt. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen textlicher Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Flurkarte getroffenen Festlegungen.

Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 (3) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

Landschaftsschutzgebiet

§ 6 Schutzzweck

 Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist die Erhaltung und die Entwicklung der für das Naturschutzgebiet notwendigen Ergänzungsräume und Pufferzonen mit dem für den Übergang der an

der Schwarzach bachaufwärts gelegenen Allgäulandschaft zu dem unterhalb gelegenen Bodenseebecken typischen Landschaftsbild und Geländerelief mit dem im Gewann Eichhölzle gelegenen Drumlin sowie die Erhaltung und vor allem Entwicklung eines Verbundes naturnaher Biotope im Zusammenhang mit dem Naturschutzgebiet, wobei auf landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Extensivierung und Renaturierungsmaßnahmen alte Formen der Landnutzung, insbesondere Streuobst-, Streu- und Riedwiesen in ihrer Funktion als vernetzte Lebensräume, gepflegt und wiederbegründet werden sollen.

§ 7 Verbote

 Im Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt werden kann.

§ 8 Erlaubnisvorbehalte

 (1) Handlungen, die den Charakter des Landschaftsschutzgebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedarf es insbesondere

1.            wesentliche Landschaftsbestandteile, insbesondere markante Einzelbäume oder Baumgruppen, Streuobstbestände, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze oder Böschungen zu beseitigen oder zu zerstören;

2.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

3.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

4.            Stätten für Sport und Spiel anzulegen oder zu verändern;

5.            Start- und Landeplätze für Fluggeräte aller Art anzulegen sowie Flugmodelle zu betreiben;

6.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern können;

7.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

8.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Auffüllungen und Abgrabungen;

9.            neu aufzuforsten oder Christbaum- oder Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

10.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.        Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

12.        Pflanzenschutzmittel außerhalb land- und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke zu verwenden;

13.        Motorsport zu betreiben;

14.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen;

15.        Gegenstände zu lagern, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in §§ 7 und 8 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen. durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde ergangen ist.

§ 9 Zulässige Handlungen

Die Verbote und Erlaubnisvorbehalte der §§ 7 und 8 gelten nicht für

1.            die ordnungsgemäße Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und der Fischerei;

3.            die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren ordnungsgemäße Unterhaltung und Instandsetzung;

4.            Pflegemaßnahmen die von der höheren Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit dem Forstamt - veranlaßt werden;

5.            behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 10 Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen

 Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen können für das Natur- und Landschaftsschutzgebiet von der höheren Naturschutzbehörde durch Einzelanordnung oder in einem Pflegeplan - für den Wald jeweils einvernehmlich mit der Forstverwaltung - festgelegt werden.

§ 11 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 12 Ordnungswidrigkeiten

 (1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

1.            im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

2.            im Landschaftsschutzgebiet nach § 7 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt,

3.            im Landschaftsschutzgebiet entgegen § 8 dieser Verordnung ohne vorherige Erlaubnis Handlungen vornimmt.

 (2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs.2 Nr.7 LJagdG handelt, wer im Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 3 die Jagd ausübt.

§ 13 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Tübingen, den 28. August 1996

Dr. Gögler