4.36.070 Adelegg und zugehöriges tertiäres Hügelvorland

 Verordnung des Landratsamtes Ravensburg als untere Naturschutzbehörde zur Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets "Adelegg und zugehöriges tertiäres Hügelvorland" vom 31. März 1994 (Schwäbische Zeitung vom 09.04.1994).

 Aufgrund der §§ 22, 58 Abs. 3, 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz) vom 21.10.1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 12.12.1991 (GBl. S. 848), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

 Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf den Gebieten der Städte Isny und Leutkirch wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Schutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Adelegg und zugehöriges tertiäres Hügelvorland."

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von ca. 6 900 ha. Es umfaßt Bereiche der Gemarkungen Isny, Großholzleute, Rohrdorf und Neutrauchburg, Stadt Isny und der Gemarkungen Herlazhofen, Friesenhofen und Winterstetten, Stadt Leutkirch.

 (2) Das Landschaftsschutzgebiet wird durch folgende in das Schutzgebiet einbezogene Flurstücke und Bäche bzw. außerhalb des Schutzgebietes liegende Straßen, Wege und Gemarkungsgrenzen begrenzt (beschrieben im Uhrzeigersinn und beginnend auf Gemarkung Herlazhofen an der Kreuzung zwischen L 318 und L 319 und bezogen auf den Verlauf der Straßen und Wege am Tage des Inkrafttretens:

a) Im Norden ab der Kreuzung zwischen der L 318 und der L 319 folgend bis zur Einmündung des Feldweges vom Urlauer Tann. Entlang der Flurstücke Nr. 222, 1224, 232, 234, 261/1, 235/1, 241, 240/2, 242 bis zur Kreis- und Landesgrenze, dieser folgend bis Schmidsfelden;

b) im Osten und Süden ab Schmidsfelden durch die Kreis- und Landesgrenze zu Bayern bis westlich des Rotbaches, Gemarkung Isny,

c) im Westen ab der Landesgrenze westlich des Rotbaches, entlang der Flurstücke 1251, 1365/1, 1365/2, 1363/3, 1363/1, 1360 Gemarkung Isny und 114, 48/6 Gemarkung Großholzleute, bis zur B 12 bei Ziegelstadel. Weiter entlang dem Haslachwald und der Flurstücke 46/1, 45/10, 45/11, 45/26, 45/15, 45/16, 45/20, Gemarkung Großholzleute bis Burkwang. Ab hier der Gemeindeverbindungsstraße (GVS), Flst. Nr. 43 Kleinhaslach-Burkwang in Richtung Süden folgend, bis zur Abzweigung des Weges Flst. Nr. 1/9. Ab der Wegegabelung entlang der Flurstücke Nr. 45/18, 1/3, 43/5, 42/5, 1/6, 42/2, 30/1 bis zur ehemaligen Bahnlinie, Flst. Nr. 119, Gemarkung Großholzleute. Dieser Flurstücksgrenze in nördlicher Richtung folgend bis zum Rotbach.
Dem Rotbach folgend bis Burkwang. Dort abzweigend an der Grenze des Flst. Nr. 8, entlang dem Weg Flst. Nr. 8/4.
Dieser GVS Burkwang-Kleinhaslach-Weidach-Achen entlang folgend bis zum landwirtschaftlichen Anwesen Achen Nr. 2. Auf Höhe des quer zur Straße stehenden landwirtschaftlichen Gebäudes entlang einer senkrecht zur Straße gelegten Linie quer durch das Flst. Nr. 590 zum Grenzpunkt mit Flst. Nr. 591, Gemarkung Neutrauchburg. Dem Flst. Nr. 591 entlang bis zur Gemarkungsgrenze Neutrauchburg Flst. 1/ Isny, an den Flurstücken Nr. 583, 8/3, 576, 574, 570, 569 entlang bis zur GVS Neutrauchburg-Menelzhofen, dieser folgend bis Menelzhofen. Ab Menelzhofen der GVS Menelzhofen-Beuren folgend bis zum Auftreffen auf die Gemarkungsgrenze Beuren folgend bis zur Gemarkungsgrenze Beuren-Friesenhofen; der Gemarkungsgrenze Friesenhofen folgend bis zur L 320, dieser entlang bis Boschen. Ab Boschen entlang der GVS Boschen-Speckenloch-Urlau bis Urlau. In Urlau entlang der Missener Straße bis zur Eschachbrücke, von dort weiter über die Kramerstraße, Fetzachweg, Oberer Dorfweg zur Landesstraße (GVS) und zur Kreuzung L 318 / L 319.

 Die der Begrenzung zugrundegelegten Flurstücksnummern sind Flurkarten auf dem Stand vom 01.01.1993 entnommen.

 (3) Ausgenommen vom räumlichen Geltungsbereich des Schutzgebietes sind die bewirtschafteten Hofstellen (Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie die angrenzenden Hausgärten) von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben und die Ortschaften Urlau, Hinznang, Winterstetten, Friesenhofen, Gewerbegebiet Friesenhofen-Bahnhof - alle Stadt Leutkirch - und Rohrdorf, Ratzenhofen, Großholzleute, Bolsternang, Weidenhalden, Argen - alle Stadt Isny - in dem in den Flurkarten grün gestrichelt eingezeichneten Umfang.

 (4) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebiets sind in zwei Übersichtskarten im Maßstab 1 : 25 000 und in 75 Flurkarten (SO 7265-7268, 7365-7370, 7466-7470, 7565-7570, 7664-7670, 7764-7770, 7864-7871, 7965-7972, 8067-8072, 8166-8171, 8266-8271, 8367-8370, 8468, 8568) je im Maßstab 1 : 2 500 grün eingetragen. Die Karten sind Bestandteil dieser Verordnung. Im Falle von Widersprüchen zwischen zeichnerischer und wörtlicher Darstellung hat die zeichnerische Darstellung Vorrang. Die Verordnung mit den Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde Ravensburg in 88212 Ravensburg, Friedenstraße 6, verwahrt; Mehrfertigungen der Verordnung mit den Karten befinden sich auch bei den Bürgermeisterämtern in Isny und Leutkirch. Die Verordnung und die Karten können während der üblichen Dienststunden eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

 Das "Landschaftsschutzgebiet Adelegg und zugehöriges tertiäres Hügelvorland" umfaßt den Höhenzug der Adelegg, die benachbarten Erhebungen Aigeltshofer Berg, Rangenberg, Thomasberg, Blasenberg, Hasenberg, Hochreute und Iberberger Kugel sowie die vorgelagerten und zwischen den Erhebungen liegenden Talräume.

 In langer land- und forstwirtschaftlicher Nutzung entstand eine enge Verzahnung von Grünland und Wald, die sich vor allem durch die Hangweiden und Hochalpweiden ergibt. Sie und die reiche morphologische Gliederung, insbesondere der Waldgebiete mit steil eingeschnittenen, schwer zugänglichen Tobeln und einsamen Tälern prägen das Landschaftsbild der Adelegg.

 Die vorhandenen Grünlandbereiche, die Gehölze entlang der Bach- und Flußläufe und die für das Allgäu so charakteristischen Einzelhöfe und Weiler bilden in sich selbst und in Verbindung mit den umliegenden Erhebungen ein erhaltenswertes Landschaftsbild.

 Diese landschaftliche Eigenart der reichen Gliederung von weiten Talräumen und aufragenden Erhebungen, Grünland, Hangweiden, Alphochflächen und Wald und deren Wirkung auf den Naturhaushalt soll vorrangig geschützt werden.

§ 4 Verbote

 In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis des Landratsamtes Ravensburg als untere Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen, soweit nicht bereits Nr. 1 Anwendung findet;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm, Torf oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, Motorsportanlagen und von Flugplätzen;

8.            Ausübung von Motorsport und Betrieb von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Anlage oder Veränderung von Loipen und Skipisten;

10.        Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

13.        Errichtung von Feuer- und Grillstellen;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha; weitergehende Regelungen der Bodenschutzwaldverordnungen bleiben unberührt;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

16.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Bäume, Hecken, Gebüsche, Feld- und Ufergehölze, Schilf- und Rohrbestände, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen; die einzelstammweise Nutzung und das abschnittsweise Auf-den-Stocksetzen fallen nicht darunter.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck unwesentlich zuwiderlaufen.

 (5) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften gleichzeitig erforderliche Gestattung ersetzt. Diese darf nur unter den Voraussetzungen des Absatzes 3 und nur im Einvernehmen mit der unteren Naturschutzbehörde erteilt werden. Sätze 1 und 2 gelten nur, soweit andere Rechtsvorschriften nicht entgegenstehen.

 (6) Eine nach Absatz 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 2 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 2 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

 (7) Die Vorschriften des Straßenverkehrsgesetzes und des Baurechts bleiben unberührt.

§ 6 Zulässige Handlungen

 Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für Handlungen im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei, mit der Maßgabe, daß die Schalenwildbestände entsprechend den jagdrechtlichen Bestimmungen so reguliert werden, daß eine natürliche Verjüngung der vorkommenden Hauptbaumarten Buche und Tanne ohne Schutzmaßnahmen möglich ist;

3.            die ordnungsgemäße Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 16;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der unteren Naturschutzbehörde oder einer von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung - veranlaßt werden;

7.            für den Kiesabbau bei Rimpach auf der dafür bereits genehmigten Fläche.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

 Die untere Naturschutzbehörde kann die erforderlichen Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen durch Einzelanordnungen festlegen.

§ 8 Befreiungen

 (1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann im Einzelfall auf Antrag Befreiung erteilt werden, wenn

1.            überwiegende öffentliche Belange die Befreiung erfordern oder

2.            der Vollzug der Verordnung zu einer offenbar nicht beabsichtigten Härte führen würde und die Abweichung mit den öffentlichen Belangen vereinbar ist.

 (2) Die Befreiung kann unter Nebenbestimmungen (Auflagen, Bedingungen, Befristungen, Widerrufsvorbehalt) erteilt werden. Um die Erfüllung von Auflagen zu gewährleisten, kann eine angemessene Sicherheitsleistung verlangt werden.

 (3) Die Befreiung wird vom Landratsamt Ravensburg als untere Naturschutzbehörde erteilt. Bei großflächigen und anderen schwerwiegenden Eingriffen bedarf die Erteilung der Befreiung der vorherigen Zustimmung des Regierungspräsidiums Tübingen als höhere Naturschutzbehörde.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

 Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer im Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i.V.m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

 Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu 100 000 DM geahndet werden.

§ 10

 Sonstige naturschutzrechtliche Vorschriften, insbesondere über Naturschutzgebiete, Naturdenkmale und besonders geschützte Biotope, bleiben unberührt.

§ 11 Aufhebung bestehender Verordnungen

 Die bisher für einen Teil des Gebietes bestehenden Landschaftsschutzverordnung wird aufgehoben. Es handelt sich hierbei um:

Die Verordnung zum Schutze der Adelegg im Kreis Wangen i.A. vom 20. Februar 1952 (bekannt­gegeben im Amtsblatt des Kreises Wangen).

§ 12 Inkrafttreten

 Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

Ravensburg, den 31.03.1994

Landratsamt

gez. Dr. Blaser

Änderung:

 Durch VO vom 06.05.1998 (NSG 4291 „Rimpacher Moos - Weites Ried“) Fläche um 86 ha verkleinert.