Bioklimakarten

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Bioklimakarten - Interpretation und Bewertung

 
Zur Charakterisierung von unterschiedlichen Landschaften nach der Stärke der biometeorologischen Anforderungen an die Thermoregulation wird die Häufigkeit des Auftretens von Wärmebelastung und von Kältereizen tagsüber trotz jeweils angepasster Bekleidung benutzt.

So ist auf den Bioklimakarten die räumliche Verteilung der Tage mit Wärmebelastung bzw. mit Kältereizen, die im vieljährigen Durchschnitt zu erwarten ist, dargestellt. Dabei versteht man unter einem Tag mit Wärmebelastung bzw. Kältereiz einen Tag, an dem tagsüber ein fester Wert der Gefühlten Temperatur überschritten wird bzw. das Tagesmittel zwischen 7:00 und 19:00 MEZ einen festen Wert unterschreitet.

Wärmebelastung tritt hauptsächlich bei sommerlichen, strahlungsreichen Hochdruckwetterlagen mit geringer Luftbewegung auf. Kältereiz dagegen ist mit niedrigen Temperaturen und höheren Windgeschwindigkeiten verknüpft.

In Baden-Württemberg wird Wärmebelastung am häufigsten im Oberrheingraben, häufig aber auch im Neckartal und im Bereich des Bodensees erwartet, in den Hochlagen von Schwarzwald und Schwäbischer Alb dagegen kaum. Hier spiegelt sich insbesondere die Höhenabhängigkeit der thermischen Bedingungen wider.
Allerdings trägt auch die Landnutzungsverteilung zu den tatsächlich auftretenden großen Unterschieden bei. Denn der Wald, der die Nutzung des Schwarzwaldes dominiert, und auch auf der Alb häufig, im Oberrheingraben dagegen nur vereinzelt anzutreffen ist, reduziert mit seiner ausgleichenden Wirkung die Wärmebelastung. Des weiteren kommt hinzu, dass innerhalb von Bebauung gegenüber den umliegenden Freiflächen die thermische Belastung zunimmt. So wird der Unterschied im sommerlichen Bioklima zwischen den Städten am Fuße des Schwarzwaldes (zum Teil mehr als 35 Tage mit Wärmebelastung) und den bewaldeten Hochlagen (weniger als 2 Tage mit Wärmebelastung) besonders groß.
In Gebieten, in denen die Höhe nur einen geringen Beitrag zur bioklimatischen Variabilität beitragen kann , wie z. B. innerhalb des Oberrheingrabens, lassen sich die Auswirkungen unterschiedlicher Landnutzung gut nachvollziehen. So treten die wenigen Waldflächen (z. B. die Rheinauen) als geringer belastete Areale deutlich hervor. Im Sommer bieten diese Wälder also eine Möglichkeit zur thermischen Entlastung des Organismus.
Siedlungsgebiete zeigen das umgekehrte Bild. Noch häufiger als im Umland wird man hier mit Wärmebelastung konfrontiert. Das ist insbesondere deshalb ungünstig, weil viele Städte wie z. B. Karlsruhe, Stuttgart oder auch Heilbronn bevorzugt in der Ebene und entlang der Flusstäler in Gebieten mit einer bereits hohen Hintergrundbelastung liegen.

Im Winter bestimmen in den Hochlagen des Schwarzwaldes und - etwas weniger extrem - der Schwäbischen Alb Kältereize das Bioklima. In den tiefer gelegenen Gebieten treten dagegen weniger, im Oberrheingraben, am Hochrhein und im unteren Neckartal nur selten Tage mit Kältereiz auf. Die hiermit verbundene Höhenabhängigkeit ist deutlich zu erkennen.
Daneben bildet sich aber auch der Einfluss von Oberflächenform und Art der Landnutzung ab. In windgeschützten Tallagen ist der Mensch seltener Kältereizen ausgesetzt als bei gleicher Höhe in ebenem Gelände oder gar auf windexponierten Bergkuppen. Beispielsweise gibt es in einigen Taleinschnitten der Schwäbischen Alb etwas seltener Kältereize als in gleicher Höhenlage im Hinterland des Bodensees. Die Auswirkungen der Nutzungen Siedlung und Wald weisen im Gegensatz zur sommerlichen Belastungssituation in die gleiche Richtung, und zwar entlastend, d.h. in Wäldern und Städten ist gegenüber der Umgebung seltener mit Kältereizen zu rechnen. In der Oberrheinebene, wo Kältereizen keine besondere Bedeutung zukommt, zeichnet sich das in der Karte nur wenig ab. Da mit ansteigender Höhe aber die Reizintensitäten zunehmen, gewinnt die ausgleichende Funktion das Waldes an Bedeutung. So kann man nur knapp unterhalb der unbewaldeten Gipfellagen des Schwarzwaldes, wo Kältereize am häufigsten und stärksten sind, durch Aufsuchen des Waldes in eine weniger reizintensive Umgebung ausweichen.