1.145 Kalksklinge

 

Würdigung

 

 

Zusammenfassung (Auszug)

Über die Besonderheit der Kalktuffelsen hinaus stellt sich die Kalksklinge als eindrucksvoller, naturnaher Landschaftsteil dar.

Der landschaftliche Reiz, den die steile, teils felsige Klinge, der kleine Bachlauf, der sich über Felsbrocken ergießt und dazwischen hindurch windet und der in seiner Moos-, Kraut- und Baumschicht naturnahen Pflanzenbestand ausstrahlt, lassen auch aus dieser Sicht den besonderen Wert der Klinge deutlich werden.

 

Gesamttext

Die naturräumliche Einheit der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge umfaßt als Untereinheiten den Vorderen Mainhardter Wald und die Waldenburger Berge.

Im Bereich des geplanten Naturschutzgebietes „Kalksklinge" bildet die Ohrn die natürliche Grenze beider Einheiten.

Die Ohrn, als linke Nebenbäche aus den Hängen des Mainhardter Waldes kommend, hat mehrere Zuflüsse, die sich in den Schichtstufenrand der Keuperhöhen in markanten Klingen eingeschnitten haben.

Eine dieser Klingen ist die „Kalksklinge", die nördlich von Frohnfalls ihren Ursprung hat.

Der „Kalksklingenbach" mündet dann südlich von Untersteinbach.

Die Kalksklinge ist somit der natürlichen Einheit des Vorderen Mainhardter Waldes zuzurechnen.

Die Hochflächen des Mainhardter Waldes werden vom Stubensandstein eingenommen, während die Ohrn im fraglichen Bereich im Gipskeuper verläuft.

Entsprechend haben die in die Ohrn mündenden Bäche die Keuperschichten der Oberen und Unteren Bunten Mergel mit dem Kieselsandstein und den Schilfsandstein durchflossen.

Die große Besonderheit des „Kalksklingenbaches" ist es dabei, daß sein Quellwasser recht viel gelösten Kalk aufgenommen hat, der sich nach kurzem oberirdischem Lauf in Form von Kalktuff wieder abschneidet und seit langen Jahren abgeschieden hat.

Hierbei sind beim „Kalksbrunnen" recht mächtige und für diesen Landschaftsteil sehr ungewöhnliche Kalktuffelsen entsatnden.

An einem der Felsen, der weiterhin von Quellwasser überrieselt wird, wächst eine Kalkrinne noch laufend weiter.

Diese Kalkfelsen stellen einen besonderen Lebensraum dar, der eine spezielle Lebensgemeinschaft von Pflanzen beherbergt.

Es sind zwar keine große Pflanzen, die auf dem blanken Stein nicht zu wachsen vermöchten, sondern Moose und Farne.

Besonders typisch ist das Kalkintermoos (Cratoreurum commutatum), das der Kalktuff-Quellflur-Gesellschaft den Namen gegeben hat (Cratoneurion- Pflanzengesellschaften).

Unter den Farnpflanzen ragt die Hirschzunge (Phyllitis scolopendrium) heraus.

Sie hat hier ein kleines und daher gefährdetes Vorkommen abseits ihrer sonstigen Verbreitungsschwerpunkte im Bereich des Muschelkalks und vor allem des Weißen Jura der Schwäbischen Alb.

Aus wisseenschaftlichen und ökologischen Gründen besitzt daher der Kalksbrunnen besondere Bedeutung.

Über die Besonderheit der Kalktuffelsen hinaus stellt sich die Kalksklinge als eindrucksvoller, naturnaher Landschaftsteil dar.

Nur ein schmaler Fußpfad zieht sich von unten her in die Klinge bis zum Kalksbrunnen.

Ein befahrbarer Holzwirtschaftsweg bildet die obere deutliche Grenze der Klinge.

Stellenweise werden die sehr steilen Hänge von großen Sandsteinbrocken bedeckt, die vielfach ebenfalls von Moosen überzogen sind.

Im Waldbestand überwiegt die Rotbuche.

Zum Klingengrund hin finden sich auch Eschen und vereinzelt Bergulmen, die den Charakter eines Schluchtwaldes vermitteln.

Randlich sind auch wenige Eichen und Weißbuchen anzutreffen.

Einige Bereiche der Klinge sind allerdings durch Schaffung von Fichtenreinbeständen in ihrer naturnahen Waldbestockung stark gestört und deshalb nicht in das Naturschutzgebiet einbezogen.

Der landschaftliche Reiz, den die steile, teils felsige Klinge, der kleine Bachlauf, der sich über Felsbrocken ergießt und dazwischen hindurch windet und der in seiner Moos-, Kraut- und Baumschicht naturnahen Pflanzenbestand ausstrahlt, lassen auch aus dieser Sicht den besonderen Wert der Klinge deutlich werden.

Auch im Rahmen der landesweiten Kartierung biologisch-ökologisch wertvoller Biotope (Biotopkartierung) wurde die Klinge erfaßt und vorgeschlagen, sie unter Naturschutz zu stellen.

Zur Erhaltung der standortgerechten Laubholzbestockung wurde die dazu erforderliche forstliche Nutzung und Bewirtschaftung durch eine Schonwalderklärung der Forstdirektion Stuttgart geregelt, die in die Naturschutzverordnung übernommen wird.

Weitere Bestimmungen sind zum Schutz und zur Erhaltung der Flora und Fauna der Klinge und der geologischen und gleichzeitig ökologischen Besonderheiten vorzusehen.