2.057 Ersinger Springenhalde (3
Teilgebiete)
Würdigung
des Naturschutzgebietes „Ersinger Springenhalde", Gemeinde
Kämpfelbach, Gemarkung Ersingen, Landkreis Enzkreis
Das Naturschutzgebiet „Ersinger
Springenhalde" umfaßt einen südwest-exponierten, trockenen Hang
(Muschelkalk mit Lößauflage) und - getrennt durch die B 10 - eine schmale von
einem kleinen Bach durchflossene Talaue.
Letztere besteht aus Wiesen
unterschiedlicher Feuchte und Nutzungsintensität.
Neben feuchten, seggenreichen,
brachliegenden Wiesen in unmittelbarer Bachnähe findet sich dauergenutztes
Grünland.
Der Bachlauf wird von wenigen
Erlen (Alnus glutinosa) begleitet.
Der Hang zeigt aufgelassene
Weinberge, Gärten und Streuobstflächen, die durch verschiedene Gehölze
(insbesondere Schlehen Prunus spinosa) reich gegliedert sind, dies ist
Voraussetzung für das Vorkommen einer Reihe gefährdeter Vogelarten wie
Wendehals (Jynx torquilla),
Neuntöter und Raubwürger (Lanius collurio und Lanius excubitor), Dorngrasmücke
(Sylvia communis) und Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus).
In weiten Bereichen wird der Hang,
die eigentliche „Springenhalde", durch Halbtrockenrasenformationen
bestimmt, die besondere Schutzwürdigkeit durch ihre reichen Orchideenvorkommen
erhalten.
Von den insgesamt 14 hier
beobachteten Arten ragt das Vorkommen des besonders gefährdeten Ohnsporns
(Aceras anthropophorum) hervor.
Eine besondere Stellung nehmen
auch die reichen Bestände
der Bienenragwurz (Ophry apifera),
die Vorkommen des Purpurknabenkrautes (Orchis purpurea) und des Kreuzenzianes
(Gentiana cruciata) ein.
Diese Bereiche beherbergen auch
eine reichhaltige Insektenfauna mit einer Reihe gefährdeter Schmetterlingsarten
(Schwalbenschwanz - Papilio machaon, russischer Bär - Panaxia quadripunktaria
etc.).
Die höherliegenden und
südöstlichen Bereiche des Hanges sind bewaldet.
Dieser Wald - heute noch
größtenteils naturnah mit Laubholz (Eichen, Buchen) bestockt - ist ebenfalls
ein wertvoller Lebensraum.
Hervorgehoben werden muß das
Vorkommen aller 3 heimischen Arten der Waldvögelein (Cephalanthera) und zweier
Sumpfwurzarten (Epipactis purpurata, Epipactis helleborine).
In den Laubwaldbeständen brüten
Mäusebussard (Buteo buteo),
Hohltaube (Columba oenas) und Mittelspecht (Dendrocopos medius).
Die besondere Schutzwürdigkeit des
Naturschutzgebietes „Ersinger Springenhalde" liegt also in seinem
Orchideenreichtum und dem anderer gefährdeter Pflanzenarten sowie den
artenreichen Lebensgemeinschaften der Halbtrockenrasen, Gebüsche und Wälder.
Zur Erhaltung und Förderung des
Schutzzweckes bedarf es jedoch gezielter Maßnahmen der Pflege und Gestaltung,
etwa die Unterbindung weiterer Verbuschung der Halbtrockenrasen, die Schonung
der noch vorhandenen Laubholzbestände, denen eine Umwandlung in Fichtenmonokulturen
droht und die Eindämmung der Entwicklung, neue Gärten anzulegen und
Wochenendhäuschen zu errichten.
Mahler
Karlsruhe, 06.08.1979