3.219 Weiherbachtal

 

Würdigung

 

 

Gutachten über das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Weiherbachtal" Gemarkung Wolterdingen, Stadt Donaueschingen, Landkreis Schwarzwald-Baar-Kreis

 

1. Lage, Geologie, Klima (1)

Charakterisierung: Talniederung mit großflächigen Feuchtwiesen unterschiedlicher Ausprägung (z.T. brachliegend) und einem Weiher mit umgebendem Großseggenried

Lage: Östlich bzw. nordöstlich von Wolterdingen (ca. 6 km nordwestl. Donaueschingen)

Naturraum: Baarhochmulde (Villinger-Bräunlinger Schwarzwaldvorland)

Höhe: ca. 710 bis 720 m ü. NN

Fläche: rund 40 ha als Naturschutzgebiet und 27 ha als abhängiges Landschaftsschutzgebiet

Geologie: Alluviale Sedimente; an östlich angrenzenden Hangbereichen Muschelkalk, von dem Basen- bzw. Kalkeinfluß auf das Schutzgebiet ausgeht; Westlich angrenzend oberer Buntsandstein und Diluviallehme.

Böden: Grundwasserbeeinflußt, meist dunkelbrauner bis schwarzer Oberboden (Gley, Anmoor-Gley, Niedermoor)

Klima: Rel. niederschlagsarm (Lee-Effekt des Schwarzwalds), kontinental getönt, winterkalt;

Mittlere Jahrestemperatur zw. 6° und 7° C

Mittlere jährliche Niederschlagssumme ca. 800 mm (Donaueschingen 750 mm)

 

2. Vegetation (1-3)

 

2.1. Streuwiesen-Niedermoor-Komplex

Den wertvollsten Bereich des geplanten Naturschutzgebietes stellt die südliche Teilfläche mit einem Streuwiesen-Niedermoor-Komplex dar, der z.Zt. brach liegt.

Als Kennarten der Streuwiesen kommen hier neben dem dominierenden Pfeifengras (Molinia caerulea) z.T. zahlreich vor:

Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Spatelblättriges Greiskraut (Senecio helenites), Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis), Kümmel-Silge (Selinum carvifolium), Knollige Kratzdistel (Cirsium tuberosum), Nordisches Labkraut (Galium boreale) und Kriech-Weide (Salix repens).

Als Kalkniedermoor-Arten (Caricetum davallianae, Ausbildung mit Primula farinosa) treten in diesem Streuwiesen-Niedermoor-Komplex meist vereinzelt, stellenweise auch zahlreicher auf:

Davall-Segge (Carex davalliana), Floh-Segge (Carex pulicaris), Gelb-Segge (Carex flava agg.), Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), Sumpf-Kreuzblume (Polygala amarella), Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris), Echte Sumpfwurz (Epipactis palustris) und Mehl-Primel (Primula farinosa).

Weitere Niedermoorarten:

Braune Segge (Carex nigra), Sumpf-Veilchen (Viola palustris) und Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium).

Die Fläche wird von etwa knietiefen Gräben durchzogen, an deren Rändern (an lückigeren Stellen) und in denen noch weitere (Kalk-)Niedermoorarten zu finden sind:

Gewöhnliches Fettkraut (Pinguicula vulgaris), Rostrotes Kopfried (Schoenus ferrugineus), Grau-Segge (Carex canescens), Schnabel-Segge (Carex rostrata), Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) und Fieberklee (Menyanthes trifoliata).

Nach ZINKE (1989) kommt bzw. kam im Grabenbereich vereinzelt der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) vor.

Er konnte bei der aktuellen Kartierung (1) nicht mehr nachgewiesen werden.

Als weitere bemerkenswerte Arten sind im Streuwiesen-Niedermoor-Komplex anzutreffen:

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia), Großes Zweiblatt (Listera ovata), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Trollblume (Trollius europaeus), Moor-Labkraut (Galium uliginosum), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), Teufelsabbiß (Succisa pratensis), Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Blutwurz (Potentilla erecta) und Sumpf-Haarstrang (Peucedanum palustre),

in den Gräben:

Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus), Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Roß-Minze (Mentha longifolia).

Ein Teil der Fläche ist stark mit Schilf (Phragmites australis) durchsetzt.

In diesen Beständen nimmt die Artenzahl stark ab, ohne daß ihnen die Streuwiesenarten fehlen.

In etwas nährstoffreicheren Bereichen an den Streuwiesen-Niedermoor-Komplex angrenzend nehmen die Feuchtwiesenarten der Bachkratzdistelwiese (s.u.) zu.

Ähnliche Bestände im Ostschwarzwald wurden von SCHWABE (1986) als Molinietum cirsietosum bezeichnet.

Neben den Arten der Streuwiesen - die Schwarzwurzel tritt allerdings zurück - kommen hier regelmäßig folgende Arten vor:

Trollblume (Trollius europaeus), Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare), Kohldistel (Cirsium oleraceum), Sumpf-Labkraut (Galium palustre), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Schlangen-Knöterich (Polygonum bistorta), Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Mädesüß (Filipendula ulmaria).

In feuchteren Bereichen treten vereinzelt Niedermoorarten auf wie Davall-Segge (Carex davalliana) und Breitblättriges Wollgras (Eriophorum latifolium), ferner die Kriech-Weide (Salix repens).

Der gesamte Streuwiesen-Niedermoor-Standort wird zum Rand hin nährstoffreicher und von Mädesüßreichen Brachestadien gesäumt, stellenweise mit Blauem Eisenhut (Aconitum napellus).

 

2.2. Feuchtwiesen und deren Brachestadien

 

2.2.1. Feuchtwiesen

Die vorherrschende Feuchtwiesengesellschaft im Gebiet ist die (Trollblumen)-Bachkratzdistel-Wiese (Cirsietum rivularis).

Diese Gesellschaft ersetzt die Kohldistel-Wiese (Angelico-Cirsietum oleracei) in den montanen und klimatisch kontinental getönten Lagen im Osten des Schwarzwalds bis zur Schwäbischen Alb.

Sie ist durch die Bach-Kratzdistel (Cirsium rivulare) und die Trollblume (Trollius europaeus) gekennzeichnet.

Als weitere, für Feuchtwiesen charakteristische Arten treten auf:

Moor-Labkraut (Galium uliginosum), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Sumpf-Vergißmeinnicht (Myosotis palustris agg.), Kohldistel (Cirsium oleraceum), Wald-Simse (Scirpus sylvaticus), Wasser-Greiskraut (Senecio aquaticus), Spitzblütige Binse (Juncus acutiflorus), Sumpf-Hornklee (Lotus uliginosus), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Sumpf-Segge (Carex acutiformis), Sumpf-Pippau (Crepis paludosa), Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre), Wiesen-Knöterich (Polygonum bistorta), Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) und Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi).

Die Bachkratzdistelwiesen lassen sich wie folgt nach Nährstoff- und Wasserhaushalt untergliedern:

Eine Ausbildung mit Fettwiesenarten (Subass. von Heracleum sphondylium) auf nährstoffreichen, mäßig bis stärker gedüngten, feuchten Standorten, zu den feuchten Fettwiesen überleitend.

Neben den noch dominierenden Feuchtwiesenarten treten zunehmend Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) und andere Fettwiesenarten auf.

Auf mageren, wenig gedüngten, wechselfeuchten Standorten erreicht der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) hohe Artmächtigkeit.

Als weitere Arten treten in dieser wechselfeuchten Ausbildung zu den typischen Feuchtwiesenarten hinzu:

Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Teufelsabbiß (Succisa pratensis), Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) und Echtes Labkraut (Galium verum).

Die Magerkeit des Standorts wird durch die Artengruppe der Subassoziation von Carex panicea (s.u.) angezeigt.

Als Besonderheiten finden sich stellenweise die folgenden gefährdeten Arten:

Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis), Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris), Färber-Scharte (Serratula tinctoria) und Spatelblättriges Greiskraut (Senecio helenites).

Eine Ausbildung mit der Hirsen-Segge (Subass. von Carex panicea) auf mageren, wenig bis nicht gedüngten, feuchten Standorten.

In dieser Ausbildung tritt die Bachkratzdistelwiese vor allem um das Wasserschutzgebiet (westlich Gewann „Lettenäcker") auf - hier mit sehr reichlichem Auftreten von Trollblume und Breitblättrigem Knabenkraut -, ferner unterhalb des Weihers.

Diese Ausbildung ist neben den typischen Feuchtwiesenarten durch folgende Arten gekennzeichnet:

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Hirsen-Segge (Carex panicea), Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica) und Hohe Schlüsselblume (Primula elatior).

Die Hohe Schlüsselblume kennzeichnet bei reichlichem Auftreten die mageren Bestände.

Eine Ausbildung mit Streuwiesenarten (Cirsietum rivularis scorzoneretosum) auf magerem, unregelmäßig gemähtem, (wechsel)feuchten Standorten.

Die Bezeichnung wurde von SCHWABE (1986) übernommen, die ähnliche Bestände für die Röt-Gebiete des östlichen Schwarzwaldrands beschrieb.

Der im Gebiet vorkommende Bestand liegt nördlich des brachliegenden Streuwiesen-Niedermoor-Komplexes und wird unregelmäßig gemäht.

Neben den typischen Arten der Trollblumen-Bachkratzdistelwiesen finden sich hier Arten der Streuwiesen:

Kümmel-Silge (Selinum carvifolium), Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Spatelblättriges Greiskraut (Senecio helenites), Niedere Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) und Nordisches Labkraut (Galium boreale).

Auf vergleichsweise extensiv genutzten Standorten nehmen insbesondere in vernäßten Mulden die Arten der Bachkratzdistelwiesen teilweise ab, während verschiedene Seggen abwechselnd zur Dominanz kommen.

Die verschiedenen Ausbildungen werden als seggenreiche Bestände zusammengefaßt, da sie oft zusammen und sich kleinräumig abwechselnd auftreten.

Als dominierende Seggen-Arten treten auf:

Schlank-Segge (Carex gracilis), Kamm-Segge (Carex disticha), Blasen-Segge (Carex vesicaria) und Braun-Segge (Carex nigra).

Die Bereiche mit vermehrtem Vorkommen der Kamm- und Blasen-Segge (gegenüber den anderen seggenreichen Beständen eher nährstoffreicher) sind durch auffallend starkes Auftreten des Wasser-Greiskrauts (Senecio aquaticus) gekennzeichnet.

Ferner findet sich hier gelegentlich die Traubige Trespe (Bromus racemosus).

Als weitere Arten, die z.T. auf gelegentliche Überflutung hinweisen, treten hinzu:

Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens), Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula), Flatter-Binse (Juncus effusus), Wasser-Knöterich (Polygonum amphibium var. terrestre) und Acker-Minze (Mentha arvensis ssp. austriaca).

Die Braun- und Schnabelseggenreichen Bestände, wie sie teilweise in der extensiv genutzten Fläche westlich des Streuwiesen-Niedermoor-Komplexes vorkommen, enthalten ferner:

Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Hasenpfoten-Segge (Carex leporina) und Blutwurz (Potentilla erecta).

Nach Angaben von ZINKE (1989) ist hier auch der seltene Moor-Klee (Trifolium spadiceum) anzutreffen.

 

2.2.2. Brachestadien von Feuchtwiesen

Im Bereich des Weihers und des Streuwiesen-Niedermoor-Komplexes liegt ein Teil der Feuchtwiesen brach.

Je nach Standort treten in ihnen neben den Arten der Trollblumen-Bachkratzdistelwiese verschiedene Arten hervor:

-Von Mädesüß (Filipendula ulmaria) beherrschte Bestände:

An nährstoffbeeinflußten Standorten, insbesondere in Randbereichen zu intensiver genutzten Flächen, z.T. mit Störzeigern wie

Brennessel (Urtica dioica), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Gewöhnlicher Hohlzahn (Galeopsis tetrahit agg.) u.a.

-Von Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) beherrschte Bestände:

An mageren, wechselfeuchten Standorten; z.T. finden sich in diesen Flächen Arten der mageren Bachkratzdistelwiesen und Streuwiesen-Arten wie

Färber-Scharte, Spatelblättriges Greiskraut, Pfeifengras und Nordisches Labkraut.

Als weitere Wechselfeuchte-Zeiger treten

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale), Sumpf-Schafgarbe (Achillea ptarmica), Teufelsabbiß (Succisa pratensis) und Blutwurz (Potentilla erecta) auf.

-Von Sumpf-Segge (Carex acutiformis) beherrschte Bestände:

An sickernassen Standorten tritt stellenweise die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) in den Vordergrund.

In diesen Beständen finden sich ferner Arten wie

Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus), Wasser-Knöterich (Polygonum amphibium var. terrestre), Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus) und Fuchs-Segge (Carex vulpina).

In den Brachflächen treten allgemein folgende Hochstauden hinzu:

Kriechender Arznei-Baldrian (Valeriana procurrens), Gewöhnlicher Gelbweiderich (Lysimachia vulgaris), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre), Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum), Vierkantiges Weidenröschen (Epilobium adnatum), Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata), Sumpf-Ziest (Stachys palustris), Berg-Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) und Geflügelte Braunwurz (Scrophularia umbrosa).

 

2.3. Großseggenrieder und Röhrichte

Der Bereich nördlich und westlich des Weihers wird von einem großflächigen Vegetationskomplex aus Großseggenried und Rohrglanzgras-Bestand eingenommen, die kleinflächig noch weitere Gesellschaft beherbergt (Sparganio-Glycerietum, Glycerietum maximae).

Als Großseggenried tritt hier vor allem das Schlankseggen-Ried (Caricetum gracilis) auf, in dem die Schlank-Segge (Carex gracilis) dominiert.

An Großseggenarten, die neben der Schlank-Segge zuweilen auch kleinflächig vorherrschen können, treten auf:

Ufer-Segge (Carex riparia), Steif-Segge (Carex elata), Blasen-Segge (Carex vesicaria), Kamm-Segge (Carex disticha), Sumpf-Segge (Carex acutiformis) und Rispen-Segge (Carex paniculata).

Während die Großseggen die ufernahen Bereiche dominieren (vor allem Carex riparia und Carex gracilis), werden sie landeinwärts zunehmend mit Rohrglanzgras-Herden (Phalaris arundinacea) durchsetzt.

In diesem Vegetationskomplex treten neben den obigen Großseggen und dem Rohrglanzgras ferner folgende Arten auf, die kennzeichnend für Großseggenriede und Süßwasserröhrichte sind:

Wasser-Ampfer (Rumex aquaticus), Wolfstrapp (Lycopus europaeus), Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus), Sumpf-Labkraut (Galium palustre ssp. elongatum), Kleinblütiges Weidenröschen (Epilobium parviflorum), Wasser-Knöterich (Polygonum amphibium var. terrestre), Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Breitblättriger Rohrkolben (Typha latifolia), Aufrechter Igelkolben (Sparganium erectum), Flutendes Süßgras (Glyceria fluitans) und Wasserschwaden (Glyceria maxima).

Als weitere Arten, vor allem zum Rand hin zunehmend, treten Arten der Feuchtwiesen und Feuchtbrachen hinzu.

Der Weiherbach und die nur zeitweise wasserführenden Gräben werden stellenweise von den Fließwasser-Röhrichten Rohrglanzgras-Röhricht (Phalaridetum arundinacea) und Flutschwaden-Röhricht (Sparganio-Glycerietum fluitantis) gesäumt.

 

2.4. Fettwiesen

 

2.4.1. Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum)

Die Glatthaferwiesen werden im Gebiet durch folgende Arten charakterisiert:

Glatthafer (Arrhenatherum elatius), Tag-Lichtnelke (Melandrium rubrum), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Wiesen-Labkraut (Galium mollugo agg.), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Wiesen-Pippau (Crepis biennis) und Große Bibernelle (Pimpinella major).

Typisch ausgebildete Glatthaferwiesen auf frischen Standorten finden sich im Gebiet nur vereinzelt in Randbereichen.

Meistens treten sie in wechselfeuchter und feuchter Ausbildung auf, in denen folgende Arten hinzutreten (bei noch hoher Dominanz der Fettwiesenarten):

-wechselfeuchte Ausbildung:

Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinale) und Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

-feuchte Ausbildung (Arrhenatheretum cirsietosum):

Kohldistel (Cirsium oleraceum), Bachkratzdistel(Cirsium rivulare), Trollblume (Trollius europaeus), Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris).

Die Glatthaferwiesen-Bestände werden mäßig intensiv bewirtschaftet und sind meist mit angrenzenden Bachkratzdistelwiesen vergesellschaftet.

 

2.4.2. Goldhaferwiese (Geranio-Trisetetum)

In den Goldhaferwiesen tritt der Glatthafer zurück und der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum), der neben dem Wiesen-Storchschnabel im Gebiet auch in den Glatthaferwiesen auftritt, stärker hervor.

Als Kennarten der Goldhaferwiese treten folgende Arten auf:

Perücken-Flockenblume (Centaurea pseudophrygia), Weichhaariger Pippau (Crepis mollis), Schwarze Teufelskralle (Phyteuma nigrum) und Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum).

Die Goldhaferwiese löst im Gebiet die Glatthaferwiese in den kühleren, weniger wäremeexponierten Bereichen um den Weiher ab.

Besonders gut ausgebildet ist sie südwestlich des Weihers mit reichlich Perücken-Flockenblume und einer Reihe von Wechselfeuchtezeigern (Großer Wiesenknopf, Herbstzeitlose) und Magerkeitszeigern:

Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia agg.), Feld-Hainsimse (Luzula campestris agg.) und Borstgras (Nardus stricta).

 

2.5. Gehölze

Der Weiherbach wird unmittelbar unterhalb des Weihers von einem  Schwarzerlen-Galeriewald gesäumt, der u.a. folgende Gehölzarten aufweist:

Schwarzerle (Alnus glutinosa), Bruch-Weide (Salix fragilis), Trauben-Kirsche (Prunus padus), Stiel-Eiche (Quercus robur), Zitter-Pappel (Fraxinus excelsior), Öhrchen-Weide (Salix aurita), Grau-Weide (Salix cinerea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Trauben-Holunder (Sambucus racemosus), Eberesche (Sorbus aucuparia), Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) und Schlehe (Prunus spinosa).

Stellenweise kommen in der Umgebung des Weihers und an Grabenrändern Gehölze folgender Arten auf:

Grau-Weide (Salix cinerea), Öhrchen-Weide (Salix aurita), Bruch-Weide (Salix fragilis), Korb-Weide (Salix viminalis) und Schwarzerle (Alnus glutinosa).

 

3. Tierwelt (1,2)

 

3.1. Vögel

Bemerkenswert ist insbesondere die recht hohe Dichte des stark gefährdeten Braunkehlchens (Saxicola rubetra), das im geplanten Schutzgebiet mit ca. 8-10 Brutpaaren vorkommt.

Dies weist darauf hin, daß sowohl die notwendigen Strukturen (Wiesen, Hochstauden) als auch die Nahrungsgrundlage in nahezu optimaler Weise vorhanden sind.

Als weitere Arten der Wiesen und offenen Landschaften brüten im Gebiet:

Grauammer (Miliaria calandra), Wachtel (Coturnix coturnix), Wiesenpieper (Anthus pratensis) und Feldlerche(Alauda arvensis).

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) brütete ebenfalls im Gebiet, blieb aber seit 1991 offenbar aus (GEHRING mündl.).

Auch das in der Vergangenheit gelegentlich hier brütende Rebhuhn (Perdix perdix) konnte aktuell nicht mehr nachgewiesen werden.

Hinzu kommen als Arten der Röhrichte, Großseggenrieder und Hochstaudenfluren:

Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris), Feldschwirl (Locustella naevia) und Rohrammer (Emberiza schoeniclus).

Am „Oberen Weiher" brüten folgende Wasservögel:

Stockente (Anas platyrhynchos), Reiherente (Aythya fuligula), Teichhuhn (Gallinula chloropus) und Bläßhuhn (Fulica atra).

Gelegentlich brüten dort auch der gefährdete Zwergtaucher (Podiceps ruficollis, Brut 1992) und der Haubentaucher (Podiceps cristatus), ferner seit etwa 1990 die Graugans (Anser anser) als Gefangenschaftsflüchtling.

Auf der Nahrungssuche trifft man regelmäßig

Graureiher (Ardea cinerea), Rotmilan (Milvus milvus), Schwarzmilan (Milvus migrans), Sperber (Accipiter nisus), Turmfalke Falco tinnunculus) und Mäusebussard (Buteo buteo).

Regelmäßige Durchzügler bzw. Gäste sind:

Krickente (Anas crecca), Tafelente (Aythya ferina), Schellente (Bucephala clangula), Gänsesäger (Mergus merganser), Fischadler (Pandion haliaetus), Baumfalke (Falco subbuteo), Wanderfalke (Falco peregrinus), Rohrweihe (Circus aeruginosus), Kornweihe (Circus cyaneus), Bekassine (Gallinago gallinago), Lachmöwe (Larus ridibundus), Eisvogel (Alcedo atthis), Raubwürger (Lanius excubitor) und verschiedene Limikolen.

Unregelmäßige bis seltene Durchzügler und Gäste sind u.a.

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis), Knäkente (Anas querquedula), Löffelente (Anas clypeata), Pfeifente (Anas penelope), Spießente (Anas acuta), Schnatterente (Anas strepera), Kleines Sumpfhuhn (Porzana parva) und Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger).

Gelegentliche Ansiedlungsversuche gab es bei Bekassine (Gallinago gallinago), Wachtelkönig (Crex crex) und Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus).

 

3.2. Übrige Tiergruppen

Die übrigen Tiergruppen wurden bisher im Gebiet noch nicht systematisch erfaßt.

Der „Obere Weiher" und teilweise auch die Wassergräben sind Laichbiotop von Amphibien wie

Grasfrosch (Rana temporaria), Erdkröte (Bufo bufo) und höchstwahrscheinlich weiterer Arten.

Darüberhinaus wurden im Gebiet verschiedene gefährdete Insektenarten festgestellt, namentlich unter den Heuschrecken, den Libellen und den Schmetterlingen; die Arten sind im Anhang aufgeführt.

 

4. Wertung

Die hohe Wertigkeit des geplanten Naturschutzgebiets „Weiherbachtal" ist insbesondere darin begründet, daß es hier noch großflächig (Trollblumen-)-Bachkratzdistelwiesen unterschiedlicher Ausprägung gibt.

Diese Großflächigkeit und Strukturvielfalt ist dafür verantwortlich, daß u.a. das stark gefährdete Braunkehlchen als charakteristische Art der Feuchtwiesen hier noch in bemerkenswerter Dichte vorkommt.

Der botanisch wertvollste Bereich ist ohne Zweifel der Streuwiesen-Niedermoor-Komplex im Süden des Gebiets, in dessen Kernbereich auf etwa einem Hektar über 30 Pflanzenarten der „Roten Liste" (siehe Anhang) zu finden sind, so z.B. die stark gefährdete Mehlprimel.

Als Brut-, Rast- und Überwinterungsbiotop für eine Reihe gefährdeter Vogelarten, als Laichgewässer für Amphibien und Lebensraum für Libellen ist insbesondere der „Obere Weiher" und seine Umgebung von Bedeutung.

Die Voraussetzungen für die Ausweisung eines Naturschutzgebiets nach § 21 Naturschutzgesetz sind also in hohem Maße gegeben.

Die Bereiche zwischen den Teilflächen des geplanten NSG und die südlich angrenzenden Flächen sollen als Landschaftsschutzgebiet nach § 21 Abs. 5 NatSchG ausgewiesen werden, da Ihnen eine wichtige Funktion im Rahmen der Vernetzung der NSG-Teilflächen und u.a. als Nahrungsbiotop für verschiedene Vogelarten (z.B. Braunkehlchen) und andere Tierarten zukommt.

 

5. Gefährdungen, Schutz- und Pflegemaßnahmen (1)

Eine Gefährdung ist hier in erster Linie durch eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung gegeben, wie sie in den letzten Jahren auch in der Umgebung des geplanten Schutzgebiets zunehmend zu beobachten ist.

Teilbereiche der ehemaligen Grünlandflächen wurden zu Acker umgebrochen, andere Bereiche wurden intensiv gedüngt, so daß große Flächen in artenarme Fettwiesen überführt wurden.

Auch ein Teil der zurzeit noch schützenswerten Trollblumenwiesen ist stark von nährstoffzeigenden Arten durchsetzt, die auf eine verstärkte Düngung hinweisen.

Mit der Intensivierung verbunden ist auch eine Vorverlegung des Mahdzeitpunktes, der sich insbesondere auf die wiesenbrütenden Vogelarten (z.B. Braunkehlchen) negativ auswirkt.

Da das geplante Naturschutzgebiet relativ großflächig ist und auch mäßig intensiv genutzte Wiesen beinhaltet, wird von der Empfehlung eines absoluten Düngeverbots im gesamten Gebiet abgesehen.

Dieses soll auf bestimmte, bereits derzeit nicht oder kaum gedüngte Bereiche beschränkt werden, während für die übrigen Flächen die Ausbringung geringer Mengen an Festmist gestattet werden soll.

Der Mähzeitpunkt für die erste Mahd darf mit Rücksicht auf die Wiesenbrüter nicht vor dem 1. Juli, auf den Flächen mit Düngeverbot nicht vor dem 15. Juli liegen.

Entlang von Gräben und am Weiherbach ist ein Steifen von 3-5 m ungemäht zu belassen bzw. abschnittsweise in mehrjährigem Turnus zu mähen, um Hochstaudensäume (Bruthabitate, Biotopvernetzung) zu erhalten.

Neben einer Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung ist auch die Aufgabe der Bewirtschaftung aus der Sicht des Naturschutzes oft unerwünscht, da eine Reihe bedrohter Arten auf eine Nutzung angewiesen sind.

Insbesondere konkurrenzschwache Pflanzenarten wie Mehlprimel, Sumpf-Herzblatt, Fettkraut u.a. werden bei einer Nutzungsaufgabe von konkurrenzstärkeren, hochwüchsigen Arten (z.B. Mädesüß) verdrängt.

Daher sollen solche brachgefallenen Bestände, soweit sie noch schützenswerte Arten aufweisen, wieder gemäht werden (in der Regel zwischen Anfang August und Mitte September), um die Hochstauden zurückzudrängen und die gefährdeten Arten zu fördern.

Weitere bzw. stärker differenzierte Pflegevorgaben sind dem Pflegeplan (1) zu entnehmen.

Die Verfüllung von Geländemulden mit Erdaushub, wie in Teilbereichen des geplanten LSG geschehen, ist in der Schutzgebietsverordnung zu untersagen.

Im Bereich des Weihers kommt es durch Angler und Besucher zu Störungen, so daß einige Brutvögel nicht mehr oder nur noch selten anzutreffen sind (z.B. Haubentaucher und Zwergtaucher).

Um dem entgegenzuwirken, sollte das Ufer und die angrenzenden Flächen im Bereich einer in die Schutzgebietskarte einzuzeichnenden „Uferschutzzone" nicht mehr betreten werden; dieses Verbot sollte ganzjährig gelten, da der Weiher auch für Durchzügler und Wintergäste von Bedeutung ist.

Für das gesamte NSG sind insbesondere zum Schutz gefährdeter Vogelarten ein Wegegebot und ein Verbot des freien Laufenlassens von Hunden erforderlich.

Eine ordnungsgemäße jagdliche Nutzung kann zugelassen werden, wobei die Anlage von Wildäckern sowie in Feuchtgebieten die Errichtung jagdlicher Einrichtungen, die Anlage von Fütterungen bzw. Kirrungen und die Fallenjagd zu untersagen ist.

Im LSG sind insbesondere der weitere Umbruch von Grünland in Ackerland und die Auffüllung von Geländemulden zu untersagen.

Weitere wünschenswerte Ziele sollten im Rahmen des Angebots von Pflege- bzw. Extensivierungsverträgen verfolgt werden.

 

 

 

Freiburg, den 28.06.93

 

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg

 

 

Dr. Seitz, Oberkonservator

 

Fuchs, Landeskonservator